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Thema der Region

Überwältigendes Gefühl
Radtour erinnert an die Menschenkette vor 25 Jahren

Zur Erinnerung an die Menschenkette vor 25 Jahren veranstaltete die Deutsche Friedensgesellschaft eine Radtour entlang der damaligen Strecke. In Göppingen begrüßte Bürgermeister Lämmle den Tross.

MICHAEL BRUST

Göppingen  Es ist der 18. Oktober 1983. 200 000 Menschen bilden eine Kette, die von Neu-Ulm nach Stuttgart reicht - 108 Kilometer, genauso viele Pershing II Mittelstreckenraketen zum Transport atomare Sprengköpfe sollen dieser Tage in Deutschland stationiert werden. Die Menschenkette ist ein stiller Protest gegen das Wettrüsten der beiden Supermächte USA und Sowjetunion. Und irgendwo in der Kette steht Susanne Winter, 28 Jahre alt, aus Karlsruhe. "Die Aufstellung der Raketen hat mich alarmiert, und ich habe es als meine Bürgerpflicht gesehen, dagegen zu protestieren. Es war ein überwältigendes Gefühl in dieser Kette zu stehen", erinnert sich die heute 53jährige zurück.
 
Susanne Winter ist eine von über 20 Pazifisten, die am 25. Jahrestag der beeindruckenden Menschenkette die Strecke von Neu-Ulm nach Stuttgart mit dem Rad abfahren. Einige stoßen im Verlauf der Route hinzu, andere klinken sich aus dem radelnden Tross mit seinen vier Begleitfahrzeugen aus. Am Ende sind es etwa 15 Radfahrer, die die 108 Kilometer komplett zurück legen.
 
Station machen sie dabei auch in Göppingen, wo sie von Bürgermeister Jürgen Lämmle im Rathaus empfangen werden. Auch Lämmle stand damals im Menschenband, in Stuttgart-Wangen, und erinnert sich noch immer gern an diesen "aufregenden Tag" und "das schöne Gemeinschaftsgefühl" zurück. "Die Welt ist in den 25 Jahren eine andere geworden", sagt Lämmle, und es sei gut an diesen außerordentlichen Tag zu erinnern.
 
Erinnern ist gut, das findet auch Sonnhild Thiel, die damals mithalf die Menschen zu koordinieren: "Wir haben uns überlegt wie stark die Friedensbewegung in den einzelnen Gegenden ist. Entsprechend haben wir dann die Leute mit Bussen verteilt." Fünf Monate Arbeit hat das gekostet, und anfangs so manchen Kummer: Würden genug Menschen kommen? "Die Sache wurde zum Selbstläufer. 100 000 hätten wir gebraucht, am Ende standen die Leute zickzack. Das müssen 400 000 gewesen sein", so die 67 Jährige, die noch immer in der Friedensbewegung aktiv ist.
 
Doch eines ist Thiel wie auch Roland Blach von der Deutschen Friedensgesellschaft , der das Radeln organisiert, klar: Erinnern reicht nicht. "Die Welt ist nicht sicherer geworden", lautet Blachs Credo, und Motivation sich für eine friedliche, atomwaffenfreie Welt zu engagieren. Ins selbe Horn bläst der örtliche Organisator Tobias Bollinger: "Lasst und hier und heute - wie vor 25 Jahren - gemeinsam ein Signal setzten für eine friedliche und gerechte Welt ohne Atomwaffen."
 

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Erscheinungsdatum: Montag 20.10.2008

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