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Schmusen mit der Echse
Heidrun Kull züchtet seit etwa drei Jahren Bartagamen

Manche halten das Terrarium schlicht für eine Dekorationselement und sind dann ziemlich erstaunt, wenn ein vermeintliches Stück Holz sich darin bewegt. Dabei tummeln sich hier drei Bartagamen.

EVA FOCHT-RABEL

Metzingen  Man mag es sich kaum vorstellen, aber die schuppig-kalt aussehende Haut ist zwar nicht weich, aber auch nicht unangenehm zum Berühren. Und Simon, der 40 Zentimeter lange und eineinhalb Jahre alte Agame, ist "ein ganz Lieber, der immer zuletzt frisst und beim Streit der anderen schlichtet". Sagt Stella, die sich seine "Tagesmutter" nennt. Sie arbeitet im Pflanzen-stüble von Heidrun Kull, die mittlerweile rund 40 Bartagamen verschiedenen Alters besitzt und diese nicht nur in ihrer Wohnung in Dettingen untergebracht hat, sondern auch in ihrem Geschäft am Kelternplatz. Und so kümmert sich Stella tagsüber um die Tiere, die ihr sehr ans Herz gewachsen sind.
 
Doch wie kommt man dazu, Echsen wie Bartagamen zu züchten? Heidrun Kull hat schon immer ein großes Herz für Tiere und stets leben bei ihr und ihrem Mann Hunde, aber auch Fische und Vögel. Weil sie für Exoten schwärmt, ihr Leguane aber zu groß und Chamäleons zu schwierig in der Haltung sind, entdeckte sie vor rund drei Jahren Bartagamen für sich. "Diese Echsen sind pflegeleicht", sagt sie. Und sie werden recht zutraulich, erkennen ihren Besitzer an der Stimme und "begrüßen" ihn durch eifriges Nicken. Simon beispielsweise genießt es, am Bart gekrault zu werden und setzt sich gern auf die Schulter oder den Kopf von Heidrun Kull.
 
Knacki - er heißt so, weil er einen Knick im Schwanz hat - wiederum ist eher angriffslustig und rauft gern, verträgt sich ansonsten aber mit Simon und Charlie, mit denen er das Terrarium teilt. Eigentlich sind Bartagamen Einzelgänger, männliche Tiere kämpfen um ihr Revier. "Wir haben damit kein Problem, sie raufen zwar manchmal, aber ansonsten vertragen sie sich", berichtet Heidrun Kull.
 
Bartagamen sind eierlegende Tiere, die Weibchen legen meist im Frühjahr ihre Eier in den feuchten Sand. Da die Gefahr besteht, dass die Eier gefressen werden, entnimmt die 58-Jährige sie aus der Kuhle und legt sie in einen Kubator. Schlüpfen die Jungtiere, sind sie etwa vier bis sechs Zentimeter groß und sofort selbstständig, fressen dann gleich wie ihre großen Artgenossen. Bevorzugt werden Salat, Gurken und Obst, aber auch Lebendfutter wie Heuschrecken und Würmer. "Auch beim Fressen haben die einzelnen Tiere ihre Vorlieben, das haben wir schnell festgestellt", erzählt Stella.
 
Meist sitzen die Echsen brav in ihrem Terrarium, aber in ihrer Wohnung lässt Heidrun Kull sie auch manchmal frei laufen. "Da passt dann einer der Hunde auf und zeigt mir, wenn sie unter der Couch verschwinden."
 
Dass im Pflanzenstüble besondere Tiere zu sehen sind, hat sich auch bei den Marktbesuchern herumgesprochen - manche kommen auf einen Sprung herein und informieren sich, was es Neues im Terrarium gibt. Auch viele Kinder machen auf dem Weg zur Schule einen Abstecher und kommen vorbei. "Die freuen sich dann immer, wenn sie die Echsen streicheln dürfen" berichtet die gebürtige Reutlingerin. Aber nach den Streicheleinheiten geht es schnell wieder zurück, denn die Echsen sind wechselwarme Tiere, die auf externe Wärme, also eine Wärmelampe, angewiesen sind.
 




Erscheinungsdatum: Dienstag 30.12.2008

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