INTERVIEW · PFARRER KLAUS PETER METZGER: Was stört an Israel?
Der Metzinger Seelsorger zum Konflikt im Nahen Osten und zu seiner Motivation, sich einzumischenEr hat mit Friedensaktivisten an der Mauer zwischen Israel und der Westbank demonstriert. Wir sprachen mit Pfarrer Metzger über seine Motivation.
CAROLA EISSLER
Herr Pfarrer Metzger, was stört Sie an Israel?
KLAUS PETER METZGER: Mich stört nichts an Israel als solchem. Sondern ich kritisiere eine momentan in Israel vorherrschende Politik im Verhältnis zu den Palästinensern. Mich stört, dass es bei der Mauer nicht nur um den Schutz Israels geht, sondern um Einnahme von Land, das einem nicht gehört. Die Sperranlagen verlaufen zum größten Teil nicht auf der international anerkannten Grenze von 1967. Dazu kommen die Siedlungen und die Siedlerstraßen. Mich stört, dass der Staat Israel seinen eigenen Bürgern bei Strafe verbietet, die Grenze zu überqueren, um Kontakt zu Palästinensern zu haben.
In diesem Zusammenhang setzen Sie bei den Friedenstagen die für Deutsche emotional beladene Berliner Mauer mit der Mauer in Israel gleich. Betreiben Sie da nicht Geschichtsklitterung?
METZGER: Man kann in der Tat die beiden Mauern nicht gleichsetzen. Aber solche Mauern schotten ab und verhindern, dass Menschen auf die andere Seite gelangen, sich wahrnehmen können, um im gegenseitigen Verständnis einander näher zu kommen. Sicherlich war die Mauer in Deutschland von ihrer Konsequenz des Schießbefehls mit all den Toten her brutaler, aber auch an den israelischen Sperranlagen wurden schon zahlreiche Menschen erschossen. Vor allem aber können wir aus der friedlichen Revolution der Kerzen und Gebete vor 20 Jahren auch für die Überwindung der Mauer im Heiligen Land lernen.
Dabei ergreifen Sie aber einseitig Partei für die Palästinenser.
METZGER: Ich ergreife nicht Partei für die Palästinenser, sondern für alle Menschen, die leiden. Und ich glaube, dass die Palästinenser mehr leiden als die Israelis. Ich ergreife Partei für diejenigen Juden, Christen und Moslems, die sich bemühen, einander näher zu kommen und in friedlicher Koexistenz leben wollen. Darin steckt auch meine Arbeit für die Abrahams Herberge.
Sie sprechen aber nicht von den Selbstmordattentätern.
METZGER: Ich kann die Angst der Israelis vor Selbstmordattentätern gut verstehen, auch aus der Geschichte Israels, an der Deutschland seinen dunklen Anteil hat. Aber nur durch Lebensperspektiven für die Menschen in Israel und Palästina kann man verhindern, dass junge Menschen ihr Leben als Selbstmordattentäter wegschmeißen. Die politischen Argumente im Palästinakonflikt kennen wir doch sowieso alle. Deshalb spreche ich nicht über Selbstmordattentäter, sondern unterstütze Menschen in Israel und Palästina, die miteinander am Gemeinsamen anknüpfen und friedliches, gerechtes Zusammenleben von zwei Völkern im Heiligen Land gestalten wollen.
Erscheinungsdatum: Samstag 31.10.2009
zurück zur Ressort-Übersicht