IG METALL / Gewerkschafter diskutieren mit Abgeordneten über die Rente mit 67Dringend erforderlich oder Fehlweg der Politik?
Arbeiten bis zum 67. Lebensjahr? Diese Forderung klingt für viele Metaller wie Hohn, angesichts der Chancenlosigkeit Älterer auf dem Arbeitsmarkt. Sie sehen in der Erhöhung des Renteneintrittsalters eine versteckte Rentenkürzung. An die Abgeordneten übergaben sie deshalb über Protestunterschriften.
MICHAEL BANHOLZER
ROMMELSBACH Der angekündigte Vertreter der Grünen war nicht gekommen, die FDP gar nicht erst eingeladen worden. Somit verblieben auf dem Podium lediglich die Vertreter von CDU, SPD und der Linken, um mit den Gewerkschaftern über Sinn und Unsinn der Rente mit 67 zu debattieren. Diese sei, wie der IG Metall-Bevollmächtigter Gert Bauer die vorherrschende Stimmung zusammenfasste, "ein Fehlweg der Politik".
Keinen leichten Stand hatte folglich der Biberacher Bundestagsabgeordnete Franz Xaver Romer von der CDU. Obwohl nach eigenem Bekunden selbst Mitglied der IG Metall, stand er mit seinen Positionen im weiten Rund der Wittumhalle einsam und verlassen da. Denn er verteidigte als einziger die im vergangenen März vom Bundestag beschlossene Reform vorbehaltlos. "Wir müssen den Tatsachen ins Auge sehen", so Romer. Die demografische Entwicklung mache die Rente mit 67 dringend erforderlich. Tue man nichts, müssten entweder die Renten abgesenkt oder die Beiträge erhöht werden. Aber auch so müsse zusätzlich privat vorgesorgt werden, "um die Rente auf Dauer sicher und bezahlbar zu machen". Mit der eigenen Partei in dieser Frage uneins zeigte sich derweil der Reutlinger SPD-Landtagsabgeordnete Rudolf Hausmann. Er halte die Rente mit 67 für den "falschen Weg". Vielmehr müsste die Arbeitswelt derart gestaltet werden, dass die Erwerbstätigen das bisher geltende Renteneintrittsalter erreichen könnten. Sonst sei die Rente mit 67 in der Tat eine bloße Rentenkürzung. Hausmann forderte ein schlüssiges Gesamtkonzept, in welches auch die Frage der Integration von Ausländern sowie die Familien- und Bildungspolitik einfließen müssten. Eine Erwerbstätigenversicherung, wie sie auch die Linke fordere, sei zwar ein positiver Aspekt, löse aber das Problem noch nicht. Die Bundstagsabgeordnete der Linken, die Tübingerin Heike Hänsel, hatte zuvor bereits einen "Systemwechsel" in der Rentenpolitik gefordert. Mit der Erwerbstätigenversicherung sollten mehr Menschen, etwa auch Freiberufler und Selbständige, einbezogen, und die Rentenkasse somit auf eine breitere Basis gestellt werden. Die Rente mit 67 treibe die Menschen dagegen in die Altersarmut. Hänsel forderte stattdessen menschenwürdigere Beschäftigungsverhältnisse und mehr Generationengerechtigkeit bei der Verteilung der Arbeit zwischen Jüngeren und Älteren.
In Wortmeldungen zeigte sich mancher Arbeitnehmervertreter enttäuscht von der Haltung der SPD. Gemeinsam mit der Union mache sie Politik gegen die Mehrheit des Volkes. Man könne niemandem plausibel erklären, warum bis 67 gearbeitet werden müsse, wenn viele schon mit Anfang 50 den Unternehmen als zu alt gelten.
Mit einer Unterschriftenaktion, bei der sich über 4700 Metaller beteiligt hatten, forderten die Gewerkschafter die Abgeordneten abschließend nochmals auf, sich unter anderem gegen die Rente mit 67 und für eine Beibehaltung der Altersteilzeit, die einen gleitenden Übergang vom Erwerbsleben in die Rente ermöglicht, stark zu machen.
Erscheinungsdatum: Freitag 07.12.2007
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