Kritik am Waffenbesitz in Schützenvereinen
Dekan Rolf Ulmer bezieht deutlich Stellung - Stadt Göppingen sammelte über 560 Waffen einDer evangelische Dekan Rolf Ulmer kritisierte öffentlich den Waffenbesitz von Sportschützen. Die Stadt Göppingen sammelte indes fleißig Waffen ein.
ARND WOLETZ
Kreis Göppingen Die Bluttaten von Winnenden und Eislingen sind noch immer in aller Munde. In beiden Fällen haben junge Männer mit Schusswaffen Menschen getötet. Dekan Rolf Ulmer hat angesichts solcher Gewaltexzesse am Montagabend vor der Bezirkssynode zum Waffenrecht Stellung bezogen. "Wir werden es nicht fatalistisch hinnehmen, dass Gewalt alltäglich wird, sondern Strategien zu ihrer Überwindung suchen. Dazu gehört auch die Frage, wie viele Waffen eine Gesellschaft braucht. Manche Morde und Gewalttaten wären nicht oder jedenfalls nicht so möglich gewesen, wenn die Täter nicht über Schusswaffen verfügt hätten", sagte Ulmer vor dem Kirchenparlament im vollbesetzten Blumhardthaus. "Die Diskussion über die Verbreitung solcher Waffen ist jedoch relativ bald nach den Gewalttaten wieder leise geworden. Ich finde das bedauerlich", meinte der Dekan, "Für mich ist verständlich dass in einer Zivilgesellschaft die Polizei bewaffnet sein muss und auch die Jäger über Schusswaffen verfügen müssen. Alles was darüber hinaus geht, bedeutet aber Versuchung für Einzelne und Gefahr für die Allgemeinheit", so Ulmer. Auf die Frage aus dem Gremium, ob er damit auch die Schützenverein meine, sagte der Dekan: "Ja, die meine ich".
Unterdessen gibt es in Göppingen immer weniger Waffenbesitzer und mehr Kontrollen: Nach einem Aufruf der Stadtverwaltung hatten viele Göppinger ihre Gewehre abgegeben. Gestern wurden erneut 366 eingesammelte Waffen und 46 000 Schuss Munition unter Polizeibewachung zum Vernichten nach Stuttgart gebracht. "Die Anzahl der Waffenbesitzer hat sich in Göppingen damit um rund 150 reduziert", freut sich Oberbürgermeister Guido Till.
Bereits im Juli waren rund 200 Waffen eingesammelt und vernichtet worden. Familienerbstücke, Gewehre, Revolver und Pistolen waren genauso darunter wie Gaswaffen. Anschließend hatte die Stadt im August alle Waffenbesitzer angeschrieben und an die Änderungen des Waffenrechts erinnert. "Insbesondere auf die Verpflichtung zur sicheren Aufbewahrung wurde hingewiesen", erklärte Till. Die Waffenbehörde überprüft, ob die Besitzer die Vorschriften einhalten. "Die Kontrollen werden fortgesetzt", kündigte der OB an. "Nicht aus generellem Misstrauen den Besitzern gegenüber, sondern um das Bewusstsein für deren besondere Verantwortung zu schärfen." Verstöße gegen das Waffenrecht können, je nach Schwere, als Ordnungswidrigkeit und als Straftat geahndet werden. Auch unsachgemäße Aufbewahrung kann zum Widerruf der waffenrechtlichen Erlaubnis führen.
Till weist nochmals alle Waffenbesitzer auf die Möglichkeit zur Abgabe bei der städtischen Waffenbehörde hin: "Bis zum Jahresende können auch illegale Waffen im Rahmen der aktuellen Amnestieregelung noch straffrei abgegeben werden." Ab 1. Januar wird illegaler Waffenbesitz konsequent zur Anzeige gebracht. Weitere Informationen unter Telefon: 07161/650-326 und -332.
Erscheinungsdatum: Mittwoch 04.11.2009
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