Der große Traum von felix Austria
Gerhard Aichingers Fan-Bus zur Europameisterschaft macht Furore

Die Österreicher haben einen Traum - den vom EM-Fußballsieg im eigenen Land. Gerhard Aichinger aus Linz hat sogar seinen Reisebus bemalt.

JÜRGEN HERDIN

Reutlingen  Das Fernsehen von ARD und ZDF hat ihn schon vorgestellt. Drei Wochen später bequemte sich dann auch das Fernsehen seines Heimatlandes (ORF), den einzigartigen Fan-Bus vorzustellen. Dieser Tage ist er in Reutlingen unterwegs, um die Theatergruppe "Malaria" aus Gall-Neukirchen (Oberösterreich) auf ihrer Tournee zu fahren.
 
Eine richtige Seuche scheint vor geraumer Zeit schon den österreichischen Fußball befallen zu haben. Niederlagen gegen Zwergenstaaten, wie 1990 das legendäre Debakel gegen die Hobbykicker von den Faröer-Inseln. Die Fußballer Österreichs vermochten es bisher nicht, sich auch nur einmal für eine Europameisterschaft zu qualifizieren. Regelmäßig scheiterten die Kicker der Alpenrepublik in der Qualifikation. Und vor fast genau 100 Jahren, am 8. Juni 1908, unterlagen Rot-Weiß-Roten auf dem Acker Hohe Warte im Wiener Stadtteil Döbling gegen England mit 1:11.
 
Nun sind die Kicker um ihren Coach Josef Hickersberger als Gastgeber der Europameisterschaft automatisch qualifiziert - und sie wollen hoch hinaus. Busunternehmer und Gastwirt Gerhard Aichinger, der mit seinem Austria-Gefährt schon Fans in die Allianz-Arena nach München gefahren hat, pinselt kurz nach der Bekanntgabe der Vierer-Endrundengruppe optimistisch und selbstbewusst die Ergebnisse auf seinen Reisebus: Gegen Kroatien wollen sie 1:0 gewinnen, 2:0 gegen Polen, um dann ihren Lieblingsgegner Deutschland mit 3:0 wegzuputzen. "Schau mer mal", sagt er, als er uns auf einem Parkplatz in Reutlingen seine Fan-Utensilien zeigt. T-Shirts und Kaffeetassen gibt es mit dem Foto des Busses, und außerdem Bier im Achterpack. Auf jeder einzelnen Pulle philosophiert Aichinger über die möglichen Stationen des nahenden Erfolgs im eigenen Lande.
 
"Es gibt in ganz Österreich nur einen solchen Bus, und dort ist er jetzt schon Kultobjekt", so Aichinger stolz. "Unterwegs auf den Autobahnen winken mir viele Leute zu und machen Fotos", nehmen den bunten Bus ebenso humorvoll wie Aichinger selbst, der unlängst eine 40-köpfige deutsche Reisegruppe zu chauffieren hatte. "Da hat doch tatsächlich ein Mann nicht mitfahren wollen", so Aichinger, der dem Sauertopf sogleich mit einem liebevollen "geh, scheiß di net aoh", geantwortet hat. Das heißt so viel wie "zier dich doch nicht so!" Der Fahrgast stieg schließlich doch ein. In Reutlingen hat Aichinger nun aber eine "Watschen" bekommen.
 
Dort, wo Reisebusse hinter dem "City-Hotel Fortuna" oft unbehelligt stehen, hat ihm das Ordnungsamt ein Knöllchen verpasst. Aichinger nimmt das ebenso gelassen wie den Fußball an sich: "Den Bus habe ich für 2000 Euro nur bekleben lassen. Sollten wir doch nicht Europameister werden, nehme ich eine andere Folie, auf der dann steht: Aber im Skifahren sind wir besser!"
 




Erscheinungsdatum: Donnerstag 05.06.2008

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