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Stirbt die Nation aus?
Frühjahrsakademie an der Universität Ulm eröffnet

Die 33. Jahreszeitenakademie ist gestern an der Universität eröffnet worden. Thema der Akademiewoche sind diesmal die Bevölkerungsentwicklung und die damit verbundene Herausforderung für die Gesellschaft.

VANESSA MANG

Ulm. Die Probleme, aber auch die Chancen, die sich aus der stetigen Alterung unserer Gesellschaft ergeben, sind Thema der diesjährigen Frühjahrsakademie. Das Zentrum für allgemeine wissenschaftliche Weiterbildung (Zawiw) stellt die demographischen Entwicklungen in den Mittelpunkt der Veranstaltungen in der Woche vom 10. bis 14. März.
 
Universitätspräsident Prof. Karl-Joachim Ebeling, der die Frühjahrsakademie eröffnete, betonte die Aktualität des Themas und verglich den demographischen Wandel mit dem Ausbau der Wissenschaftsstadt: "Wenn es mit der demographischen Entwicklung so positiv verlaufen würde, wie mit dem Ausbau der Wissenschaftsstadt Ulm, dann hätte man keine Probleme." Kulturbürgermeisterin Sabine Mayer-Dölle lobte in ihrer Rede Ulm als "aktive und lebendige Stadt". Man müsse in Anbetracht der Bevölkerungsentwicklung lernen, die Potenziale der älteren Generation zu nutzen und damit die Chancen der aktuellen und künftigen Entwicklung zu erkennen. "Die ältere Generation bringt ein großes Stück Weisheit mit", sagte Mayer-Dölle. Ihr liegt das Thema Demographie, das gesellschaftlich am Puls der Zeit sei, auch im Sinne der Sozialentwicklung am Herzen, da es hier um "generationsübergreifendes Leben" gehe.
 
Wie sich die verschiedenen Generationen entwickeln und welche Prognosen es für die Zukunft gibt, erläuterte Dr. Reiner Klingholz, Referent des Eröffnungstages. Klingholz ist Leiter des Berlin Instituts für Bevölkerung und Entwicklung und als solcher ein ausgewiesener Spezialist in Sachen Demographie. Unter dem Titel "Die demographische Lage der Nation. Wie zukunftsfähig sind Deutschlands Regionen?" beschrieb Klingholz zunächst seine Arbeit ganz simpel mit drei großen Parametern: Leben, Sterben, Umziehen. Der Experte erklärte den knapp 700 interessierten Zuhörern im Hörsaal anhand einiger Grafiken die Bevölkerungssituation in Deutschland. Der kontinuierliche Geburtenrückgang seit den 1970er Jahren sei die Hauptursache der so genannten Überalterung der Gesellschaft. Heute kommen statistisch gesehen 1,4 Kinder pro Frau zur Welt. "Jede Kindergeneration ist somit um ein Drittel kleiner als die Elterngeneration", fügte Klingholz hinzu. Bis zum Jahr 2050 werde Deutschland um insgesamt acht Millionen Menschen schrumpfen. "Dass in Zukunft jeder Achte über 80 Jahre alt sein wird, hat mich geschockt", bemerkte Klingholz in seinem Vortrag. Die jetzige Generation der Senioren, die man besser als "Golden Agers" (zu deutsch: die "golden" Alternden) bezeichne, habe es noch vergleichsweise gut, was die Renten angeht. "In Zukunft werden die wenigen jungen Menschen mehr leisten müssen", so der Ausblick des Berliner Referenten. Auf diese Veränderungen müsse man sich jetzt schon einstellen.
 




Erscheinungsdatum: Dienstag 11.03.2008

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