Göppingen will Integration stärker fördern
Bildungschancen für Migrantenkinder sollen verbessert werden - Ruf nach BegegnungsstätteGöppingen will Kindern mit
Migrationshintergrund zu höheren Schulabschlüssen verhelfen und das Wohnumfeld für Migrantenfamilien verbessern.
Göppingen Vertreter der Göppinger Stadtverwaltung, des Gemeinderats, des Jugendgemeinderats, des Forums für Integration, der ethnischen Vereine, der Kirchen und sozialen Institutionen sowie des ökumenischen Ausländerbeirats haben sich auf einer Klausurtagung vier ehrgeizige Ziele gesetzt, die bis 2011 erreicht werden sollen: höhere Schulabschlüsse für Kinder mit Migrationshintergrund, mehr Integration durch Vernetzung, eine interkulturelle Öffnung der Stadtverwaltung und eine Verbesserung des Wohnumfelds für Migrantenfamilien. Die Göppinger Integrationsbeauftragte Dragica Horvat war "sehr zufrieden" mit der "äußerst intensiven, aber dennoch entspannten Arbeitsatmosphäre" bei der Tagung.
Moderiert durch Dr. Alfred Reichwein und Stephanie Vogel von der Kommunalen Geschäftsstelle für Verwaltungsmodernisierung berieten die 35 Teilnehmer über Stand und Perspektive der Integration in der Hohenstaufenstadt. "Über 20 Prozent unserer Mitbürger weisen einen Migrationshintergrund auf", betonte OB Guido Till die Bedeutung des Themas für Göppingen.
Ausgehend von dem im Herbst vorgelegten Integrationsbericht wurden Stärken und Schwächen in den Bereichen Bildung/Sprache, Wohnen/soziales Umfeld, Arbeit/Ausbildung, Kultur/Interkultur und Bürgerschaftliches Engagement unter die Lupe genommen. Lob gab es dabei für das Forum für Integration, in dem der politische Wille der Migranten artikuliert werde, sowie die Verankerung der städtischen Integrationsbeauftragten im Fachbereich Kultur, was zu einer guten Ansprache der Vereine führe.
Bemängelt wurde bei der Tagung das Fehlen interkultureller Treffpunkte, die eine ungezwungene Begegnung zwischen Menschen verschiedener Herkunft ermöglichten. Besonders kritisiert wurde der geringe Anteil an Migrantenkinder mit höherem Bildungsabschluss. "Der Anteil der Migranten an den Hauptschülern und Schulabbrechern ist überproportional hoch, der Anteil an Realschülern und vor allem an Gymnasiasten viel zu gering", heißt es in einer Pressemitteilung der Stadt. Harsche Kritik übten Klausurteilnehmer am dreigliedrigen Schulsystem, dass keine Förderung von Kindern aus sozial schwachen Familien zulasse. Die Integration soll in Göppingen künftig durch eine Vernetzung von Vereinen, Schulen, Jugendeinrichtungen und Jugendlichen stärker gefördert werden. "Konkret wurde der Wunsch nach einer interkulturellen Begegnungsstätte formuliert, die groß genug und auch am Wochenende geöffnet ist", berichtete Horvat. Bis 2011 solle es unter Migrantenkindern auch weniger Schulabbrecher geben. "Durch eine quotenmäßige Auswahl der Auszubildenden entsprechend der Herkunftsländer der Migrantenfamilien könnte die Stadtverwaltung Vorreiter einer interkulturellen Öffnung werden", sagte die Integrationsbeauftragte. Schließlich soll das soziale Wohnumfeld der Migranten aufgewertet werden. Im Frühjahr steht die nächste Tagung an. Dann geht es um die Frage: "Wer macht was?"
Erscheinungsdatum: Montag 23.02.2009
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