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TIERE / Schäfer Wilhelm Stotz in Bermaringen beherbergt Immigranten aus Lateinamerika
Zwei Lamas haben den vollen Überblick

Schlank war sie von Anfang an nicht - die Lamastute, die bei Schäfer Wilhelm Stotz wohnt. Vor sieben Wochen aber stellte sich heraus, warum: Sie bekam ein Baby.

ULRIKE SCHLEICHER

BERMARINGEN  Integrationsmaßnahmen waren nicht weiter erforderlich. Die Immigrantin aus Lateinamerika assimilierte sich bestens: Sie spuckte bisher nicht einmal. Wären nicht ihre hochgewachsene Statur - sie überragt die Schafe locker um gute 30 Zentimeter - und ihr weißes Fell fiele sie in der Tiefe des Stalles nicht groß auf. Stets dicht hinter ihr: die sieben Wochen alte Tochter, ebenfalls weiß und ebenfalls schon größer als ihre blökenden Kumpels.
 
Die Lamastute war ein Geschenk zum 60. Geburtstag von Schäfer Wilhelm Stotz. Sein Sohn Dietmar kam auf die glorreiche Idee, ein paar Bekannte machten mit. Warum auch nicht? Ein Lama passt ganz gut zu Schafen und zur Lebensart eines Wanderschäfers, wie der Bermaringer Stotz einer ist. Die Tiere, die zur Familie der Kamele gehören, werden in Lateinamerika bis heute als Lasttiere genutzt.
 
Die Wiederkäuer sind trittsicher, können geschoren werden, halten Kälte aus und sind genügsam hinsichtlich ihres Speiseplans. Deshalb kam es Stotz auch spanisch vor, dass die fünfjährige Stute so gut beieinander war, als sie im späten Sommer nach Bermaringen einreiste. "Von Heu und Gras kann man doch nicht so dick werden." Auch die bald schon täglichen Wanderungen mit der Schafherde nützten diätisch rein gar nichts. Aber lang musste Stotz nicht rätseln: "Klar, dass sie trächtig war." Elf Monate tragen Lamas, Anfang Oktober war es so weit: Die Tochter kam zur Welt. Viel Aufhebens machte die Stute nicht darum. Das langbeinige Lamababy musste bald aufstehen und der Mutter hinterher stolzieren, wenn es trinken wollte.
 
Inzwischen versucht sich die Tochter zwischendurch schon an fester Nahrung. Mit den langen Wimpern klimpernd läuft sie durch den Stall, um schließlich elegant den Hals zu beugen und kleine, im Eifer des Gefechtes dorthin gelangte Heubällchen von den Rücken der Schafe zu zupfen. Das hat die Stute nicht mehr nötig. Sie erkennt dank ihrer Größe jede Lücke am Trog, tastet sich heran und schiebt sich sanft dazwischen. Manchmal hängt sie ihren Hals auch einfach über das Gatter und frisst. Neidisch sind die Schafe auf die Vorteile des Lamas nicht. "Es gab noch keinen Ärger", sagt Stotz. Fragt sich sowieso, wer den Kürzeren ziehen würde. Jedenfalls könnten die Lamas den Schafen ziemlich genau das grünlich, übelriechende Zeug in die Augen spucken, wenn sie wollten.
 
Insgesamt jedoch der Schäfer mit der Integration der ausländischen Stallbewohner so zufrieden, dass er eine weitreichende Entscheidung getroffen hat: "Im Frühjahr wird die Stute gedeckt."
 




Erscheinungsdatum: Dienstag 27.11.2007

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