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Telefonterror ebbt kaum ab
Trotz neuer Gesetze: Kreisbewohner stöhnen unter Masse von Werbeanrufen

Eine Flut von Werbeanrufen und Telefontricks ist trotz schärferer Gesetze keine Seltenheit. Anschlussinhaber werden von täglich bis zu 30 Anrufen terrorisiert. Polizei und Verbraucherschützer kennen das Problem.

ARND WOLETZ

Kreis Göppingen  Christa Rauscher aus Faurndau weiß sich nicht mehr zu helfen, wie sie selber sagt. Der Aufenthalt in ihrer Wohnung kann an manchen Tagen nervenaufreibend werden. Denn die 44-jährige berichtet von täglich bis zu 30 Anrufen von dubiosen Gewinnspielveranstaltern, Versandhäusern und anderem Telefonmüll. "Es ist ein Spießrutenlaufen", sagt die Frau, "manchmal hat man gerade aufgelegt, da klingelt es schon wieder". Natürlich geht die Faurndauerin schon längst nicht mehr ran, wenn mal wieder eine der verdächtigen Nummern in ihrem Display auftaucht. Dann drückt sie gleich die "Abweisen"-Taste. Dennoch nervt das ewige Gebimmel. Und immer wieder kommen doch noch Werbetelefonate durch. Auch spätabends oder sonntagmorgens um 7.30 Uhr.
 
Die Flut ist nur leicht abgeebbt, seit im August das Gesetz geändert wurde. Seither sind Anrufe verboten, wenn sie ohne ausdrückliche Aufforderung des Kunden erfolgen (bis 50 000 Euro Buße) oder wenn die Nummer unterdrückt wird (bis 10 000 Euro). Verbraucher haben mehr Möglichkeiten, am Telefon geschlossene Verträge zu widerrufen.
 
Doch das scheint viele dubiose Firmen nicht abzuschrecken. Obwohl nur ein Bruchteil der belästigten Kunden bei solchen Anrufe Anzeige erstatten dürfte, berichtet Uli Stöckle, Pressesprecher der Göppinger Polizei, beim Arbeitsbereich Umwelt und Gewerbe seien allein in den vergangenen vier Wochen zehn Anzeigen wegen unverlangter Anrufe mit nicht unterdrückter Nummer eingegangen. Die Polizei teile die Nummern der Bundesnetzagentur mit, die Bußgelder verhängen kann. Auch Anrufer mit unterdrückter Nummer können verfolgt werden, wie auf der Internetseite der Bundesnetzagentur ersichtlich ist. Dort gibt es Formulare zum Melden schwarzer Schafe.
 
Auch Brigitte Sievering-Wichers von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg kann ein Lied von den illegalen Anrufen singen. "Das ist ein Riesenproblem", sagt die Sprecherin. Die 3000 bei der Verbraucherzentrale aufgelaufenen Fälle sind nur die Spitze des Eisbergs. Besonders ärgert sie, dass seit einiger Zeit gezielt ältere Menschen die bevorzugte Zielgruppe der illegalen Telefonwerber geworden sind. Die arbeiten mit ausgefeilten Phantasie-Geschichten oder gar Drohungen. Senioren sind schneller verunsichert, weiß sie. So fangen viele unseriöse Werber unter dem Deckmäntelchen einer Meinungsumfrage ein Verkaufsgespräch an.
 
Die Gesetzesverschärfung sei weitgehend verpufft, sagt die Verbraucherschützerin. "Wir sehen nicht, dass es irgendetwas gebracht hat. Die machen ungerührt weiter." Sievering-Wichers kennt Fälle, in denen bei älteren Opfern plötzlich 20 verschiedene Firmen Geld-Beträge vom Konto abgebucht haben.
 
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http://www.bundesnetzagentur.de
 




Erscheinungsdatum: Freitag 30.10.2009

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