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"Die Darstellung ist nicht akzeptabel"
Prälatur und Pfarrer Metzger beziehen Stellung zur Berichterstattung über die Friedenstage

Zum Bericht über die Metzinger Friedenstage "Ein umstrittener Einfluss" nimmt der Medienbeauftragte der Prälatur Reutlingen, der evangelischen Landeskirche in Württemberg, Pfarrer Peter Steinle, Stellung:

Metzingen  "Unter der Überschrift "Ein umstrittener Einfluss" hat die Redakteurin Carola Eissler im Metzinger Volksblatt vom 31. Oktober ihre Sicht auf die derzeit stattfindenden Metzinger Friedenstage dargelegt. Der Beitrag enthält unsachgemäße Fokussierungen und unbewiesene Behauptungen, denen wir entgegentreten:
 
Die Berichterstattung reduziert die traditionsreichen Friedenstage ausschließlich auf den israelisch-palästinensischen Konflikt. Dabei wird in Metzingen - wie überall bei den bundesweit stattfindenden Friedenstagen - die frühere Berliner Mauer ein zentrales Thema sein. Es sind dazu hochkarätige Zeitzeugen zu hören. Es werden die Mauern zwischen Arm und Reich angesprochen - ein Unternehmer ist dazu eingeladen, der sich angesichts der Krise Gedanken um die Ethik in der Wirtschaft macht. Auch die Mauern, die es in den Herzen und Köpfen der Menschen in Metzingen gibt, werden nicht ausgeklammert: Mauern der Angst, Mauern der Aus- und Abgrenzung. Eigens dazu wurde ein thematischer Gottesdienst vorbereitet. Und es wird schließlich auch - aber eben nicht nur - um Mauern gehen, die heute Städte zertrennen, wie im heiligen Land. Es werden dazu Menschen zu erleben sein, die die Situation kennen und erdulden.
 
Carola Eissler wirft den Friedenstagen durch den "umstrittenen Einfluss" "im Schatten der Abrahams Herberge" Einseitigkeit und Parteinahme gegen Israel vor - auch durch die Auswahl der Redner aus dem Kontext der Abrahams Herberge. In diesem Zusammenhang nennt sie auch den Unternehmer Karl Hermann Blickle, der am 25. November in Metzingen über Wirtschaftsethik spricht. Karl Hermann Blickle hat am 26. April 2007 im Stuttgarter Rathaus die gemeinsam von der Landeshauptstadt Stuttgart, der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit und der Israelitischen Religionsgemeinschaft verliehene Otto-Hirsch Medaille für seine Verdienste um die christlich-jüdische Zusammenarbeit erhalten. In der Laudatio von Pfarrer Dr. Michael Volkmann heißt es beispielsweise: "Er ist ein von der Liebe zum Judentum zutiefst Berührter. Eine seiner zentralen Motivationen ist die Begegnung mit heute gelebten Judentum."
 
Eine besondere Abneigung spricht aus Carola Eisslers Schilderung der Person von Pfarrer Jadallah Shihadeh. Er sei in Europa unterwegs, "um Geld für sein ,Friedensprojekt, wie er es nennt, einzutreiben und ideologischen Einfluss auf die Meinungsbildung zu nehmen." Wir meinen, das der letztgenannte Vorwurf eher auf die Autorin des Berichts und ihre anonymen Informanten zutrifft: Die Behauptungen, Pfarrer Shihadeh pflege einen "luxuriösen Lebensstil" und habe im "Streit um die Verwendung von Spendengeldern" "kurz vor dem Rausschmiss aus der Kirche" gestanden, sind nicht nur falsch, sondern ehrenrührig. Es ist nicht akzeptabel, dass Carola Eissler, die selbst noch nie in Israel war, solche Behauptungen publiziert, ohne einen Beweis oder eine Gewährsperson dafür nennen zu können. Mit der Formulierung, Pfarrer Shihadeh "schicke" seine Ehefrau zu den Metzinger Friedenstagen, offenbart Carola Eissler zudem ein anderes Verständnis von Gleichberechtigung als wir es haben: Hannelore Shihadeh kommt aus eigenem Antrieb als Gast zum Ökumenischen Bittgottesdienst für den Frieden am Sonntag, 15. November. Mangelnde Sach- und Ortskenntnis beweist die Autorin auch, wenn sie die Abrahams Herberge als "pompöses Luxushotel" bezeichnet, auf dessen Areal "aufwendige Wasserspiele betrieben" würden: Tatsächlich handelt es sich dabei um einen kleinen Brunnen mit einer elektrischen Umwälzpumpe, die immer dasselbe Wasser verwendet.
 
