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"Geil" statt "wahnsinnig"
Zeitgespräch mit Sprachpapst Prof. Dr. Ludwig M. Eichinger im Spitalhofsaal

Deutsch-Stunde einmal anders - beim 79. Zeitgespräch war der Direktor des Instituts für Deutsche Sprache (IDS), Prof. Dr. Ludwig M. Eichinger, jetzt im Spitalhof beim Katholischen Bildungswerk zu Gast.

MARGARETE DIERTZ

Reutlingen  Der aus Niederbayern stammende "Sprachforscher" Ludwig Eichinger stellte sich den rund 50 Besuchern am Donnerstagabend im Spitalhof kurz vor. Im Gespräch mit Diplompädagogin Ulla Heinemann und Prof. Dr. Norbert Vogel von der Uni Tübingen umriss er im Schnelldurchgang seine Vita.
 
In den 70ern studierte Eichinger Germanistik und Latein, mit dem Ziel, Lehrer zu werden. Schnell entdeckte der junge Student seine Liebe zur Sprache. Es folgte ein Studium der "General Linguistics", der Allgemeinen Sprachwissenschaft am University College in London. Seit 2002 ist Eichinger Direktor des Instituts für Deutsche Sprache (IDS) in Mannheim.
 
Das 1964 gegründete IDS ist Sitz des Rats für deutsche Rechtschreibung, der auch für die deutsche Rechtschreibreform zuständig war. Der zweifache Vater weiß selbst: "Fehlerfreies Schreiben ist heute noch ein großes Thema. Eine gute Rechtschreibung zählt heutzutage zu den Grundkenntnissen und wird in vielen Berufen vorausgesetzt."
 
Anders als früher wird heute das meiste am Computer geschrieben und vom Rechtschreibprogramm begleitet. Die wenigsten schreiben noch von Hand. Besonders viele junge Menschen würden sich daher weniger mit der deutschen Rechtschreibung befassen und hätten Schwierigkeiten beim Diktatschreiben in der Schule, sagt Eichinger.
 
Zum Thema Deutsch in Zeiten der Globalisierung und ob die deutsche Sprache im Abmarsch sei, äußerte sich der Professor. Obwohl die deutsche Sprache zu den zehn Weltsprachen zähle, würde sie neben Englisch und Französisch sichtbar untergehen, meinte er.
 
Die Globalisierung habe Länder wie China wichtig gemacht, in denen die englische Sprache dominant sei. Dagegen anzukämpfen, so Eichinger, wäre jedoch zwecklos, vielmehr sollte man versuchen, die Sprachentscheidung der Situation anzupassen.
 
Die deutsche Sprache werde sich aber weiterentwickeln, fügte der Professor, der Mitglied der Akademie der Wissenschaft und Literatur in Mainz ist, optimistisch hinzu. Die englische Sprache werde sich auch in Deutschland in Form des so genannten "Denglisch" als ein gesellschaftliches Phänomen weiterentwickeln.
 
Insbesondere junge Menschen nehmen immer häufiger Wörter wie "Meeting", "Shooting" oder "Coffee to go" als selbstverständlich in ihrem Wortschatz auf. Diese Entwicklung sieht der Professor nicht als Gefahr für die deutsche Sprache, es sei normal, dass englische Wörter in der heimischen Sprache immer häufiger zu finden seien, weil die Deutschen täglich mit Englisch in Berührung kommen. "Und wer würde lieber elektronische Post anstatt E-Mail sagen", fuhr er fort.
 
"Die Jugendkultur in Deutschland pflegt heutzutage einen eigenen Wortschatz. Das frühere wahnsinnig wurde durch geil ersetzt", so der Professor. Die Jugendsprache habe sich durch die Globalisierung internationalisiert.
 
Der prominente Gast durfte sich zum Schluss noch eins von drei Geschenken aussuchen. Eichinger entschied sich für den schwäbischen Sprachführer mit Bildern.
 




Erscheinungsdatum: Samstag 27.06.2009

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