GASTRONOMIE / Der Kneipe an der Ecke droht das AusRauchverbot für Wirte in Ulm/Neu-Ulm grenzwertig
Das Rauchverbot macht den 200 Bier- und Szenekneipen in Ulm schwer zu schaffen. Die Umsätze sind eingebrochen. Das droht bald auch den bayerischen Kollegen.
REGINA FRANK
Ein Eckkneipen-Wirt mit 40 Quadratmetern hats schwer in Zeiten, in denen Rauchen nur noch in Nebenzimmern erlaubt ist. Die typische Kneipe um die Ecke ist zu klein, als dass man einen Teil für Raucher abtrennen könnte. Mit Einführung des Rauchverbots vor dreieinhalb Monaten brach der Umsatz dieser Kneipen um die Hälfte ein, sagt der Ulmer Gastronom Ebbo Riedmüller. "Das ist eindeutig existenzgefährdend." Sprich: Über kurz oder lang wird ein Kneipensterben einsetzen. Im Moment hat Ulm 200 Bier- und Szenelokale. Riedmüller selbst erleidet keine Einbußen wegen des Rauchverbots: "Wer stärker speiseorientiert ist, merkts kaum."
Er will allerdings einen gezielten Gastro-Tourismus über die Landesgrenze hinweg ausgemacht haben. "Der Raucher geht nach Bayern, wo das Rauchen noch erlaubt ist." Als Gastronom, der direkt an der Landesgrenze hüben wie drüben Lokale betreibt, ist Riedmüller selbst ein wenig Verlierer und ein wenig Profiteur der ungleichen Verhältnisse. Dennoch findet er es nicht in Ordnung, dass jedes Bundesland anders vorgeht. "Das ist klar eine Wettbewerbsverzerrung."
Die Umsätze, die in Ulm wegbrechen, kommen auf Neu-Ulmer Seite nicht in vergleichbarer Größenordnung an. Dass Raucher aus Baden-Württemberg in den vergangenen drei Monaten die Geschäfte auf bayerischer Seite auf breiter Basis belebt hätten, davon könne keine Rede sein, meint der schwäbische Bezirksvorsitzende des Hotel- und Gaststättenverbands, Johann Britsch. Er berichtet von einem anderen, überraschenden Effekt des baden-württembergischen Rauchverbots: "Schon acht Tage nach Einführung des Gesetzes gingen auch bei uns manche Gäste zum Rauchen vor die Tür."
Das bayerische Verbot, das am 1. Januar in Kraft tritt, erlaubt keine Ausnahmen, keine Ausweichräume. Klare Regeln für alle, das begrüßt Britsch, auch wenn es für die Szene- und Bierkneipen hart wird. Britsch ist überzeugt, dass jene Personengruppe, die sich gerne in der Bar trifft, Alternativen sucht, solche, die nicht unter gastronomischer Überschrift laufen. Was das sein könnte? Nun, man trifft sich womöglich künftig im privaten Club.
Erscheinungsdatum: Donnerstag 15.11.2007
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