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Reutlinger ESBler macht Paketen weltweit Beine

Er ist der Herr über den Einsatz von 680 Cargo-Jets und 44 000 Fahrzeugen, die täglich in 220 Ländern FedEx-Pakete ausliefern: der Schwabe Tom Schmitt. Studiert hat er in Reutlingen.

JÜRGEN HERDIN

Memphis/Reutlingen  Für Millionen Kinozuschauer wars ein Heidenspaß, für den amerikanischen Paketversand FedEx eine fantastische Möglichkeit der Werbung. In "Die Braut, die sich nicht traut" flüchtet Julia Roberts in einen FedEx-Lieferwagen. Die Eltern stehen bedröppelt vor der Türe - und die Mutter fragt: "Wo will sie denn hin?" Der Vater antwortet: "Keine Ahnung - aber spätestens morgen um 10.30 Uhr wird sie dort sein!"
 
Besonders daran gefreut hat den aus Biberach stammenden FedEx-Vorstand und Cheflogistiker Tom Schmitt (45), "dass wir keinen Cent für dieses Product Placement bezahlt haben". Der Konkurrent UPS zog einmal mehr den Kürzeren.
 
Tom Schmitt, der mit seinem 255 000 Köpfe starken Team dafür sorgt, dass die Pakete tatsächlich vormittags spätestens um halb elf beim Empfänger sind, hat nach 20 Jahren wieder einmal die Hochschule besucht, an der seine Karriere den Anfang nahm: Die Wirtschaftswissenschaftler der ESB, der "European Business School" auf dem Reutlinger Hohbuch-Campus. Der FedEx-Vorstand aus Memphis, gelegen an der südwestlichsten Spitze des US-Bundesstaates Tennessee, hatte nach seinem Einser-Abi in Biberach zunächst in Heidelberg Politik und Anglistik studiert - "länger als ein Jahr hielt ich es dort aber nicht aus", sagt er und schmunzelt.
 
Und "by chance", ganz zufällig, fand er in der Mensa einen mit der Europa-Flagge bedruckten Werbe-Flyer der ESBler an der - damals noch - Fachhochschule Reutlingen. "Da geh ich hin, hab ich mir gesagt, doch so leicht war das eben schon damals nicht".
 
Sich einfach mal einschreiben und ab ins Seminar? - Von wegen. "Was, die wollen ein richtiges Bewerbungsgespräch machen?" Das wunderte Tom sehr, denn das war unüblich in der deutschen Hochschul-Landschaft von 1985. Und tatsächlich: In der - heute weiterhin international - mit Lob überhäuften Kaderschmiede der Wirtschaftswissenschaftler, drehte ihn Prof. Peter Huber schwer durch die Mangel. Danach war Tom Schmitt ein ESBler.
 
Dort lernte er seine heutige Frau Petra kennen, beide studierten in London und in Reutlingen, machten so auch gleich je zwei anerkannte Abschlüsse, dann gings ins Berufsleben. In London heuerte er beim Ölgiganten BP an, lernte dort "viele Amis kennen, die waren mentalitätsmäßig die erfrischendsten", sagt Tom. "Die Amis waren und sind lösungsorientiert, die klagten nicht lange, wenn mal etwas nicht klappte, so wie Deutsche oder Briten." Das imponierte Tom Schmitt mächtig. Jetzt wollte er in die USA.
 
British Petrol warf den Oberschwaben ins kalte Wasser: "In Cleveland (Ohio) war ich verantwortlich für den Geschäftserfolg und die Optimierung von 18 Tankstellen mit 150 Leuten. Ich musste aber auch nachts raus, wenn eine davon überfallen wurde."
 
Zwischenzeitlich war er beim Unternehmensberater McKinsey in Wien - "denn in Deutschland wartete die Bundeswehr auf mich, die hatte ich eigentlich schon vergessen"- Schmitt, der gestern seinen Bruder Joachim aus Isny dabei hatte und abends seine Eltern in Biberach besuchte, grinst.
 
Seine Frau Petra und er holten sich dann in Harvard als "Baker Scholars" absolute Spitzendiplome. Damit standen dem Paar die Expressaufzüge in die Chefetagen weit offen. Wobei Tom Schmitt Harvard nicht unbedingt in der Ersten Liga der Hochschulen sieht. Stolz wie Oskar war so auch ESB-Dekan Prof. Ottmar Schneck, als Schmitt auf einer Podiumsdiskussion am Donnerstag (Bericht folgt) sagte: "Die ESB ist viel besser als Harvard, dort hab ich sehr viel mehr gelernt".
 
Einfache, aber praktikable Lösungen suchen, die dem Unternehmen auch Erfolg bringen - das war und ist Tom Schmitts Devise. Seine Fähigkeiten, solch unkomplizierte Lösungen zu entwickeln, sollten ihn schon bald in diverse Chefetagen führen. "Bündelt die Macht der Leidenschaft und der Einfachheit und Ihr werdet Ergebnisse erzielen", heißt es im Untertitel seines 2006 veröffentlichten Buches "Simple solutions" - einfache Lösungen.
 
Schmitt wechselte zu McKinsey nach Atlanta, wo er Chefberater für alles war, was mit Transport und Service zu tun hatte. Auch seine Frau Petra dockte bei dem noblen Unternehmensberater an. Ganz witzig: Bevor Schmitt in die Chefetage zu FedEx wechselte, beriet er neben Delta Airlines ausgerechnet den FedEx-Hauptkonkurrenten UPS.
 
Dessen Umsatz war 1998 - als Schmitt zu FedEx kam - noch doppelt so hoch. Heute macht UPS 60 Milliarden US-Dollar Umsatz, FedEx aber bereits 40. "Wir können alles", so Schmitt. Das sollte auch in einem weiteren Kinofilm rüberkommen: Tom Hanks, der in "Verschollen" (auf der einsamen Insel) nach fünf Jahren gerettet wird, nimmt von dort nur das mit ihm gestrandete FedEx-Paket mit - welches er daheim pflichtgemäß ausliefert.
 




Erscheinungsdatum: Samstag 14.03.2009

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