Die Einseitigkeit ihrer Berichterstattung dokumentiert Carola Eissler schließlich noch durch ihre Zitatauswahl zum Film "Das Herz von Jenin", der am Freitag, 20. November, von Regisseur Markus Vetter gezeigt wird: Während selbst die ARD-Tagesthemen sowie überregionale Publikationen wie "Die Zeit" oder "Der Spiegel" den Film lobend empfohlen hatten, hat Carola Eissler auf der Internetseite des Senders N24 einen Kommentar des "bekannten Nahost-Korrespondenten" Ulrich Sahm ausgegraben, der von "propagandistischen Machwerk" spricht.
 
Sämtliche unzutreffenden Behauptungen hätte Pfarrer Klaus Peter Metzger im Pressegespräch mit Frau Eissler leicht klären und widerlegen können, wenn sie ihm die Chance dazu gegeben hätte. Stattdessen hat sie im persönlichen Gespräch nichts von alledem erwähnt, um sich dann anschließend an den Schreibtisch zu setzen und ihre - durch welche anonymen Quellen auch immer - gewonnene Einschätzung niederzuschreiben. Eine ausgewogene und faire Berichterstattung sieht nach unserer Überzeugung anders aus."
 
Auch der Metzinger Pfarrer Metzger, Mitinitiator der Friedenstage, bezieht wie folgt Stellung:
 
"Zu den Anschuldigungen und Behauptungen im Artikel von C. Eissler und in der Folge möchte ich im Folgenden abschließend noch einmal Stellung nehmen.
 
1) Der Artikel operiert in einer tendenziösen Sprache mit unbelegten Behauptungen, Gerüchten und Unterstellungen gegenüber Pfarrer Jadallah Shihadeh und der Arbeit der Abrahams Herberge. Diese haben zum Teil einen ehrenrührigen und verleumderischen Charakter. Als Mitglied im Vorstand des deutschen Fördervereins für die Abrahams Herberge und als einer, der dessen Leiter Pfarrer Shihadeh seit über 30 Jahren kennt und jährlich einmal die Einrichtung besucht, weise ich ausdrücklich alle diese Behauptungen zurück. Wer Anschuldigungen hat, soll diese belegen und sich nicht auf Gerüchte und anonyme Quellen beziehen.
 
2) Die Abrahams Herberge ist eine von der EKD anerkannte und von vielen internationalen Kirchen unterstützte Einrichtung für die Begegnung, den Dialog und die Versöhnung von Juden, Christen und Moslems. Ganz klar und zum Beispiel in Nachrichten der EKD nachlesbar hat deren Leiter Pfarrer Shihadeh sich immer wieder gegen jede Gewalt ausgesprochen und Selbstmordattentate kategorisch verurteilt. Das Gästehaus trägt sich seit zwei Jahren nachweislich selbst und ist auf eineinhalb Jahre ausgebucht.
 
3) Der Förderverein Abrahams Herberge Beit Jale e.V. unterstützt auf dieser Grundlage die Arbeit der Abrahams Herberge. Er besteht zurzeit aus 258 Mitgliedern deutschlandweit, zu denen allein 22 Kirchengemeinden gehören und mehr als 20 Pfarrer, beziehungsweise Bischöfe, Pröpste, Dekane. Unsere Arbeit und unsere Ziele sind für jeden transparent und nachlesbar. Darum stehe ich gerne zu dieser Arbeit und habe keine Scheu als evangelischer Pfarrer mich im Vorstand des Fördervereins für die Begegnung und Versöhnung der Kinder Abrahams einzusetzen."
 




Erscheinungsdatum: Mittwoch 11.11.2009

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