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Epplers Kritik an der Sprache der Politiker
Freundeskreis initiiert große Tagung in Bad Boll

Erhard Eppler steht im Mittelpunkt einer Tagung an der Evangelischen Akademie Bad Boll, die sich mit der Sprache der Politiker befasst.

JÜRGEN SCHÄFER

Bad Boll  Am Anfang war das Wort - auch in der Politik. Ob Wiederbewaffnung in den 50er Jahren, Wandel durch Annäherung in der Ostpolitik, "Atomkraft nein danke" oder ganz aktuell "Mehr Netto vom Brutto" - mit Worten werben die Politiker für ihre Standpunkte. Erhard Eppler hat seit Jahrzehnten verfolgt, welche Sprache seine Politiker-Kollegen wählen und mit der Zeit Bücher darüber geschrieben. Das zweite ist eben jetzt herausgekommen: "Den Politikern aufs Maul geschaut" - ein Wörterbuch zur "Sprache im Marktradikalismus".
 
Den Wunsch nach einer Tagung zu diesem Thema hat der 82-jährige Vordenker der SPD schon vor längerer Zeit geäußert. Aufgegriffen haben das seine Weggefährten vom Freundeskreis Erhard Eppler. Das ist ein Netzwerk von 150 bis 200 Leuten, die sich vor 15 Jahren mit dem Ziel gegründet haben, Epplers Anliegen stärker in die Öffentlichkeit zu bringen. Ihr Sprecher ist Dr. Wolfgang Rapp aus Göppingen, bekannt als langjähriger Leiter der Volkshochschule. Der hat die Tagung in der Evangelischen Akademie Bad Boll angeregt und damit offene Türen eingerannt. Einmal mehr, denn der Freundeskreis hatte schon zu Epplers 80. Geburtstag eine große Tagung in Bad Boll veranstaltet, wo Eppler längst eine feste Größe ist. Was ihn mit der Akademie verbindet: Er ist ein Mann des Wortes, Macht und Ämter hatte er selten. Und genau das hat ihn groß gemacht, sagt Rapp. "Als er aus der Regierung Schmidt ausgeschieden ist, war er auf dem Nullpunkt - ihm blieb nur die Sprache."
 
Dass Eppler mit seinem Thema richtig liegt, zeigt sich wiederum an einer großen Zahl von prominenten Kollegen, die mit ihm über Sprache und Politik diskutieren wollen. Sie kommen aus fast allen politischen Lagern, auch dies typisch für eine Eppler-Tagung. "Es zeigt, dass er über die Parteigrenzen hinaus Gehör findet", sagt Rapp.
 
Und so erlebt die Akademie Bad Boll am Wochenende 23. bis 25. Oktober wieder ein großes Stelldichein der Politik: Norbert Blüm und Tanja Gönner (CDU), Antje Vollmer (Grüne), Heide Simonis und Ute Vogt, die frühere Heidelberger Oberbürgermeisterin Beate Weber, der Politologe Johano Strasser, der Publizist Freimut Duve und nicht zuletzt die DDR-Bürgerrechtlerin Ulrike Poppe diskutieren über Epplers Thesen und Visionen. Eppler wünscht sich eine politische Sprache, die weniger schablonenhaft und wichtigtuerisch ist, dafür näher an den Sorgen der Menschen.
 
Auch die Sprache der DDR kommt aufs Tapet, denn Eppler hat sie gebrandmarkt. "Wo politische Sprache erstarrt, stirbt auch das politische System ab", urteilt er.
 
Über die Jahre hat der Freundeskreis etliche Veranstaltungen mit Eppler initiiert und begleitet. Dieses Jahr beispielsweise über Christen und die SPD oder über die Blumhardts von Bad Boll. Im nächsten Jahre will er sich einklinken in eine deutsch-russische Tagung zum Klimaproblem - auch dies ein Thema, das Eppler früh vertreten hat, sagt Rapp: die Schöpfung bewahren.
 




Erscheinungsdatum: Donnerstag 15.10.2009

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