Magnetfelder machen Olympioniken fit Geräte aus Salach bei Paralympischen Spielen
Hochspannungstechnik ist das Metier der Firma Guth in Salach. Ein Gerät der Tochterfirma Guth Meditec ist im Einsatz bei den Paralympics in Peking.
IRIS RUOSS
Salach Wenn heute in Peking die 13. Paralympischen Spiele im Vogelnest eröffnet werden, dann werden auch die etwa 40 Mitarbeiter der Salacher Firma Guth mit Spannung nach China blicken. Denn mit im Reisegepäck der deutschen Behindertensportler sind zwei medizinische Geräte, die in Salach entwickelt worden sind.
Auf den ersten Blick fragt man sich, was ein medizinisches Gerät für Leistungssportler mit Hochspannungstechnik zu tun hat, doch schnell wird klar, hier wird mit Hochspannung gegen Schmerzen gearbeitet. "Wir haben ein Gerät entwickelt, das sich hervorragend zur non-invasiven Schmerzbehandlung eignet", erklärt Geschäftsführer Dr. Hartmut Simon, der die Firma Guth, die 1946 gegründet wurde, vor drei Jahren übernommen hat.
Eigentlich sieht der medizinische Apparat vollkommen unspektakulär aus. Auf dem Gehäuse befinden sich ein paar Bedienelemente und eine große Schlaufe aus gedrehten Kabeln. Zum Einsatz kommt der von der Tochterfirma Guth Meditec entwickelte Apparat überwiegend bei orthopädischen Problemen. "Akute Schmerzen, muskuläre Verletzungen, gerade auch im Hochleistungs- und Breitensport", sagt Simon. Erfahrungen gesammelt haben damit aber auch Frauen- und Hautärzte.
"Eine erkrankte Zelle ist nicht mehr in der Lage, das elektrische Potenzial, das sie normalerweise an ihren Zellmembranen aufbaut, zu halten", erklärt Simon. Durch die Absenkung dieses Potenzials könne die Zelle die für eine normale Funktion notwendigen Prozesse nicht mehr ausführen. Das Medizingerät Theracell 100 induziert elektrische Spannungen in die Zelle. Die Wirkung soll auf einem hochenergetischen, pulsierenden Magnetfeld beruhen, das sich innerhalb von Nanosekunden aufgebaut wird und dann schnell wieder abklingt, erläutert der Firmenchef. "Die Intensität des Magnetfeldes übersteigt das Erdmagnetfeld um mehr als das 1000-fache", erklärt der Fachmann. Dadurch können die Zellmembranen durchdrungen werden und in der Zelle therapeutisch wirken.
Ärzte und Therapeuten fahren mit der Magnetschlinge über den Körper des Patienten, schmerzhafte Stellen machen sich schnell bemerkbar und hier setzt dann die Behandlung an. "In der Regel reichen wenige Behandlungen aus, um eine deutliche Besserung oder sogar komplette Beschwerdefreiheit zu erreichen", betont Simon. Rund 100 Geräte der Guth Meditec GmbH sind derzeit auf dem Markt, zwei hat der Behindertensportverband mit nach Peking genommen, um die Sportler bei Bedarf behandeln zu können. "Das Gerät ist nicht nur in der Human-, sondern auch in der Tiermedizin einsetzbar", erklärt Hartmut Simon.
Erscheinungsdatum: Samstag 06.09.2008
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