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Thema der Region

Kingsbridge wehrt sich
Alteigner von Märklin will gegen Pluta vorgehen: Kein Ausbluten der Firma

Kaum hat Insolvenzverwalter Michael Pluta die Lage im Märklin-Werk in Ungarn geklärt, droht ihm neues Ungemach: Finanzinvestor Kingsbridge geht gegen Schweigegeld- und Missmanagement-Vorwürfe vor.

JOA SCHMID

Göppingen  Im Denkmal geschützten Märklin-Gebäude in der Stuttgarter Straße häufen sich die Solidaritätsadressen. Jüngstes Beispiel: der Kurierdienst "GO! Express & Logistics Göppingen". Der Kurierdienst werde wie gewohnt alle Aufträge annehmen und ausführen, schreibt Heinrich Buchmann. Der Geschäftsführer findet es "untragbar, dass ein Traditionsbetrieb wie Märklin, der weltweit für Kinder- und Sammlerträume, aber auch für deutsche Qualität steht, von herzlosen Heuschrecken skrupellos in den Ruin getrieben wird." Die Zustimmung der 650 Märklin-Mitarbeiter, die um ihre Jobs bangen und deren Hoffungen auf dem vorläufigen Insolvenzverwalter Michael Pluta ruhen, dürfte Buchmann sicher sein. Die Bezeichnung "Heuschrecke" hört man in der Chefetage von Kingsbridge Capital am Londoner Berkeley Square allerdings nicht gerne. Das hat der ehemalige Märklin-Eigner jetzt gegenüber dem Ulmer Anwalt Pluta deutlich gemacht.
 
Der Finanzinvestor will gegen Michael Pluta und seinen Stellvertreter Fritz Zanker vorgehen. Beide hätten unwahre Behauptungen über das Geschäftsgebahren des Ex-Märklin-Eigners verbreitet, heißt es in einem Schreiben der Kingsbridge-Anwälte. Der Investor fordert Pluta und Zanker zu einer Unterlassungserklärung auf. Weitere Schritte sollen folgen.
 
Zum ersten Mal seit der Insolvenz von Märklin am 4. Februar äußert sich auch Kingsbridge-Gründer Mathias Hink: "Die Behauptungen des Insolvenzverwalters sind absurd und völlig unwahr." Möglicherweise sei nicht alles richtig gemacht worden, sagt Hink. "Dennoch haben wir alles versucht, um für das zum Zeitpunkt der Übernahme durch uns und unsere Partner bereits vor der Insolvenz stehende Unternehmen Märklin eine Zukunft zu schaffen." Kingsbridge Capital habe drei Jahr lang hohe Beiträge investiert, die "wir mit der Insolvenz verloren haben". Hink: "Auch ein möglicherweise teilweise nachvollziehbares Interesse an der Nutzung medialer Präsenz für die eigene Kanzlei, die dieser spektakuläre Isolvenzfall für den Insolvenzverwalter bieten mag, entbindet ihn nicht von seiner Pflicht zur Wahrheit." Das Büro Pluta wollte dazu gestern nichts sagen. "Wir äußern uns, wenn wir das Schreiben geprüft haben", sagte eine Sprecherin.
 
Von einer undurchsichtigen Firmenstruktur bei Märklin könne keine Rede gewesen sein, sagen die Kingsbridge-Anwälte. Kingsbridge habe Märklin nicht systematisch ausbluten lassen, wie Fritz Zanker bei der Eröffnung der Solidaritätsausstellung im Göppinger Rathaus berichtet hatte. Frei erfunden nach Meinung der Anwälte sei auch Zankers Behauptung, dass einzelnen Personen bei Märklin Schweigegeld bezahlt worden sei. Inzwischen befasst sich die Abteilung Wirtschaftskriminalität der Stuttgarter Staatsanwaltschaft mit dem Fall Märklin. Dort wird geprüft, ob sich die Manager bei ihren zweifelhaften Sanierungsbemühungen strafbar gemacht haben. Eine Anzeige liegt vor. Es geht um horrende Beraterhonorare, aber auch um dubiose Geldtransfers an Manager, Geschäftspartner und Investoren.
 
Kingsbridge bestreitet das alles. Eine Äußerung Michael Plutas gegenüber der NWZ, wonach Märklin in den vergangenen Jahren für Berater mehr als 40 Millionen Euro ausgegeben habe, sei unwahr und "um ein Vielfaches von den tatsächlich geleisteten Zahlungen entfernt". Die vermeintlich richtigen Zahlen bleiben die Kingsbridge-Anwälte allerdings schuldig. Vorläufiger Höhepunkt in der Schlacht um Märklin ist, wie berichtet, die Entlassung des Ungarn-Chefs Karlheinz Menrad. In Györ sorgen 600 Mitarbeiter für einen Großteil der Märklin-Produktion. Menrad soll kurz vor der Insolvenz von Märklin noch 104 000 Euro an die Adler Toy Beteiligungs GmbH überwiesen haben. Der Chef dieser Märklin-Dachgesellschaft, die wie das Werk in Györ nicht von der Insolvenz betroffen ist und ebenfalls Kingsbridge gehört, heißt Karlheinz Menrad.
 

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Erscheinungsdatum: Mittwoch 25.02.2009

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