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Ein oft verkanntes Krankheitsbild
Fachtag zum Post-Polio-Syndrom: Ziel sind Netzwerke zwischen Ärzten und Selbsthilfegruppen

"Wir sind stolz, dass wir so viele Ärzte erreicht haben", resümiert Dr. Hans Säurle: So soll es sein, denn Ziel des Fachtags zum Post-Polio-Syndrom ist, Ärzte und Selbsthilfegruppen näher zusammen zu bringen.

CORDULA EVE WALLEIT

Reutlingen  Es ist ein wenig bekanntes Krankheitsbild, das im Mittelpunkt der Informationsveranstaltung im Ärztehaus in der Haldenhaustraße steht: Die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW) hat zu Referaten und Diskussionen übers Post-Polio-Syndrom gebeten - und ist mit der Resonanz äußerst zufrieden. "Gut 70 Teilnehmer aus allen Teilen Baden-Württembergs sind gekommen", fasst Säurle, Leiter der Kooperationsstelle Selbsthilfegruppen innerhalb der KVBW, zusammen, "alleine zwölf davon sind Ärzte".
 
Selbstverständlich sei das nicht, unterstreicht er: "Einer unserer Referenten erzählte, er habe diesen Vortrag auch schon vor einem Publikum gehalten, in dem überhaupt keine Ärzte saßen." Was auch am Post-Polio-Syndrom selbst liegt: Rund 100 000 Menschen in ganz Deutschland, etwa 10 000 davon im Ländle, leiden unter der Krankheit, die als Spätfolge der Kinderlähmung als leichte Muskelschwäche, aber auch in Form starker Nervenschmerzen daher kommt, in einigen Fällen gar zu progressivem Muskelschwund und Bewegungsstörungen führt - und nicht immer auf Anhieb richtig diagnostiziert wird. "Umso wichtiger ist die Arbeit der Selbsthilfegruppen", betont Tobias Binder, der bei der KVBW den Bereich Service und Beratung leitet, "denn Betroffene können ihre Beschwerden selbst sehr viel besser definieren, wovon dann wieder andere Betroffene profitieren". Was ein Patient dem anderen erzähle, sei viel authentischer und helfe dem Arzt, ist Binder überzeugt: "Deshalb ist es schade, dass gerade ältere Ärzte die Mitglieder von Selbsthilfegruppen für Besserwisser halten." Ziel dieser Informationsveranstaltung sei daher, Netzwerke zwischen Ärzten und Selbsthilfegruppen zu knüpfen, so der Bereichsleiter. Um diesen Netzwerken den Weg zu ebnen, hat das KVBW-Team so manchen namhaften Referenten ins Ärztehaus gebeten: Den Bielefelder Anästhestisten Dr. Götz Skudelny etwa, der als Mitglied im medizinisch-wissenschaftlichen Beirat der Polio-Selbsthilfe für Diskussionen zur Verfügung steht, aber auch Karola Rengis, die Bundesvorsitzende der Polio-Selbsthilfe.
 
Klar, dass sich auch die beiden Vorsitzenden der regionalen Selbsthilfegruppe, die Neuhäuserin Edith Stasch und die Reutlingerin Ingrid Elster, zum Info-Tag im Ärztehaus eingefunden haben: 36 Mitglieder hat die Gruppe, und es könnten noch mehr werden: 50 bis 70 Prozent der rund 200 000 Menschen, die in den 50er und 60er Jahren an Polio erkrankten, entwickeln - oft nach mehreren Jahrzehnten - das Post-Polio-Syndrom. Dass die Kinderlähmung Schnee von gestern ist, sei im Übrigen ein Irrtum, weiß Binder: "Bei uns wird zwar geimpft, aber in vielen beliebten Urlaubsgebiete ist Polio noch ein Thema."
 
Info
 
Kontakt zur regionalen Selbsthilfegruppe gibts unter Telefon: 07123/186 29.
 
Zu einer krankheitsunabhängigen Info-Veranstaltung für alle Selbsthilfegruppen im Land bittet die KVBW am Samstag, 25. April, 10 Uhr, ins Ärztehaus. Infos unter http://www.kvbawue.de
 

 




Erscheinungsdatum: Mittwoch 01.04.2009

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