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Ab heute lebt Markus in Togo
Freiwilligendienst des IJGD: 22-jähriger aus Unterrot arbeitet für ein Jahr mit Behinderten

Heute früh gehts los, ab Stuttgart. Ein Jahr lang wird der 22-jährige Markus Leschinski aus Unterrot dann in der togolesischen Stadt Kpalimé leben und mit behinderten Kindern arbeiten.

SARAH EISEBRAUN

Unterrot  Togo ist ein schmaler lang gestreckter Staat im Westen Afrikas mit tropischem Klima, eine ehemalige deutsche und danach französische Kolonie, wichtiger Kakao-, Kaffee- und Teeproduzent, geprägt von Armut, Elend und Ausbeutung von Arbeitskräften.
 
Für viele Menschen ist Togo dennoch nur ein unwichtiger Fleck auf der Landkarte. Markus Leschinski aus Unterrot aber sieht das anders. Für den 22-Jährigen wird Togo ab dem 1. September ein Jahr lang Heimat und Arbeitsplatz sein.
 
Angefangen hat alles, als Markus und sein Kumpel vom Sommerurlaub nach Hause fuhren und zufällig im Radio von "Weltwärts" hörten, dem Freiwilligendienst des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Die Organisation unterstützt junge Erwachsene die ein Jahr in einem Entwicklungsland Hilfe leisten wollen und gibt den verschiedenen Entsendeorganisationen einen groben Rahmen vor, wie solche Freiwilligendienste zu gestalten sind.
 
Die eigentliche Planung und Organisation des Freiwilligendienstes, wie die Suche nach einer Arbeitsstelle, die Vorbereitungsseminare und einen Großteil der Flug- und Verpflegungskosten übernimmt dann die Entsendeorganisation. Im Fall von Markus sind es die Internationale Jugendgemeinschaftsdienste IJGD.
 
Schon länger hatte Markus den Gedanken gefasst, zwischen Abitur und Studium in einem Entwicklungsland ehrenamtlich zu arbeiten. Für ihn sind die zwölf Monate Freiwilligendienst kein "verlorenes Jahr" nach dem Abi, sondern eine Bereicherung für das ganze Leben. Ein Jahr, in dem er viel über sich selbst und andere Menschen lernen wird und sich für Werte wie soziales und ökologisches Denken und interkulturelles Lernen einsetzen kann.
 
Die Bilder von ausgehungerten Körpern und traurigen Gesichtern der Menschen in Afrika, die man aus den Medien kennt, hatten sich auch in Markus Kopf festgesetzt und ihre Spuren hinterlassen, sodass er sich schnell für Afrika als "Wunschkontinent" entschied. Da er in den vergangen beiden Jahren Französisch in der Schule gelernt hatte fand er in Togo, einer ehemaligen französischen Kolonie, die noch immer stark von Frankreich geprägt ist, das perfekte Land für seinen Freiwilligendienst.
 
Im November 2008 begann die Bewerbungsphase und Markus musste neben mehreren Auswahlgesprächen auch ein französisches Telefoninterview meistern, in dem er seinen Gesprächspartner so gut von sich, seiner Motivation und seinen Sprachkenntnissen überzeugen konnte, dass sein Flugticket nach Togo schon so gut wie gebucht war.
 
Heute, am 1. September, geht es jetzt endlich los nach Kpalimé, einer Stadt mit 100 000 Einwohnern, die etwa 60 Kilometer von der Küste entfernt liegt. Dort wird Markus in einen Heim für behinderte Kinder arbeiten, sie pflegen und betreuen und mit ihnen als "Lehrer" motorische Fähigkeiten üben.
 
Der 22-Jährige weiß noch nicht, wie genau sein Alltag aussehen und ob er in einer Gastfamilie oder in dem Heim wohnen wird. Aber er freut sich auf die neue Herausforderung. "Die ersten Tage werden sicher hart, wenn man dieses Elend und diese Armut so direkt vor Augen hat und mit erlebt. Aber andererseits sind diese Menschen auch viel optimistischer, als die Menschen in den westlichen Kulturen. Wenn ihre Grundbedürfnisse gestillt sind, sind sie glücklich und dankbar, auch wenn sie arm sind und ein einfaches Leben führen."
 
Doch nicht nur Hunger und Armut, sondern auch Krankheiten wie AIDS, Gewalt und Kriminalität prägen den Alltag in Togo. Für Markus ist das dennoch kein Grund zur Sorge. "Auf den Vorbereitungsseminaren und auch in den Berichten, in denen ich gelesen habe, wird einem schon geraten, vorsichtig zu sein und beispielsweise als Mensch mit weißer Hautfarbe nachts nicht alleine in der Stadt rumzulaufen. Aber ich denke, wenn man sich an diese Vorsichtsmaßnahmen hält, wird auch alles gut gehen. Da in Kpalimé sehr viele Freiwillige aus der ganzen Welt arbeiten, sind Menschen mit weißer Hautfarbe dort auch nicht mehr ganz fremd. Das Einzige, was mir Sorgen bereitet, sind eventuelle Sprachprobleme. Ich hoffe, dass ich die Kinder einigermaßen verstehe, denn sie sprechen ja Französisch mit afrikanischem Akzent und die Stammessprache, die dort gesprochen wird, muss ich erst noch lernen."
 
Trotzdem ist Markus die Aufregung vor seiner großen Reise anzusehen. Er zeigt auf einen kleinen schwarzen Punkt auf der Afrika-Karte im Atlas - Kpalimé - und sagt: "Nächste Woche um diese Zeit sitze ich nicht mehr hier in Gaildorf im Café, sondern genau auf diesem Punkt. Ich hoffe, dass ich mit meiner Arbeit etwas bewirken und die Menschen ein kleines bisschen glücklicher machen kann."
 
Info
 
Da die Kosten für den Freiwilligendienst sehr hoch sind, suchen die Teilnehmer Förderer, die sich finanziell beteiligen möchten. Markus Leschinski hat daher ein Spendenkonto eingerichtet: Nr. 6531573, BLZ: 6225030, Kreissparkasse Schwäbisch Hall. Das gespendete Geld geht nicht an ihn, sondern an die IJGD, die auch Spendenbescheinigungen ausstellt. Spender erhalten regelmäßig Informationen. Kontakt: markus.leschinski@web.de
 

 




Erscheinungsdatum: Dienstag 01.09.2009

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