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Thema der Region

METALL / Große Empörung wegen Umsetzung des Entgeltrahmentarifvertrags
Facharbeiter fühlen sich degradiert
Bei Evobus kocht Ärger hoch: Es geht ums Geld und um persönliche Wertschätzung

Ein kompliziertes Vertragswerk mit dem sperrigen Namen Entgeltrahmentarifvertrag (Era) hat bei Evobus die Belegschaft auf den Plan gerufen: 1800 Arbeitnehmer sind gestern Vormittag aus Verärgerung nach Hause gegangen. Eine überraschend heftige Reaktion.

REGINA FRANK

Sie fühlen sich abgewertet. Sie sind empört, weil sie den Eindruck haben, ihre Arbeit wird geringer geschätzt als bisher: 1800 Evobus-Mitarbeiter haben gestern nach Angaben des Betriebsrats ihre Arbeit in der Montage in Neu-Ulm niedergelegt. Stein des Anstoßes ist der neue Entgeltrahmentarifvertrag (Era), genauer: dessen Umsetzung bei dem Neu-Ulmer Bushersteller.
 
Das Vertragswerk, das von der IG Metall und dem Arbeitgeberverband Südwestmetall für die Beschäftigten in der Metall- und Elektroindustrie ausgehandelt wurde und auf eine gerechtere Entlohnung von Arbeitern und Angestellten abzielt, soll bis zur Jahresmitte in der Hälfte der Betriebe im Südwesten eingeführt werden. Bei Evobus noch im April. Was das für den einzelnen Schlosser und Lackierer heißt, haben die Kollegen gerade schwarz auf weiß bekommen: Sie wurden in einem Brief über ihre neue Eingruppierung informiert.
 
Auf dem Gehaltskonto wirkt sich das für die Belegschaft zwar im Moment noch nicht aus, weil eine Betriebsvereinbarung ihr Entgelt bis zum Jahr 2011 absichert - die Empörung ist offenkundig trotzdem groß. "Das ist eine Kopfsache", sagt Betriebsrat Hansjörg Müller, "keine reine Geldbeutelsache". Soll heißen: Wenn ein Facharbeiter von heute auf morgen bewertet wird, als ob man diese Tätigkeit in sechs Wochen lernen könnte, muss er sich vorkommen wie ein Hilfsarbeiter.
 
Müller saß mit am Tisch, als im Unternehmen die neuen Tätigkeitsbeschreibungen formuliert wurden. Mehrere hundert Beispiele. Er musste sich jetzt vor seinen Kollegen rechtfertigen, Beschimpfungen erdulden. Der Betriebsrat kann den Ärger verstehen, er legt jedoch Wert auf die Feststellung, dass er nicht für die Zuordnung der Mitarbeiter zu den jeweiligen Tätigkeitsprofilen verantwortlich ist. Dies sei Sache des Managements gewesen.
 
Fünf Jahre lang Ausgleich
 
Jeder neue Kollege, der bei Evobus anfängt, erhält von April an seinen Lohn nach Era-Eingruppierung, während für die gleiche Arbeit Kollegen, die schon länger in dem Unternehmen sind, mehr bezahlt bekommen. Ob die alte Mannschaft tatsächlich noch fünf Jahre per Ausgleichsbetrag auf dem gewohnten Niveau entlohnt wird, daran können manche allerdings trotz Betriebsvereinbarung nicht so recht glauben, berichtet Müller. "Was, wenn das Management erneut ein Kostensparprogramm vorlegt?" Eine Unternehmenssprecherin der Konzernmutter Daimler-Chrysler beruhigt: "Bis 2011 wird keiner weniger verdienen."
 
Die Stimmung in der Evobus-Montage in Neu-Ulm war gestern indes so schlecht, dass selbst Betriebsrat Müller überrascht war. Es gab in den Tagen zuvor zwar schon wütende Stimmen - aber dass nun "die ganze Halle dasteht", damit habe keiner gerechnet.
 




Erscheinungsdatum: Dienstag 06.03.2007

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