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Warten auf den "Gesundheits-Gau"
Der Strahlenphysiker Dr. Volker Schorpp referiert vor der Fichtenberger Bürgerversammlung

Er glaube nicht mehr an Aufklärung, sagt Dr. Volker Schorpp. Der Stahlenphysiker referierte auf der Bürgerversammlung über Mobilfunkrisiken.

RICHARD FÄRBER

Fichtenberg  Dr. Volker Schorpp erwartet den "Gesundheits-Gau". In zehn bis 20 Jahren, erklärte der Strahlenphysiker in der Fichtenberger Bürgerversammlung, seien die schädlichen Auswirkungen der Mobilfunkstrahlung nicht mehr zu leugnen. Dass dies durch Aufklärung zu verhindern ist, glaubt er nicht. Die Medien, namentlich den"Spiegel", qualifiziert Schorpp als gekauft ab, dem Staat unterstellt er "Verherrlichung" und bewusstes Verschweigen der Risiken.
 
Schorpp war auf Anregung von Bürgern und auf Wunsch des Gemeinderates eingeladen worden, um über die Gefahren des Mobilfunks zu informieren. Auslöser waren die Pläne der Bahn, zwei Masten für den Zugfunk im Schanztunnel aufzustellen, sowie der Ausbau des Behörden- oder "Tetrafunk".
 
Für Schorpp steht die Schädlichkeit außer Frage. In der Versammlung verweist er auf wissenschaftliche Versuche, beschreibt die Auswirkungen auf Pflanzen, macht Strahlung hörbar und demonstriert Verhältnismäßigkeiten, etwa mit einer Gasdruckfanfare: Der Lärm entspricht - übertragen - einem Prozent der ständig auf die Menschen einprasselnden Strahlung. Diese, stellt Schorpp fest, habe sich seit 1990 um den Faktor 86 vervielfacht. Die Gehirne von Kindern entwickelten sich deshalb anders als früher - Ursache fürs mittlerweile geballt auftretende ADHS-Syndrom.
 
Auch im Publikum hat man einschlägige Erfahrungen gemacht. Auf einem Hof in Mittelrot hätten die Kühe geblutet und die Ziegen seien umgekippt, wird berichtet. Der Hofhund habe durchgedreht und plattenweise Haare verloren, Bäume seien abgestorben und auch die Bewohner hätten über körperliche Beschwerden geklagt. Besserung sei eingetreten, nachdem man sich mit Alufolie vor dem Funkmast auf dem Kirgel abgeschirmt habe. Da diese Auffälligkeiten nicht kontinuierlich auftreten, gehen die Bewohner davon aus, dass am Kirgel mit Strahlung experimentiert wird.
 
Eine Besucherin spricht von Körperverletzung - meint damit aber ausdrücklich nicht die Strahlung der Handynetze sondern den dauersendenden Tetrafunk. Eine Station wird auf dem bestehenden Masten auf dem Viechberg installiert; der Gemeinderat hat zugestimmt. Möglichkeiten der Mitbestimmung werden angesprochen: Kann ein Bürgerentscheid den Beschluss kippen, können Gemeinden überhaupt den Bau von Sendemasten verhindern? Die Gemeinden haben mehr Möglichkeiten, als sie gemeinhin zugeben, meint Schorpp. Allerdings benötigen sie dazu den Rückhalt der Bevölkerung und einen starken Durchsetzungswillen.
 
Den die Politik, Schorpp zufolge, nicht hat. Eine dramatische Entlastung sei beispielsweise kurzfristig möglich, wenn man die zahlreichen Organisationskanäle der verschiedenen konkurrierenden Anbieter, "die 24 Stunden am Tag schreien", durch einen Ortungskanal für alle ablösen würde. Man müsse es nur politisch wollen. Die Absenkung der Grenzwerte sei gegen diesen Effekt eher sekundär.
 




Erscheinungsdatum: Freitag 28.11.2008

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