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Wenn Dummheit im Quadrat Stars erzeugt
Anne Weiss und Stefan Bronner stellen ihr Buch "Generation Doof" im Alten Rathaus vor

Der Dreisatz - das muss eine olympische Disziplin sein, meint Niklas. Er entlarvt sich damit als Teil der "Generation Doof", sagen zwei Autoren und muliplizieren kurzerhand Anekdoten über dummes Verhalten.

THOMAS SPANHEL

Laichingen  Der Klingelton "Furzender Fisch" kündigt Markus das Ende seines Traums von der ewigen Liebe an: Über eine SMS wird dem Bräutigam mitgeteilt, dass seine holde Alexa plötzlich keinen Bock mehr auf Heiraten hat. Sie schickt lieber ihren Papa vorbei - der soll das für sie schnell klären. So blöd können nur Leute der "Generation Doof" mit Liebe und Heirat umgehen, kommentierte der junge Autor Stefan Bonner (33) die Situation, die er selbst bei einem Bekannten erlebt hat. Viele Vertreter dieser Generation verhalten sich eben wie Superprols, wie werbungshörige Fast-Food-Konsumenten oder ausgebuffte Koma-Säufer - auch in Liebes- und Heiratsangelegenheiten.
 
Auf Einladung der Volkshochschule stellten Bronner und seine Co-Autorin Anne Weiss (32) ihr gemeinsames Buch "Generation Doof. Wie blöd sind wir eigentlich?" den rund 30 Zuhörern im Laichinger Alten Rathaus vor. Das Buch reiht eine Anekdote über dummes Verhalten an die nächste. Dummheit im Quadrat sozusagen, die viele Zuhörer beim durchaus charmanten Vortrag immer wieder schmunzeln oder lachen ließ. Sei es nun, weil sie sich an eigene ähnlich dumme Verhaltensweisen erinnerten oder weil Schadenfreude bekanntlich die schönste Freude ist.
 
Die "Generation Doof" im Alter zwischen 15 und 45 Jahren zeige sich jedenfalls überall, behaupten die Buchautoren, und geben zum Besten, was sie selbst erlebt haben oder aus den Medien so mitbekommen. Das Thema ist gerade populär. Dummheit nicht nur in der Schule, wenn die Jugendlichen am einfachen Dreisatz scheitern - siehe Pisa-Studie. Auch in der Quizshow oder im Geschäftsleben, wenn die Praktikantin mit Bauchnabel-Piercing erst nach Hause zum Ankleiden geschickt werden muss. Oder bei der Erziehung, wenn Eltern und Kind stupide am Bildschirm hängen, statt mit der Tante am Telefon einige vernünftige Worte zu wechseln. Überall wittern Weiss und Bronner die Doofen und fragen provozierend ins Publikum: "Könnten Sie erklären, wie in Deutschland ein Gesetz verabschiedet wird und welche Instanzen es durchläuft?" Unterfüttert werden die Beispiele willkürlich mit irgendwelchen Statistiken - wie etwa der Feststellung, dass der Intelligenzquotient seit Ende der 90er Jahre um zwei Punkte pro Jahr sinkt, während er bis in die 80er Jahre rapide anstieg.
 
Die Erklärungsversuche der Autoren über die Dummheit ihrer Zeitgenossen bleiben allgemein: Das ausufernde Medienangebot, der rapide steigende Konsum von Fernseher oder Spielekonsolen ebenso wie die Bequemlichkeit, Hilflosigkeit oder falsche Toleranz der Eltern bei der Erziehung. In den Medien werde Dummheit sogar noch schick gequatscht, die Jugend träumt von einer steilen Karriere wie Daniel Küblböck und lässt sich gleichzeitig öffentlich von Dieter Bohlen als unfähig abwatschen. Maxime: "Wer glotzt, hat mehr vom Leben."
 
Nett formuliert, aber zum Glück dehnten die Autoren ihre Lesung nicht in die Länge. Sie rechtfertigten ihr Buch hinterher zwar noch als Anregung, darüber nachzudenken, wie man Dummheiten im eigenen Leben aufspüren und so Passivität verhindern kann. Wie das bei einer unsystematischen Anekdoten-Reihe, die allzu viele Klischees bedient, funktionieren soll, bleibt aber ihr Geheimnis. Immerhin rechnen sich die beiden zur "Generation Doof". Da ist es fast nur logisch, wenn sich die Schreiber mit den komplexen Dingen nicht im Detail auseinandersetzen. Und sie haben einen Trost: Bestseller-Autoren werden schnell als Stars gehandelt.
 




Erscheinungsdatum: Samstag 10.05.2008

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