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Schwerer Stand bei den Senioren
Vortrag über die Leistungen der Krankenkassen in Machtolsheim

"Warum zahlen Krankenkassen keine Homöopathika?". Mit dieser Frage musste sich Ralf Müller beim Seniorennachmittag in Machtolsheim befassen. Zuvor hatte er über die Leistungen der AOK gesprochen.

BRIGITTE SCHEIFFELE

Machtolsheim  Keinen leichten Stand hatte Ralf Müller von der AOK Laichingen beim Seniorennachmittag in Machtolsheim. "Wenn es mir hilft, keine Nebenwirkungen hat und noch dazu günstig ist - warum zahlt die Kasse dann keine homöopathischen Heilmittel?", lautete eine der Fragen der Senioren. "Bei normalen Medikamenten bräuchte man sogar weitere Mittel gegen die Nebenwirkungen", erklärte eine der Seniorinnen. Homöopathische Mittel würden nur dann erstattet, wenn ein Arzt sie verordne. Über die Wirksamkeit dieser Mittel schieden sich die Geister, denn die sei nicht nachweisbar, begründete Rolf Müller die ablehnende Haltung der Krankenkasse: "Die gesetzlichen Kassen dürfen homöopathische Mittel nicht zahlen und nicht bezuschussen. Wir werden auch dahin kontrolliert." Nur sehr wenige pflanzliche Mittel könnten von einem Arzt verordnet werden, erklärte Müller und wies auf eine Zusatzversicherung hin, die diesen Bereich abdecke. "Man geht nur noch zum Schaffen für die Zusatzversicherungen. Überall wird gespart und überall muss man noch mehr zahlen", schimpften einige Senioren, zumal Müller bereits im Vorfeld in anderen Bereichen auf Zusatzversicherungen der AOK hingewiesen hatten. Kurzum: Eigentlich sind die meisten Rentner in der "guten alten AOK" versichert. Denn die ist die vor Ort und hat einen guten Versichertenservice. Dass jetzt aber überall gespart wird, passt keinem so richtig.
 
Einen informativen Überblick hatte Müller zuvor zu Themen wie dem Hausärzteprogramm, den neuen Bedingungen bei der Verordnung von Arzneimitteln, dem neuen Pflegeversicherungsgesetz - das ab 1. Juli in Kraft tritt -, Zusatzversicherungen bei Zahnersatz, dem umfassenden Behandlungsprogramm Curaplan für Diabetes, koronare Herzkrankheiten, Asthma oder chronische Lungenerkrankungen sowie den ab 2009 zu erwartenden Einheitsbeitrag für alle Kassen mit Einführung des Gesundheitsfonds gegeben. "Und dann kommen Bundestagswahlen und wieder ne neue Reform. Und dann wird weiter gekürzt", schimpften einige der Senioren, die zudem wenig Verständnis für die prinzipielle Verordnung von günstigen Arzneimitteln mit angeblich gleichem Wirkstoff - so genannten Generika - zeigten: "Jeder Mensch ist anders und jedem hilft ein anderes Medikament" hieß es oder: "Wenn ich über lange Zeit ein hilfreiches Medikament hatte und mein Körper das verträgt, warum bekomme ich das heute nicht mehr?" Vielleicht wirke das Neue sogar besser, außerdem müssten die Kassen auf das Geld schauen, antwortete Müller. Der Arzneimittelposten übersteige den der Arztrechnungen, also müsse das Einsparpotential genutzt werden. Bei Nebenwirkungen solle man deswegen sofort den Arzt benachrichtigen, es gebe dann auch durchaus andere Möglichkeiten.
 
Vom angeblichen Vorteil des Hausärzteprogramms ließen sich die Senioren allerdings beeindrucken: Es sei in Ordnung, dass ein Hausarzt die Übersicht über alle Behandlungen und Anwendungen eines Patienten habe, und dass damit doppelte Kosten wie Besuche bei verschiedenen Fachärzten vermieden werden könnten. Auf die Aufnahme von Rheuma-Patienten in den Bereich strukturierter Behandlungsprogramme hofft eine betroffene Seniorin. Sie muss laut Müller aber noch warten: "Ich könnte mir gut vorstellen, dass Rheuma mit zum geplanten Ausbau dieser Programme zählt."
 
Der Ersatz für Brillen oder Kontaktlinsen erfordere ebenfalls eine Zusatzversicherung, erklärte Müller den Senioren, was diese ziemlich verärgerte: "Für alles muss man sich zusätzlich versichern und dann kann man es auch noch selbst zahlen!" Das Verschreiben von Kuren und die damit verbundenen Auflagen - wie zum Beispiel das vorherige Ausschöpfen aller Therapieangebote vor Ort - wurde ebenso thematisiert wie die Erstattung von Kosten für Seniorengymnastik: "Wer dies bei einem zertifizierten Anbieter betreibt, bekommt 80 Prozent erstattet", erklärte Müller. Dazu gehöre übrigens auch der Machtolsheimer Sportverein mit seinen qualifizierten Übungsleitern.
 




Erscheinungsdatum: Freitag 28.03.2008

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