Katze angeschossen
Mittelfischacher vermuten Tierquälerei in Serie - Hausbefragung der PolizeiEs klingt unglaublich: In Mittelfischach soll seit zehn Jahren ein Tierquäler sein Unwesen treiben: Vergiftete und verletzte Katzen - und jetzt eine Katze, die mit einem Luftgewehr angeschossen wurde.
JOCHEN KORTE
Obersontheim "Im Bereich Friedhof und Bühlweg bis zur Fischachstraße sind in den letzten neun Monaten mindestens neun Katzen erstochen, verstümmelt oder beschossen und mit brutalsten Schlägen misshandelt worden", sagen Susann und Andreas Bernhard.
Eine ihrer Katzen, so Andreas Bernhard, sei vor Wochen mit einer Verletzung nach Hause gekommen, die nur von einer Drahtschlinge herrühren könne. Rund um den Hals habe die Katze Schnittwunden gehabt, die Haare im Nacken seien abgetrennt gewesen. Ende September dann habe es "Sammy" erwischt. Der Kater ist mit einem Luftgewehr beschossen worden. Das Diabolo-Projektil hat ein Tierarzt aus dem Körper operiert. Zudem sei "Sammy" so brutal getreten worden, dass er Trümmerbrüche in der Hüfte davongetragen habe. Bernhards haben Anzeige erstattet.
Die Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen - und plötzlich fügt sich ein Mosaiksteinchen zum anderen. Offensichtlich waren das keine Einzelfälle. Es scheint sich um eine ganze Serie von Tierquälerei zu handeln. Das hat sich bei der Hausbefragung am 1. Oktober gezeigt. Die Polizei ist mit fünf Beamten in Mittelfischach von Haus zu Haus gezogen und hat mit den Anwohnern gesprochen. Dabei wurde eine Vielzahl von weiteren Fällen gemeldet.
Wie zum Beispiel die von Familie Schäfer. "Eine Katze ist seit Pfingsten spurlos verschwunden. Und vor neun Monaten ist eine Katze vergiftet worden", erzählt Sylvia Schäfer. Erst vor wenigen Tagen sei "Max" erstochen worden. Jetzt passen ihre Jungs Oliver, Daniel und Dominik ganz besonders auf "Momo" und "Speedy" auf. "Die Katzen kommen nur noch tagsüber nach draußen", so Sylvia Schäfer.
Dennoch bleibe ein ungutes Gefühl. "Ich traue niemandem aus meiner Umgebung so etwas zu", meint Sylvia Schäfer. Wenn jemand etwas gegen Katzen habe, könne er sie ja verscheuchen. Aber dass jemand so extrem reagiere, könne sie nicht verstehen.
Offensichtlich hat die Serie schon vor Jahren ihren Anfang genommen, als Anwohner einen abgetrennten Katzenkopf in einer Plastiktüte fanden, mehrere Hunde vergiftet wurden und immer wieder von verschwundenen beziehungsweise tot aufgefundenen Katzen berichtet wurde.
"Das Diabolo-Geschoss ist sichergestellt", sagt Polizei-Pressesprecher Hans-Ulrich Stuiber. Die Polizei gehe weiteren Hinweisen nach, doch ganz konkrete Spuren gebe es nicht. Da einige zurückliegende Fälle erst jetzt nachträglich angezeigt worden seien, könne möglichen Spuren nicht mehr nachgegangen werden. Bei Vergiftungen könne nicht ausgeschlossen werden, ob die Katzen eventuell vergiftetete Mäuse gefressen hätten und daran gestorben seien.
"Der Tierquäler hat schon Grenzen überschritten. Da ist es nicht auszuschließen, dass er irgendwann auch Kinder oder andere Personen nicht verschont", befürchtet Andreas Bernhard. "Wir wollen, dass der Täter endgültig aufhört", wünscht sicher nicht nur er sich.
Erscheinungsdatum: Freitag 10.10.2008
zurück zur Ressort-Übersicht