Wir produzieren Bilder, die es bisher nicht gab
Der junge Salacher entwickelt dreidimensionale Bilder und Industriefilme am ComputerDie Salacher FVM Productions entwickelt dreidimensionale Bilder und Industriefilme am Computer. Dadurch verringern Kunden ihre Ausgaben oder erhalten neue Verkaufsargumente.
JENS GIESELER
Herr Faranna, was macht FVM Productions?
FRANCESCO FARANNA: Wir produzieren seit zwei Jahren dreidimensionale Bilder, Industriefilme und visuelle Effekte für Filme. Alles das wird am Computer entwickelt. Ich arbeite bisher mit zwei Mitarbeitern und je nach Auftragslage mit weiteren Freiberuflern. Weil aber das Geschäft im vergangenen halben Jahr angezogen hat, kommt jetzt ein neuer Mitarbeiter in die Firma.
Wer braucht Ihre Dienstleistungen?
FARANNA: 60 Prozent unseres Umsatzes machen wir mit Industriefilmen. Beispielsweise will ein Unternehmen erklären, was in einem Kasten passiert. Doch während des Betriebes kann der nicht geöffnet werden. Durch computergenerierte Bilder kann man zeigen, was bisher nicht zu sehen war. Solche Filme dienen als Lehrfilm für die Techniker. Vor allem unterstützen sie den Vertrieb bei der Kundengewinnung. Denn: Die Bilder bleiben länger im Kopf und überzeugen eher als rationale Argumente oder geben zumindest den emotionalen Kick zum Kauf. Besonders spannend sind Bilder und Filme von Prototypen. Es gibt nur ein Modell auf der ganzen Welt, aber die Datei kann man um den ganzen Globus schicken. Bei 3D-Bildern kann sich jeder das Modell von allen Seiten anschauen.
Eine weitere Anwendungsmöglichkeit der 3D-Technik?
FARANNA: Dr. Scheller Cosmetics aus Eislingen hat Shop-Theken für die Marke Manhattan, die in allen 10 000 Drogerien europaweit identisch sind. Zweimal pro Jahr werden diese Theken umgestaltet: Neue Produkte und Farben kommen rein, andere heraus. Kleine Container werden verschoben. Früher musste ein Fotograf mit hohem technischen Aufwand alles komplett neu fotografieren. Viele Detailaufnahmen waren notwendig. Dagegen müssen wir nur die Innovationen am Computer neu generieren.
Was spart ein Unternehmen dadurch?
FARANNA: Das würde ich auch gerne wissen, um meine Preise anzupassen. Im Ernst: Scheller könnte das sicher genau beziffern. Aber wie will man den Wert von Bildern und Filmen einschätzen, die bisher nicht möglich waren? Wer für einen Werbefilm unbedingt ein Gewitter am Strand benötigt - wie viele Tage muss eine mehrköpfige Crew darauf warten? So was stand früher in keinem Drehbuch für Werbefilme, weil es nicht kalkulierbar war. Heute entwickelt man solche Bilder am PC.
Wie lange benötigen Sie, einen 60-sekündlichen Industriefilm zu machen?
FARANNA: Pauschal lässt sich das nicht sagen, weil es von Komplexität und Detailgenauigkeit abhängt. Wir haben kürzlich in einem Film über Rohrverbindungen Metalloberflächen bearbeitet und Schatten eingebaut. Allein dafür haben wir drei Wochen benötigt. Vielleicht als Faustregel: Wer einen Film für die Messe haben möchte, sollte sich drei Monate vorher melden. Viele Unternehmer können sich nicht vorstellen, was möglich ist. Andere denken, das seien nur ein paar Mausklicks, dann sei alles fertig. Einerseits ist also der Beratungsbedarf sehr hoch.
Wie hoch ist der technische Aufwand?
FARANNA: Wir zahlen allein für die Updates unserer Software 6500 Euro jährlich. Die Computer sind mit der höchsten Prozessorleistung ausgestattet, die gegenwärtig im Industriebereich für Workstations möglich ist - zehnmal leistungsfähiger als ein handelsüblicher PC. Trotzdem benötigen wir beispielsweise für die Berechnung der Shop-Theken zwischen drei bis sechs Stunden pro Bild, obwohl wir alle Rechner nutzen. Diese Computer sind für zwei Jahre geleast. Das hat zwei Vorteile. Als Existenzgründer habe ich die Investitionskosten deutlich gesenkt und über zwei Jahre verteilt. Und nach dieser Zeit bekommen wir wieder die schnellsten Modelle.
Wie gewinnen Sie Kunden?
FARANNA: Firmen kommen vor allem durch Empfehlung. 60 Prozent des Umsatzes machen wir im Landkreis Göppingen. Lediglich zwei weitere Firmen bieten ähnliche Dienstleistungen an. Wir investieren immer wieder viel Zeit in Akquisegespräche, um potenziellen Kunden den Nutzen und mittelfristigen Gewinn deutlich zu machen, den wir stiften können. Außerdem haben wir Kontakt zu Werbeagenturen in Stuttgart, Reutlingen und Göppingen, die bundesweit Kunden haben. Wir haben uns in den ersten zwei Jahren den Ruf erworben, sehr schnell zu sein und hohe Qualität zu liefern.
Erscheinungsdatum: Donnerstag 16.10.2008
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