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Thema der Region

Pleite wird zum Fall Märklin
Jetzt ermittelt die Stuttgarter Staatsanwaltschaft: Verdacht auf Untreue

Vorläufiger Höhepunkt im Wirtschaftskrimi um die Hintergründe der Göppinger Märklin-Pleite: Die Stuttgarter Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts der Untreue gegen führende Mitarbeiter.

JOA SCHMID

Göppingen  Gerade mal eine Woche hat es gedauert, bis die Staatsanwälte in Stuttgart die erste Strafanzeige gegen Märklin als begründet einstuften. Jetzt sind die Vorgänge, die zur Pleite des weltweit führenden Modellbahnbauers geführt haben, ein Fall. Die Stuttgarter Staatsanwaltschaft ermittelt. Es bestehe ein begründeter Anfangsverdacht auf Untreue zum Nachteil des Unternehmens, bestätigte Pressesprecherin Bettina Vetter gestern gegenüber der NWZ. Mittlerweile sind drei Strafanzeigen bei der Justizbehörde eingegangen. Konkret geht es um die Frage, ob verantwortliche Mitarbeiter Märklin in den Jahren 2006 bis 2009 vorsätzlich finanziell geschädigt haben. Die Staatsanwältin spricht vom Verdacht "vermögensschädigender Handlungen". "Wir werden umfassend in alle Richtungen ermitteln und dafür alle uns zur Verfügung stehenden Möglichkeiten in Anspruch nehmen", sagte Vetter. Auf Einzelheiten wollte die Sprecherin nicht eingehen. Auch nicht auf die vermutliche Dauer der Ermittlungen. Allein die Prüfung der Akten, die in den fraglichen drei Jahren angefallen sind, dürfte viel Zeit in Anspruch nehmen.
 
Hintergrund sind die heftigen Vorwürfe, die der Insolvenzverwalter Michael Pluta und sein Stellvertreter Fritz Zanker gegen Kingsbridge Capital in London erheben. Danach soll der britische Finanzinvestor die Firma Märklin bewusst in die Pleite geführt, überteuerte Millionenhonorare an Berater gezahlt und Zwischengesellschaften gegründet haben, um als Geldgeber nicht in Haftung genommen werden zu können. Außerdem soll Schweigegeld an einzelne Mitarbeiter geflossen sein, um die dubiosen Machenschaften zu verschleiern.
 
Zanker und Pluta hätten unwahre Behauptungen über das Geschäftsgebaren des Ex-Märklin Eigners verbreitet, sagen dazu die Anwälte von Kingsbridge, die von Pluta und Zanker Unterlassungserklärungen einforderten.
 
Doch die Insolvenzverwalter denken nicht daran, sich einen juristischen Maulkorb anlegen zu lassen. Tatsächlich sind die geforderten Unterlassungserklärungen bis zur gesetzten Frist am gestrigen Mittwoch um 10 Uhr nicht abgegeben worden. "Es wurde nichts unterzeichnet", sagte gestern eine Sprecherin des Büros Pluta, die sich im übrigen weder zu den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft noch zu den Angriffen der Kingsbridge-Anwälte äußern wollte: "Das befindet sich noch in der Prüfung."
 
Die Kingsbridge-Vertreter, die in ihrem Brief an Pluta und Zanker sogar von "Kriminalisierung der Investoren" sprechen, schließen weitere rechtliche Schritte nicht aus.
 
Inzwischen hat das Büro Pluta die exakten Beraterhonorare für die ersten beiden Jahre unter der Ägide von Kingsbridge festgestellt: 2006 flossen 10,7 Millionen Euro an Berater bei einem Verlust von 13 Millionen Euro. 2007 betrugen die Honorare 13,8 Millionen Euro, bei einem Verlust von 16 Millionen Euro. Für 2008 liegen noch keine verifizierten Zahlen vor. Wie berichtet, sind die Berater am Stammsitz in Göppingen ein- und ausgegangen, seit die Finanzinvestoren Kingsbridge Capital und Goldman Sachs den weltweit führenden Modellbahnbauer 2006 von den 22 Familien-Gesellschaftern gekauft hatten.
 
Seither sei möglicherweise nicht alles richtig gemacht worden, sagt Kingsbridge-Gründer Mathias Hink, der die Äußerungen der Insolvenzverwalter ebenfalls verurteilt. Dennoch habe der Investor alles versucht, um für das zum Zeitpunkt der Übernahme bereits kurz vor der Pleite stehende Unternehmen eine Zukunft zu schaffen. Unter der Ägide von Kingsbridge wurden die Werke in Sonneberg und in Nürnberg geschlossen und Hunderte von Mitarbeitern auf die Straße gesetzt, um, so die Begründung, Personalkosten zu sparen. Die Kosten für Berater waren damit nicht gemeint. Die von der Insolvenz betroffenen 650 Mitarbeiter in Göppingen und die noch 40 Beschäftigten in Nürnberg können die Enthüllungen um das Geschäftsgebaren des Alt-Eigners kaum fassen. "Die Stimmung ist mies", sagt Betriebsratschef Dieter Weißhaar, "alle fragen sich, kann es weitergehen und wenn ja, mit wie vielen Mitarbeitern."
 

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Erscheinungsdatum: Donnerstag 26.02.2009

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