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Vorsicht bei "Humankapital"
Wie beeinflusst Sprache die Politik? - Tagung mit Erhard Eppler in Bad Boll

Wie beeinflussen sich Sprache und Politik? Dieser Frage gingen namhafte Teilnehmer aus Politik und Wissenschaft in einer von Erhard Eppler initiierten Tagung in der Evangelischen Akademie Bad Boll nach.

REBEKKA KHALIEFI

Bad Boll  "Inzwischen treibt mich um, wie Ideologien sich in Sprache niederschlagen", sagte der ehemalige SPD-Bundesminister Erhard Eppler in seinem Eröffnungsvortrag in der Evangelischen Akademie Bad Boll. Schon lange stellt er die Frage nach dem Verhältnis von Politik und Sprache. Bereits 1992 hat er sein erstes Buch zu dem Thema veröffentlicht. Lag sein Augenmerk zunächst auf dem Einfluss von Begriffen auf die Politik - als Beispiel führte er Bushs "war on terror" an - so geht es ihm jetzt um die Frage, wie neue Wörter wie "Leistungsträger", "bürgerliche Parteien" oder "Gutmenschen" entstehen.
 
Der Marktradikalismus schleicht sich seiner Ansicht nach durch neu geschaffene betriebswirtschaftliche Begriffe in die Sprache ein. "Humankapital sind menschliche Fähigkeiten, die Zinsen abwerfen", führte er aus. Die politische Sprache sei demnach zunehmend auf den Markt ausgerichtet und die Annahme verbreitet, dass der Markt klüger sei als der Staat. Um dies zu ändern, müsse der Staat Regeln für den Markt aufstellen.
 
Eppler war einer von vielen Prominenten, die in Bad Boll zu dem Thema sprachen. Beate Weber, frühere Oberbürgermeisterin in Heidelberg, Renate Schmidt, ehemalige SPD-Bundesministerin und Ute Vogt, Landesvorsitzende der SPD, berichteten über ihre Erfahrungen mit politischer Sprache. Entscheidend für das Ansehen und die Sprache gegenüber Politikern sei auch der Umgang und die Sprache von Politikern untereinander, erklärte Vogt. Ulrike Poppe, Studienleiterin der Evangelischen Akademie Berlin, berichtete über die politische Sprache in der DDR und nannte Beispiele aus dem alltäglichen Leben. Anders als in der Bundesrepublik sei die Mauer in der DDR antifaschistischer Schutzwall genannt worden. "Poppe hat gezeigt, dass Sprache auch tot sein kann", sagte Tagungsleiterin Kathinka Kaden von der Evangelischen Akademie Bad Boll in ihrem Fazit. Durch die Wiederholung bestimmter ideologischer Begriffe sei keine Sprachentwicklung zugelassen worden.
 
Als ehemaliger Journalist und Politiker beleuchtete Freimut Duve die "gegenseitige Bedingung journalistischer und politischer Sprache". Die Spiegel-Affäre sei ein "sehr wichtiges Ereignis gewesen, bei dem Politiker glaubten, in die Medienfreiheit einzugreifen.". Wichtig sei die Trennung von Politik und Medien, daher habe er, als er in die Politik ging, seinen Posten als Rundfunkrat aufgegeben. Die Grünen-Politikerin Antje Vollmer wies auf die Macht der Bilder in den Medien hin. "Ich bin der Meinung, dass sich die Botschaften der Sprache in Bilder gewandelt haben".
 
Gegen die Konzentration von Medienmacht müsse noch mehr das persönliche Gespräch gestärkt werden, sagte Kathinka Kaden. Viele Teilnehmer wären für eine Fortsetzung der Tagung. "Das Thema Sprache und Politik wird uns also sicher noch weiter begleiten."
 




Erscheinungsdatum: Dienstag 27.10.2009

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