Thema der Region

GESUNDHEITSWESEN / Hoffnung auf Spareffekte
Krankenhäuser unter einer Regie
Verbund aus sechs Einrichtungen

Die Krankenhauslandschaft wandelt sich. So schließen sich jetzt sechs kommunale Krankenhäuser der Kreise Böblingen und Calw zu einem Verbund zusammen.

RAIMUND WEIBLE

BÖBLINGEN  Zuletzt war noch der Sindelfinger Gemeinderat gefragt. Kurz vor Ostern gab er sein Plazet zu zwei wichtigen Vorhaben. Er stimmte der Fusion des städtischen Krankenhauses mit dem kreiseigenen Böblinger Krankenhaus und der Gründung des Klinikverbunds Südwest zu. Unter dieses gemeinsame Dach schlüpfen aus den beiden Landkreisen sechs Krankenhäuser: Böblingen, Calw, Herrenberg, Leonberg, Nagold und Sindelfingen. Sie bringen über 2000 Betten und 3000 Vollkräfte in die Kooperation ein.
 
Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) feierte die Fusion als Durchbruch. Für den Böblinger Landrat Bernhard Maier eröffnet sich die Chance, sich über die Region hinaus als einer der größten Krankenhausverbünde zu profilieren. Und der Sindelfinger OB Bernd Vöhringer sprach gar von einem neuen Zeitalter der Krankenhausversorgung, "das möglicherweise die Tür zu weiteren Kooperationen öffnet".
 
Als größte Stadt in dem Gebiet tat sich Sindelfingen nicht leicht, 83 Jahre nach der Gründung auf die Selbstständigkeit des Krankenhauses zu verzichten. Bereits vor drei Jahren war ein Anlauf zur Fusion der Klinik mit dem Böblinger Krankenhaus unternommen worden. Doch das Vorhaben platzte. Und jetzt wehrte sich insbesondere ein Insider gegen den Verlust der Eigenständigkeit der städtischen Klinik. Der frühere Ärztliche Direktor des Sindelfinger Krankenhauses, Wolfgang Seidel, sah keine Notwendigkeit für einen Zusammenschluss. Denn der Stadtrat der Freien Wähler hält die Klinik mit ihren 477 Betten medizinisch und wirtschaftlich für zukunftsfähig. Im Gemeinderat überwog jedoch die Furcht, dass die Klinik nach weiteren Kostendämpfungen in der Gesundheitspolitik und stärkerer Konkurrenz zu einer Belastung für die Stadt werden könnte. Den Räten war es lieber, mit kommunalen Partnern als mit privaten Klinikbetreibern ins Geschäft zu kommen.
 
An der neuen Klinik-Holding beteiligt sich der Landkreis Böblingen mit 49,9 Prozent, der Landkreis Calw mit 24,9 Prozent und die Stadt Sindelfingen mit 25,2 Prozent. Der ausgehandelte Gesellschaftsvertrag räumt den Partnern weitgehende Einflussmöglichkeiten bei wichtigen Entscheidungen ein. So können einzelne Standorte oder Betriebsstätten nur im Einvernehmen aufgelöst werden - die drei Gesellschafter besitzen eine Sperrminorität.
 
Furcht vor Entlassungen
 
Vom Großverbund erwarten die Gesellschafter erhebliche Synergieeffekte. Ein Wettbewerb um die Patienten, wie bisher insbesondere zwischen Böblingen und Sindelfingen, soll ein Ende haben. Mehrfachvorhaltungen wollen die Partner vermeiden.
 
Die Belegschaften beobachten den Zusammenschluss mit Sorge. Sie befürchten Entlassungen, gerade im Verwaltungsbereich. Die Kreistage Böblingen und Calw garantieren nur, dass bis Ende 2007 niemandem betriebsbedingt gekündigt wird - mehr vermochten die Personalräte nicht auszuhandeln. Sie befürchten auch die Auslagerung von Betriebsteilen und den Ausstieg aus dem Tarifverbund des öffentlichen Dienstes.
 

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Erscheinungsdatum: Mittwoch 19.04.2006

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