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Ohne Kamera geht sie selten aus
Peggy Urbanczyk fotografiert Babys und Kinder in der natürlicher Umgebung

Die Liebe ist schon uralt - aber sie rostet nicht. Im Gegenteil. Und seit es die digitale Fotografie gibt, knipst Peggy Urbanczyk mit noch mehr Begeisterung. Am liebsten Kinder in ihrer natürlichen Umgebung.

EVA FOCHT-RABEL

Metzingen  Am Anfang war das Bad. Da war Peggy Urbanczyk etwa sechs Jahre alt und durfte dem Vater in dem zur Dunkelkammer umfunktionierten Raum zusehen, wie Bilder entwickelt wurden. "Ich starrte auf die eingespielten und doch behutsamen Bewegungen meines Vaters und war total verzaubert, als die Fotos später wie von Zauberhand erschienen."
 
Das kleine Mädchen ließ sich gern verzaubern - und seither fotografiert sie leidenschaftlich: Die erste eigene Kamera war eine EXA 1A. Seit einigen Jahren macht sie ihre Bilder mit einer Nikon D 700 mit einer Festbrennweite von 60 Millimetern, und verzichtet dabei bewusst auf ein Zoom. Das hat seinen besonderen Grund, denn die Hobbyfotografin hat sich zwischenzeitlich vor allem auf Kinderbilder spezialisiert. Nicht nur, weil sie schon bei ihrer Mutter in der Kinderkrippe das Fotografieren deren Schützlinge besonders schön fand, sondern weil "es spannend ist, sie in ihrer natürlichen Umgebung festzuhalten." Also hingegeben an den Anblick eines Käfers, konzentriert beim Spielen oder Malen oder mit verschmiertem Gesicht beim Essen. "Unberechenbar und ungeschminkt" sind die Kinder dann, und wenn sie diese Augenblicke ohne Zoom einfangen will, muss sie sich auf Höhe der Kinder und mit ihnen bewegen.
 
"Kinder funktionieren nun mal nicht immer so, wie man es gerne hätte. Das braucht Geduld, Verständnis - und eine Riesenportion Spaß." Man kann zu ihnen zwar sagen, sie sollen sich hinsetzen, nur funktioniert das nur eine gewisse Zeit, bei Babys gar nicht. Bei vielen Aufnahmen beschränkt sich die 28-Jährige deshalb eher auf eine Beobachterfunktion, lässt die Kinder agieren. Denn: "Fotostudioaufnahmen, so mit Anleitung und Hintergrund, das ist nicht so mein Ding."
 
2008 hat sich die Einzelhandelskauffrau mit "engels-laecheln.de" selbstständig gemacht und ist als mobile Baby- und Kinderfotografin unterwegs. "Noch funktioniert es vor allem über die Mund-zu-Mund-Propaganda", erzählt sie. Aber auch in Frankfurt oder Hannover, wo Peggy Urbanczyk gelebt hat, hat sie sich einen Namen gemacht und hat dort immer wieder Termine. Ebenso wie in ihrer Heimatstadt Halle. Nicht nur für Kinderbilder, sondern auch für Hochzeiten. Oder sie macht Bilder für Flyer von Geschäftsleuten.
 
Zwar hat Peggy Urbanczyk das Fotografieren und Entwickeln von ihrem Vater gelernt, aber sie hat sich in den vergangenen Jahren bei befreundeten Fotografen oder mit Kursen an der Volkshochschule weitergebildet. So hat sie sich auch mit der digitalen Fotografie auseinander gesetzt und bald festgestellt, dass diese Art der Fotografie für sie optimal ist. So braucht sie keine Dunkelkammer, ist mobil und kann die Bilder dann bearbeiten, wenn das zweijährige Töchterchen Emma schläft. So kann es ihr nicht mehr passieren, dass sie - wie am frühen Anfang ihrer "Karriere" - die Dunkelkammertür öffnet und die Werke ihres Vaters zunichte macht.
 
Urbanczyk ist Mitglied der Deutsche Kinderfotografen Charity Vereinigung. Diese Vereinigung macht es sich zur Aufgabe, bundesweit ein Netz aus Fotografen zu spannen, die schwerstkranke Kinder und deren Familie kostenlos fotografiert. So werden schöne Momente festgehalten. Dass dieser Wunsch da ist, das kann sie bestens verstehen. Denn bei ihr stapeln sich nicht nur Bilder von Emma, sondern auch von Freunden und der Familie. Sie hatte früher ständig die Kamera dabei und musste sich zwingen, einen Abend auch mal ohne Blick durch den Sucher zu genießen.
 
@ http://www.engels-laecheln.de .
 




Erscheinungsdatum: Freitag 14.08.2009

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