Ein Ausflug in die Finsternis
Roggenmüller, Höhlenforscher und die Wasser des MordlochsWarum das Wasser aus dem Mordloch für die Obere Roggenmühle so wichtig ist und wie lange ein Forellenleben dauert, das erfuhren 25 Teilnehmer beim "Sommer der Ver-Führungen" im Roggental.
JUTTA HELL
Geislingen Eine altersmäßig bunt gemixte Gruppe fand sich bei der Oberen Roggenmühle in Eybach ein. Gastwirt Martin Seitz und Dieter Domke vom Kahlensteiner Höhlenverein berichteten an diesem Nachmittag viel über das Mordloch, die Mühle und die Forellen in den Fischteichen an der Mühle. Für die interessierten Besucher gab es darüber hinaus auch noch eine Planwagenfahrt von der Oberen Roggenmühle zum Mordloch und wieder zurück. Zwei Rösser trabten tapfer vor dem Planwagen durch das verregnete Roggental. Die Sonne ließ sich den ganzen Nachmittag nicht blicken, und das Wetter erforderte herbstlich warme Kleidung und Gummistiefel für die "Höhlenforscher".
Maik, mit seinen 14 Monaten der jüngste Mitfahrer im Planwagen, war mit seinen Eltern aus Berglen bei Winnenden angereist. Oma und Opa aus Geislingen waren mit von der Partie, und für den kleinen Mann war die Planwagenfahrt klar erkennbar der Höhepunkt des Nachmittags. Schauten seine Mitreisenden bei dem Geruckel eher misstrauisch über die Schulter in den Straßengraben, genoss der junge Mann das Schaukeln sichtlich und juchzte den Pferden fröhlich zu.
Am Mordloch erwartete Dieter Domke, Vorsitzender des Kahlensteiner Höhlenvereins, die Gruppe. Er gab einige Erläuterungen zu der mit 4320 Metern zweitlängste Wasserhöhle der Schwäbischen Alb. Die Höhle kann von Laien in Rohrstiefeln bis auf eine Länge von 80 Metern erkundet werden. Also, nichts wie rein. Noch schnell einige große Akkulampen ausgeteilt, und schon gehts los.
Dieter Domke voran, die vier bis sechsjährigen Jungforscher hintendrein. Die Mamas haben Händchen oder Jackenzipfel sicherheitshalber fest im Griff. Spannend und auch etwas gruselig ist das Erlebnis für die Jungs: Die schwankenden Lichter, die die kühle und feuchte Umgebung, nur spärlich beleuchten, das ansteigende Wasser und die Fledermausgeschichten, die Domke zu berichten weiß. Schon bald werden die Beine der Buben trotz Gummistiefel zu kurz für die Wassermassen, der grobsteinige Untergrund verspricht kaum noch Halt, und das Wetter draußen lässt ein Höhlenbad auch nicht zu. Also kehrt und marsch zurück zu den zwei PS samt Anhänger.
Schon gehts mit Pferdekraft wieder zurück zur Oberen Roggenmühle, wo Martin Seitz die Gruppe empfängt. Er erzählt seinen Gästen die Geschichte der Roggenmühle und der Forellen, die in den Teichen des Anwesens heranwachsen, gedeihen und schließlich als Spezialität des Gasthauses auf den Tellern landen. Das klare Quellwasser aus dem Mordloch bietet den Tieren eine optimale Lebensgrundlage, erklärt Seitz. Die Speiseforellen leben rund drei Jahre, bis sie geschlachtet werden. In jedem der drei Teiche tummelt sich ein Forellenjahrgang. Der Mühlenwirt muss oft drei bis viermal am Tag Forellen abfangen, um seine Gäste mit frischem Fisch zu versorgen.
In einem separaten Teich leben die Zuchtforellen. "Die sind bis zu 15 Jahre alt", erklärt Seitz seinen staunenden Zuhörern. Bis zu achteinhalb Kilo wiegen die Tiere und kommen bei Familienfesten auf den Tisch. "Der Geschmack wird durch das Alter nicht beeinträchtigt", weiß Seitz. Das Wasser, in dem sie leben, ist wichtig, und mit dem Mordlochquellwasser haben auch diese Forellen beste Voraussetzungen selbst nach 15 Jahren uns Menschen noch gut zu schmecken.
Die Buben und Mädchen dürfen die Fische füttern. Begeistert bestaunen sie die drängelnden und nach Futter springenden Fischleiber.
In der Gaststätte hat Dieter Domke derweil für die Gruppe eine Filmvorführung über das Mordloch vorbereitet. Der Film zeigt eine Gruppe Höhlenforscher beim Vorstoß in die gefährliche Wasserhöhle.
Zu seinem Namen kam das Karstobjekt nach einer Sage. Demnach soll ein Wilderer dort einen Jäger erschossen und ihn in der Höhle versteckt haben.
Erscheinungsdatum: Montag 18.08.2008
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