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KUNDGEBUNG / 50 "Junge Nationaldemokraten" von 300 Gegendemonstranten empfangenGroßaufgebot der Polizei verhindert Eskalation
Nur ein Großaufgebot der Polizei hat verhindert, dass am Samstag in der Geislinger Fußgängerzone die Konfrontation zwischen 50 Jungen Nationaldemokraten und 300 Gegendemonstranten eskalierte. Nach Rangeleien flogen Steine, die Polizei nahm in der Folge acht Personen vorläufig fest.
THOMAS HEHN
GEISLINGEN Als "Mahnwache" gegen den Missbrauch von Drogen war sie angekündigt. Doch die rund 50 Jungen Nationaldemokraten aus ganz Baden-Württemberg, die am Samstag in der Geislinger Fußgängerzone aufmarschieren, wollen etwas ganz Anderes: "Danke, dass ihr hier seid. Das bringt uns die Aufmerksamkeit, die wir wollen und die wir brauchen", freut sich Alexander Neidlein, Führer der Nachwuchsorganisation der NPD im Land, als die Rechtsextremen kurz nach 13 Uhr den ihnen von der Stadt zugewiesenen Platz gegenüber dem Elefantenbrunnen einnehmen.
Eine Stunde vorher war die mit dem Zug angereiste Gruppe von der Polizei am Bahnhof empfangen und zunächst Leibesvisitationen unterzogen worden. Gefunden wurde nur ein Pfefferspray und verbotene Fahnen. Ein Teilnehmer musste seine Springerstiefel ausziehen, weil sie gemäß den von der Stadt im Vorfeld verhängten umfangreichen Auflagen nicht erlaubt waren.
"Verbieten konnten wir die Demonstration nicht, unsere einzige Möglichkeit waren starke Auflagen", erklärt Stadtrat Holger Scheible (CDU), der an diesem Nachmittag den in Bischofswerda weilenden OB Amann vertritt. Unter anderem hat die Stadtverwaltung den NPDlern ein Megafonverbot erteilt, damit sie "ihre rechten Parolen nicht herausposaunen können, denn das sind keine politischen Köpfe, das sind Hohlköpfe."
Lautstark geht es dennoch zu: Als die Rechtsextremen von der Polizei eskortiert in der Fußgängerzone auftauchen, werden sie von rund 300 Gegendemonstranten aus der linksalternativen Szene und Gewerkschaftskreisen mit Trillerpfeifen und Schmährufen empfangen. Beim Einmarsch droht die Situation zu eskalieren: Nach Wortgefechten und Rangeleien fliegen auch Steine, doch das Großaufgebot der schätzungsweise 50 Polizisten, die allein in der Fuzo präsent sind, trennt die Fronten sofort. In der Folge beschränkt sich der politische "Dialog" auf gegenseitige Schimpftiraden. Wenn der sich in seiner Rolle sichtlich sonnende Neidlein das Wort ergreifen will, wird er sofort niedergebuht und ausgepfiffen.
Nach rund einer Stunde haben die Rechten offenbar genug. Nachdem sich Neidlein per Handy nach der passenden Zugverbindung erkundigt hat, bläst er zum Rückzug. Erneut von einem Großaufgebot der Polizei geschützt, marschieren die Nationaldemokraten wieder zum Bahnhof. Dort ziehen die Sicherheitskräfte erst ab, als alle Rechtsradikalen in ihren Zug eingestiegen und wieder weg sind. Vorsichtshalber patroullieren noch Stunden später Polizeiautos durch die Stadt, doch es bleibt ruhig.
So geht die Konfrontation zwischen Rechts und Links in Geislingen weitgehend glimpflich ab: Neben zwei jungnationalen Schlägern werden zwei linksalternative Hitzköpfe vorläufig festgenommen, einer der beiden hat auf einen Polizeibeamten eingeschlagen. Auch die insgesamt vier Steinewerfer aus dem Lager der Gegendemonstranten sind mit Hilfe eines Polizeivideos schnell ermittelt und gefasst. Sachschaden gibt es keinen.
Erscheinungsdatum: Montag 10.09.2007
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