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Zum Glück gibts Anja Stahl
Eine junge Schornsteinfegerin wirbt für ihren abwechslungsreichen Beruf

Unter ihren Kollegen ist Anja Stahl eine Exotin: Nur wenige junge Frauen entscheiden sich für eine Ausbildung zur
 
Schornsteinfegerin. Dabei ist die 21-Jährige überzeugt, den schönsten Beruf zu haben.

HELGE THIELE

Kreis Göppingen  Begonnen hat ihre Leidenschaft, als sie noch ein Kind war. "Ich mochte es immer, wenn unser Haus nach Kaminfeger roch", erzählt Anja Stahl. Später folgte ein Praktikum, das sie begeisterte, danach die Lehre.
 
Heute zieht die junge Frau selbst von Haus zu Haus - als ausgebildete Schornsteinfegerin. Die 21-Jährige hat vor einem halben Jahr ihre Gesellenprüfung abgelegt - und ihre Berufswahl noch nicht eine Sekunde bereut. "Man ist immer gespannt, was einen hinter der nächsten Tür erwartet", sagt die Kuchenerin, die fest davon überzeugt ist, den schönsten Beruf gewählt zu haben. Das liegt an der Vielseitigkeit der Aufgaben: Schließlich kümmert sich ein Schornsteinfeger heutzutage längst nicht nur um das Reinigen von Kaminen, sondern berät die Kunden auch in energie- und brandschutztechnischenFragen, misst Emissionen und gilt als Spezialist in Sachen Wärmedämmung - angesichts der steigenden Energiepreise und des wachsenden Umweltbewusstseins wird das Thema für viele Haus- und Wohnungsbesitzer immer wichtiger.
 
Anja Stahl, die in Göppingen eine Anstellung bei Bezirksschornsteinfeger Alexander Funk gefunden hat, mag aber auch die Rahmenbedingungen ihres Berufs: "Ich bin viel an der frischen Luft und ich habe mit den unterschiedlichsten Menschen zu tun." Manchmal ist sie auch als Seelentrösterin gefragt.
 
Im Landkreis Göppingen hat die 21-Jährige, die gerne Schmuck trägt und in der Freizeit gerne tanzen geht, Freunde trifft oder bei gutem Wetter den Grill anwirft, nur noch eine Kollegin - alle anderen Schornsteinfeger sind Männer. Während der Ausbildung, die blockweise im Betrieb und an der Landesfachschule in Ulm erfolgt, war das nicht viel anders. Anja Stahl lernte mit 73 anderen Azubis - darunter waren nur acht Frauen. "Ich würde mir wünschen, dass sich mehr junge Frauen für diesen Beruf entscheiden", meint Anja Stahl - obwohl sie mit ihren männlichen Kollegen bestens auskommt und sich immer akzeptiert fühlt. Ihr Plädoyer für mehr Frauen unter den Schornsteinfegern hat eher damit zu tun, dass die 21-Jährige den Handwerksberuf als geradezu ideal für Frauen ansieht. "Man kann sich die Arbeit frei einteilen und man kann sich selbstständig machen."
 
Natürlich weiß auch die Kuchenerin, dass sie keinen "typischen Frauenberuf" gewählt hat - doch schon als Kind und Jugendliche hat sie lieber ihrem Vater bei Reparaturarbeiten geholfen und sich für Technik interessiert.
 
In ihrem Beruf kann Anja Stahl regelrechte Studien betreiben - so hat sie zum Beispiel Unterschiede festgestellt, je nachdem ob sie in der Stadt oder in einer eher ländlich geprägten Gemeinde im Einsatz ist. In der Stadt seien viele Menschen hektischer, auf dem Land ergebe sich auch heutzutage noch eher die Möglichkeit zu einem Plausch. Alexander Funk, der bereits 23 Jahre als Kaminfeger arbeitet, kann das bestätigen - und hat obendrein so manche Anekdote auf Lager - lustige wie traurige. Doch immer gilt: Man ist nah an den Menschen - und muss manchmal erst lernen, mit ihnen klar zu kommen. Denn - wie sonst im Leben auch - sind nicht alle immer freundlich. Doch Funk hat erfahren: "Eine Schornsteinfegerin tut sich viel leichter, mit einem kritischen Kunden umzugehen."
 
Anja Stahl wird allerdings nur noch wenige Wochen in der Göppinger Nordstadt unterwegs sein - denn am 8. September beginnt die 21-Jährige mit der Meisterschule in Ulm. Die Schule bezahlt sie aus eigener Tasche, auf Lohn muss sie in dem einen Jahr auch verzichten. Die Meisterschule umfasst auch die Weiterbildung zur Gebäudeenergieberaterin - dafür steht jedoch nach der Meisterprüfung eine zweite Prüfung an.
 
Für den wohl eher unwahrscheinlichen Fall, dass irgendjemand vergessen sollte, dass Schornsteinfeger auch als Glücksbringer eine lange Tradition haben, trägt Anja Stahl eine Latzhose, auf der es weiß auf schwarz steht: "Zum Glück gibts den Schornsteinfeger."
 
@ http://www.myschornsteinfeger.de
 




Erscheinungsdatum: Freitag 15.08.2008

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