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Paten für Flüchtlinge gesucht
Aktion hat auch Reutlingen erreicht - Asylpfarrerin und Ehrenamtliche wollen Zeichen setzen

Reiche Schnösel schlürfen Sekt, während Soldaten an Europas Grenzen Flüchtlinge abwehren - mit Straßentheater machten Mitarbeiter des Asylcafés auf ihre Aktion " Save me, eine Stadt sagt Ja" aufmerksam.

KARIN LOBER

Reutlingen  Samstagmorgen. In der Wilhelmstraße - eine ungewöhnliche Szenerie. Muhamet Indrizi, der einen reichen Europäer spielt, sitzt mit Liljana Gashi, die eine Schicki-Micki-Dame mimt, am Bistrotisch. Die Beiden vergnügen sich bei einem Gläschen Schampus. Derweil sind Günter Jung und Jürgen Pollitz in die Rolle von Soldaten der Frontex geschlüpft, die an einer Außengrenze der Europäischen Union - die mit einem rot-weiß gestreiften Band dargestellt ist - patrouillieren. Als dann plötzlich Flüchtlinge auftauchen, schlagen sie diese mit ihren Paddeln in die Flucht. Die Flüchtlinge, so die Botschaft, sind in vielen europäischen Ländern nicht willkommen.
 
Immer wieder bleiben Passanten stehen und schauen dem eindringlichen Schauspiel, das eine Gruppe Ehrenamtlicher aufführt, zu. Wer anschließend wissen will, was es mit der Inszenierung auf sich hatte, kann sich an dem vor der Nikolaikirche platzierten Informationsstand schlau machen. Allerdings nicht bis um 15 Uhr, wie im Programmheft der Interkulturellen Woche angekündigt, sondern nur bis 12.30 Uhr. Der Regen ist nämlich inzwischen so unangenehm, dass die Akteure den Stand abbauen und sich in der Nikolaikirche aufwärmen.
 
Es geht darum, die Aktion "Save me - eine Stadt sagt Ja" bekannt zu machen, erklärt Jung im Kircheninnern. Diese Kampagne, die 2007 in München initiiert wurde, wurde vor wenigen Tagen auch in Reutlingen gestartet, ergänzt Mitstreiterin Monika Kalmbach. Ziel ist es einerseits, Paten für Menschen, die sich derzeit auf der Flucht oder sich in einem Flüchtlingslager befinden, zu gewinnen. Andererseits soll aber auch politisch Druck gemacht werden, damit sich Deutschland endlich am Programm "Resettlement" des Flüchtlingskommisariats der Vereinten Nationen (UNHCR) beteiligt, das Flüchtlinge aus Drittländern vermittelt.
 
Jung konkretisiert mit einem Beispiel: Wenn ein Birmese nach Thailand flieht, landet er dort in einem Lager, bekommt aber weder ein Bleibe- noch ein Arbeitsrecht. Die UNHCR kümmert sich nun darum, diese Menschen in ein sicheres Land zu vermitteln, in dem sie ohne langwierige Asylverfahren bleiben und arbeiten können und damit eine Zukunft haben.
 
Deutschland macht bei diesem Programm bisher nicht mit, bedauern Jung, Kalmbach, Pollitz, Indrizi und Susanna Schillaci, die alle ehrenamtlich im Asylcafé arbeiten. Durch die Kampagne "Save-me", die momentan in zehn deutschen Städten läuft, soll sich dies ändern.
 
Erstes Ziel der Reutlinger Aktion ist es, 112 Paten zu gewinnen, konkretisiert Indrizi. Ein Pate pro 1000 Bürger, erläutert Jung, weil die Stadt 112 000 Einwohner habe. Bisher haben sich 34 Paten registriert, durch die samstägliche Aktion in der Wilhelmstraße kommen sicher etliche hinzu, freut sich Asylpfarrerin Ines Fischer.
 
Durch die Zahl der Paten will man Kommunalpolitikern signalisieren, wie groß die Bereitschaft der Bürger ist, sich für Flüchtlinge einzusetzen, damit sich auch der Gemeinderat für die Kampagne ausspricht. Wenn dies dann weitere Städte tun, steigt die Chance, dass die Bundespolitiker der Teilnahme am Hilfsprogramm zusagen.
 
Und wie sehen die Aufgaben der künftigen Paten aus? Jeder kann selbst entscheiden, in welchen Rahmen er helfen möchte, lautet die Antwort. Das können Botengänge sein oder kleine Hilfen, damit die Flüchtlinge, wenn sie nach Deutschland kommen dürfen, sich hier zurechtfinden. Es geht darum die "Intergration anzustoßen", erklärt Pollitz. Zudem, fügt Kalmbach hinzu, könne aus der Patenschaft auch eine neue freundschaftliche Bande zu einem Menschen aus einem andere Kulturkreis entsehen.
 
Wer allerdings schon am Samstag - wie im Programm der Interkuturellen Woche angekündigt- auf dem Spitalhof mit Menschen aus aller Herren Länder in Kontakt kommen wollte, wurde enttäuscht. Das "Fest der Kulturen" fand wegen schlechter Witterung nicht satt. Schade, dass die Veranstalter die Absage nicht einmal per Plakat bekannt gemacht haben.
 




Erscheinungsdatum: Montag 06.10.2008

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