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Eine Aktion gegen das Vergessen
Am 13. und 14. Oktober wird die Spur der Erinnerung durch Metzingen gezogen

Vor 70 Jahren wurde das Behindertenheim Grafeneck von den Nazis zur Tötungsfabrik für Behinderte gemacht. Mitte Oktober soll der Tatort durch eine Spur der Erinnerung mit Stuttgart verbunden werden.

PETER SWOBODA

Metzingen  Eine besondere Aktion gegen das Vergessen wird es vom 13. bis 16. Oktober geben. Mit einer violetten Spur der Erinnerung von Grafeneck zum Innenministerium nach Stuttgart soll den in dem damaligen Behindertenheim ermordeten Kranken und Behinderten gedacht werden. In Grafeneck haben die Nationalsozialisten zum ersten Mal die industrielle Tötung praktiziert, mehr als 10 000 Menschen wurden von Januar bis Dezember 1940 in Grafeneck mit Gas umgebracht.
 
Aus ganz Württemberg wurden die zu "nicht Lebenswerten" erklärten Kranken und Behinderten nach Grafeneck gebracht. Transportiert wurden sie in den berühmten grauen Bussen. "Diese Busse", so Stadtarchivar Rolf Bidlingmaier, "wurden natürlich auch in Metzingen wahrgenommen. Anfangs wusste man aber noch nicht so recht, was es damit auf sich hatte." Freilich hat sich dann mit der Zeit das Ungeheuerliche herumgesprochen. Obwohl die Nazis seinerzeit alles versucht hatten, ihr menschenverachtendes Tun zu vertuschen. So wurden die Sterbeurkunden gefälscht und vieles mehr. Die Spur der Erinnerung führt von Grafeneck über Bad Urach, Dettingen und Neuhausen nach Metzingen und weiter über Riederich, Bempflingen, Neckartenzlingen hoch auf die Fildern bis nach Stuttgart. Mit einem Glockengeläut geht es am 13. Oktober um 14 Uhr in Neuhausen los. Gleichzeitig beginnt in der Inneren Kelter eine Veranstaltung zu dem Projekt unter der Federführung der Uhlandschule.
 
Anschließend wird die Spur von Neuhausen nach Metzingen zum Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium gezogen. Der Neuhäuser Tag wird beschlossen mit einem ökumenischen Bußgottesdienst. Am Tag darauf steigt um 9 Uhr die Metzinger Eröffnungsveranstaltung zur Spur der Erinnerung in der Aula des Gymnasiums. Anschließend wird auch hier die Spur gezogen. Sie führt vorbei an der St. Bonifatiuskirche durch die Bahnunterführung zur Seyboldschule und von dort zum Marktplatz durch die Stuttgarter Straße in Richtung Riederich. Unterwegs werden verschiedene Stelen zum Thema aufgestellt. Auf dem Marktplatz soll es in Zusammenarbeit mit der Behinderteneinrichtung Rappertshofen ein offenes Atelier geben. Beendet wird die Aktion durch ein Glockengeläut aller Metzinger Kirchen.
 
"Damit die Menschen auch wissen, worum es genau geht", so Rolf Bidlingmaier, "ist vom 6. bis 13. Oktober im Foyer des Metzinger Rathauses eine Ausstellung über Euthanasie und Grafeneck zu sehen. Diese Ausstellung wird auch einen Metzinger Teil beinhalten. Auf einer Schautafel werden die Lebensläufe der Metzinger Euthanasie-Opfer zu lesen sein. "Wir wollen", so Rolf Bidlingmaier weiter, "den Opfern ein Gesicht geben."
 
Elf Metzinger Opfer sind nach Recherchen des Stadtarchivars bekannt. Sie waren in Heimen in Weißenau, Zwiefalten oder Mariaberg untergebracht, ehe sie nach Grafeneck verbracht und von den Nazis getötet wurden. Rolf Bidlingmaier räumt ein, dass dies ein sehr sensibles Thema ist, weshalb er auch ganz genau nachgeforscht hat, ob es noch Nachkommen der Metzinger Opfer in der Stadt gibt. Er hat keine gefunden. Außerdem hält der Stadtarchivar die Zeit nach 70 Jahren für reif, die Namen und Lebensläufe öffentlich zu nennen.
 




Erscheinungsdatum: Mittwoch 30.09.2009

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