Gericht spricht von Verzögerungstaktik
Heroin-Prozess bis Weihnachten terminiertSeit Monaten schleppt sich der Prozess um die Einfuhr von 308 Kilogramm Heroin hin. Das Gericht wirft der Verteidigung Verzögerungstaktik vor.
HANS-ULI MAYER
Ulm Elf Verhandlungstage zählt der vor vier Monaten begonnene Prozess um die Einfuhr von 308 Kilogramm Heroin schon, ein Ende ist nicht absehbar. Am Montag haben die Richter des Landgerichts Ulm weitere Termine vorgeschlagen, die mittlerweile bis Weihnachten reichen. Ihr Missfallen über den Verlauf war dabei deutlich zu vernehmen. Unverblümt warfen sie den Wahlverteidigern aus Stuttgart Verzögerungstaktik vor. "Der Prozess dauert schon zu lange", sagte der Vorsitzende Reiner Gros.
Ausgangspunkt des Verfahrens ist eine Verkehrskontrolle auf der B 10 bei Amstetten, als Spezialkräfte der Ulmer Polizei im September vergangenen Jahres in einem türkischen Sattelschlepper insgesamt 308 Kilogramm Heroin sicherstellten - eine der größten Mengen Rauschgift, die jemals beschlagnahmt wurden. Am Steuer des Transporters, der auf einer Fähre vom Mittelmeerhafen Cesme bei Izmir nach Triest gebracht und von dort nach Deutschland gefahren wurde, saß der 58-jährige Inhaber einer türkischen Spedition, an dessen Beteiligung an dem Drogenhandel kaum noch Zweifel bestehen. DNA-Spuren an den Heroinverpackungen und weitere Hinweise werden allgemein als ausreichend bewertet, um den Mann verurteilen zu können. Obwohl er alles bestreitet, dürfte ihm eine Gefängnisstrafe zwischen 12 und 14 Jahren drohen.
Weitaus schwieriger liegt der Fall beim Mitangeklagten, der erst Wochen später festgenommen werden konnte. Bei dem 36-jährigen Mann aus der türkischen Provinzhauptstadt Denizli handelt es sich um einen angestellten Fahrer, der den Lkw von der Türkei auf der Fähre begleitet und in Italien an den Chef übergeben hatte. Ein ungewöhnlicher Vorgang, aus dem Ermittler schließen, dass auch er über den Schmuggel Bescheid wusste, was der 36-Jährige abstreitet.
Schwierig ist der Prozess, weil der Informant der Polizei vom Innenministerium geschützt wird. Ein Umstand, den die Verteidiger scharf kritisieren und ihrerseits darauf reagieren, in dem sie zahlreiche Zeugen aus der Türkei und Italien vor Gericht laden wollen. Auf die Nachfrage des Gerichts nach weiteren Beweisanträgen verweist die Verteidigung außerdem ausweichend auf den nächsten Termin am 23. Oktober - wohl nicht der letzte.
Erscheinungsdatum: Mittwoch 08.10.2008
zurück zur Ressort-Übersicht