Da kann höchstens Jena mithalten
Migrationsamt weiht neue Räume ein - Außenstelle zieht von Reutlingen nach EningenEine Übersiedlung im kleinem Rahmen: Die Reutlinger Außenstelle des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) zog vor kurzem nach Eningen um. Gestern war nun die offizielle Eröffnung.
KARIN LOBER
Eningen - Nach rund 17 Jahren war es soweit: Die bisher in Reutlingen beheimatete Außenstelle des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge zog nach Eningen um. Der Grund: Der Mietvertrag in den ehemaligen Kasernen im Ringelbach sei nicht verlängert worden, die Stadt habe dort andere Pläne, erklärte der Referatsleiter der Außenstelle, Hermann Hafner. In Eningen habe man passende Räume für die Außenstelle gefunden: Sie logiert auf einer Etage des ehemaligen Wandel und Goltermann-Verwaltungsgebäudes. Auf den rund 1200 Quadratmetern sind laut Hafner 46 Mitarbeiter tätig, die in erster Linie Aufgaben aus dem Bereich der Integration erledigen. Zudem werden dort Asyl-Folgeanträge bearbeitet.
Zur Einweihung der Räume kam der Präsident des Bundesamtes, Dr. Albert Schmid, höchstpersönlich aus Nürnberg - dort ist der Hauptsitz des Bundesamtes - angereist. Er begrüßte die geladenen Gäste, darunter auch Hagen Kluck, den Schmid versehentlich als Abgeordneten des Bayrischen Landtages bezeichnete. Dieser Versprecher resultiere daraus, dass er selbst einst im Bayrischen Landtag gesessen habe, gab Schmid einen Einblick in seine Vita und wies darauf hin, dass die Außenstellen der Behörde auch länderübergreifend in Einsatz sind. Die Reutlinger Außenstelle, so Schmid, sei beispielsweise vom Bodensee bis hinein ins bayrische Neu-Ulm tätig. Sie leiste also Entwicklungshilfe in Bayern scherzte Schmid. Was die nördliche Grenze betrifft, so wusste Hafner, sind seine Mitarbeiter bis in den Raum Schwäbisch Hall tätig.
Schmid berichtete, dass die Zahl der Asylanträge ebenso wie die Zahl der Aussiedler drastisch zurückgegangen sind. Dies habe eine tiefgreifende Änderung der Migrationssituation bewirkt. Deutschland stehe heute, was die Zahl der Migranten betreffe, erst an fünfter Stelle in Europa. Doch auch wenn die Zahl der Migranten zurückging, die " qualitativen Probleme sind schwieriger geworden". Schwerpunkt seiner Behörde sei heute die Integration, so Schmid, der die Integrationskurse als eine weltweit einzigartige "Erfolgsgeschichte" bezeichnete.
Die Mitarbeiter dieser Außenstelle hätten nun schöne Räume mit einem tollen Blick auf den Ursulaberg, freute sich Schmid. Ein solch schönes Landschaftspanorama sei unter den Außenstellen einzigartig, eventuell könne da "Jena noch ein wenig mithalten".
Hagen Kluck musste gestehen, dass die Behörde in Eningen "deutlich besser untergebracht" sei als in Reutlingen. Doch dieses Zugeständnis falle ihm leicht, weil auch Eningen zu seinem Wahlkreis gehöre. Kluck erläutere, dass man Zuwanderung nicht als Last, sondern als Chance sehen müsse. Man sei hierzulande auf Neubürger angewiesen. "Wir müssen dahin kommen, dass wir selbst entscheiden, wer einwandert", sagte Kluck. Er würde sich freuen, wenn das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge zur Einwanderungsbehörde werden würde. Kluck erklärte, es sei unerlässlich, dass sich Migranten zum Grundgesetz bekennen und dass Integration keine Einbahnstraße sein dürfe: Man müsse wechselseitig aufeinander zugehen.
Zudem gratulierte Ministerialdirigent Herbert Hellstern vom Innenministerium Baden-Württemberg zum Umzug: Der bekannte Holzschneider HAP Grieshaber habe in Eningen gewohnt, dies beweise, dass die Gemeinde ein guter Ort für Inspiration und kritisches Handeln sei. Hellstern berichtete, dass die Integrationskurse Baden-Württembergs bundesweit Schule machten und erklärte wie Kluck und Dezernatsleiter Manfred Stehle vom Städtetag Baden-Württemberg, dass Sprachkenntnisse für eine gelungene Integration unerlässlich seien. Doch Integration müsse nicht nur im Kopf, sondern auch im Herzen stattfinden.
Dr. Franz Christian Mattes, Präsident des Verwaltungsgerichts Sigmaringen betonte wie Schmid und Hellstern, dass er sich weiterhin für den Erhalt der BAMF-Außenstellen stark mache, während Dr. Barbara Dürr als stellvertretende Bürgermeisterin Eningens die Mitarbeiter der Außenstelle willkommen hieß. Sie seien jetzt ja sozusagen auch immigriert, stellte Dürr fest und wies darauf hin, dass es wichtig sei, dass Migranten deutsch lernen, dass aber auch den Deutschen etwas Nachhilfe in Sachen Weltoffenheit nicht schaden würde.
Erscheinungsdatum: Donnerstag 28.05.2009
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