Im Trio hin zum Elektro-Auto
Bosch, die Hochschule und die Uni Stuttgart gründen ForschungszentrumMit einem bundesweit einzigartigen Bündnis nehmen die Robert Bosch GmbH, die Hochschule Reutlingen und die Uni Stuttgart die Entwicklung der Leistungselektronik in Angriff. Es geht um Elektro-Autos.
JÜRGEN HERDIN
Reutlingen/Stuttgart . Es geht um die Zukunft der automobilen Antriebstechnik - und bei Fahrzeugen, die mit elektrischem Strom betrieben werden, soll Deutschland künftig vorne mitmischen: Gestern unterzeichneten die Hochschule Reutlingen, die Universität Stuttgart sowie die Robert Bosch GmbH ein Abkommen über die Gründung eines "Robert-Bosch-Zentrums für Leistungselektronik Reutlingen-Stuttgart RBZ)". Im Beisein von Wissenschafts- und Forschungsminister Prof. Peter Frankenberg erläuterten die Akteure ihr in Deutschland einzigartiges Projekt einer großen Zahl von Medienvertretern. "Es geht darum, das Automobil neu zu erfinden!" Nicht mehr und nicht weniger ist für den Minister aus Stuttgart das, was Reutlingens Hochschulpräsident Prof. Peter Nieß als "einen Meilenstein in der Entwicklung der Hochschule" bezeichnete. "Ein herausragendes Zeichen, das Bosch hier mitten in der Krise setzt", sagte Frankenberg anerkennend.
Die Kritik ist nicht neu: Während die Japaner seit Jahren mit fertigen Lösungen in Sachen Hybrid-Antrieb bei Fahrzeugen präsent sind, hinkten die Deutschen hinterher. Nun sollen schnelle und tragfähige Konzepte in der Leistungselektronik geschaffen werden.
Und so steigt Bosch nun allein für das Kooperationsprogramm RBZ mit über 15 Millionen Euro ein, die Hochschulen und das Land steuern zwölf Millionen Euro bei. Im Rahmen des Studien- und Forschungsprojekts - Start an den Lehreinrichtungen ist Anfang des kommenden Jahres - wurden neue Bachelor- und Masterstudiengänge sowie ein gemeinsames Promotionsprogramm eingerichtet.
Das ist besonders für die Hochschule Reutlingen wichtig, weil es auf Grund deren Verfasstheit bislang noch kein eigenes Promotionsrecht gibt. Auch für die Uni Stuttgart sei diese Einrichtung ein Gewinn, so Rektor Prof. Wolfram Ressel. "In Reutlingen allein wird es 35 zusätzliche Studienplätze geben, hinzu kommt ein Masterstudiengang mit 30 Plätzen. Studierende mit hervorragenden Leistungen könnten dann, so Nieß, "ohne weitere Leistungsnachweise" im gemeinsamen Promotionsprogramm ihren Doktor machen. Erste Doktorhüte dürfte es ab 2015 geben. Bosch-Geschäftsführer Dr. Wolfgang Malchow prognostizierte gestern: "Die Absolventen werden hervorragende Arbeitsmarktchancen haben."
So lange will Bosch freilich nicht mit Fahrzeugen warten, deren Elektro-Antriebstechnologie dann ebenso weltweit führend sein soll, wie heute schon bei der Optimierung bei Diesel- und Benzinmotoren. Jedenfalls verwies Boschs Geschäftsführer im Bereich Technik, Dr. Volkmar Denner, darauf, dass auf absehbare Zeit weiterhin zweigleisig gefahren werde. Denn "der Hybrid-Antrieb ist heute noch nicht wettbewerbsfähig", so Denner. Er verwies darauf, dass die künftige Fortentwickung bei der Steuerung von Diesel- und Benzinmotoren weitere 25 Prozent Verbrauchseinsparung bringen werde. Denner und Malchow wollten über die weitere Entwicklung der Arbeitsplätze in Deutschland keine Prognosen abgeben, betonten aber, "dass wir komplett gegen den Trend der Zeit gehandelt haben, als wir hier in Reutlingen das Halbleiterwerk gebaut haben", so Denner. In das Werk an der Tübinger Straße investierte Bosch über 600 Millionen Euro. Und nun also kommt die neue Denk- und Forschungsfabrik RBZ. "Leistungselektronik ist das Bindeglied im Antrieb, das künftig die heutige Motorsteuerungs-Elektronik ersetzt", so Denner. Der Fokus ist dabei auch auf Zweiräder gerichtet: In China werden jedes Jahr 20 Millionen E-Bikes gekauft.
Für die Forschung im Betrieb und in den beiden Hochschulen gilt es nun, auf noch effektivere und kleiner Batterien hinzuarbeiten - fürs Auto und Zweirad. Auch die Transformation des Stroms und das Volumen der einzusetzenden Elektronik sei hierbei ein wichtiges Thema. Und all dies steht auch im Verbund mit der noch effektiveren Nutzung der Photovoltaik. Da traf es sich gut, dass nach dem Hochschulcoup die Bosch-Gruppe gestern auch noch die Aktienmehrheit an dem Modulhersteller "aleo solar AG" übernahm. "Wir freuen uns darauf, zusammen mit aleo unser Photovoltaik-Geschäft weiterzuentwickeln", so Bosch-Vize Dr. Siegfried Dais.
Erscheinungsdatum: Mittwoch 04.11.2009
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