Thema der Region

Schurr steht vor Amtsenthebung
Kammer will Schaden vom Handwerk abwenden - Präsident beharrt auf Rechtfertigung

Die Handwerkskammer Ulm will den angeschlagenen Präsidenten Horst Schurr vollends zum Aufgeben bewegen. Schurr selbst weigert sich.

FRANK KÖNIG

Ulm  So etwas hat es in der Geschichte der im Jahr 1900 gegründeten Handwerkskammer Ulm noch nicht gegeben: Der Kammervorstand, der vor allem aus den Kreishandwerksmeistern besteht, wird der Vollversammlung am 26. November die Abwahl von Präsident Horst Schurr (67) vorschlagen, falls dieser bis zum 31. Oktober nicht von sich aus das Handtuch wirft.
 
Schurr war wegen seiner Beteiligung an der Insolvenz des Autohauses Heilig in Aalen in die Kritik geraten. Er hatte auch versucht, die Altersgrenze von 65 Jahren für das Präsidentenamt aufheben zu lassen und sich als Dienstwagen eine Luxuslimousine der S-Klasse genehmigen lassen. Er ließ sein Amt bereits seit August ruhen (wir berichteten).
 
Der Vorstand hat Schurr nun gestern im Rahmen einer regulären Sitzung einstimmig - also mit den Stimmen der Arbeitnehmer- aufgefordert, die Amtsführung nicht wieder aufzunehmen, sondern bis zum Ende seiner zweiten fünfjährigen Amtsperiode 2009 weiter ruhen zu lassen. Falls Schurr sich dazu nicht bis 31. Oktober bereit erklärt, wird der Vorstand in der Vollversammlung den "Antrag auf Widerruf der Bestellung des Präsidenten" stellen, wie es in einer Mitteilung der Handwerkskammer heißt. Dabei handelt es sich im Grunde um ein Amtsenthebungsverfahren, bestätigten Vizepräsident Wilhelm Stotz und Hauptgeschäftsführer Hermann Stangier.
 
Stotz betonte, der Vorstand, der gestern ohne Schurr tagte, habe dem Präsidenten noch während der Sitzung die Chance gegeben, per Fax sein schriftliches Einverständnis zu dem Vorschlag des Vorstands zu erklären. Schurr beharre aber darauf, in der Vollversammlung am 26. November eine persönliche Erklärung abzugeben. Im August hieß es noch, der Präsident wolle die Vertrauensfrage stellen und bei einem entsprechenden Votum der 39-köpfigen Vollversammlung seine Amtsführung wieder aufleben lassen.
 
Stotz und Stangier berichteten, Schurr habe sich mit dem Insolvenzverwalter des Autohauses Heilig geeinigt, es bleibe aber unklar, ob es einen Vergleich mit dem Eingeständnis einer Teilschuld gebe. Dies sei den 17 000 Mitgliedsbetrieben zwischen Ostalb und Bodensee nicht länger zu vermitteln. Aus Sicht Stangiers geht es nun darum, weiteren Schaden von der Kammer abzuwenden - sowie von den Mitarbeitern, die wegen des Präsidenten stark in der Kritik stünden. Auf Beitragszahlungen werde teils handschriftlich vermerkt: "zur Fortsetzung der Feudalherrschaft in der Kammer".
 
Die Ulmer Kammer habe sich vor diesem Hintergrund auch entschlossen, das S-Klasse-Fahrzeug in eine C-Klasse umzutauschen, obwohl die Leasingrate nicht wesentlich niedriger sei. Stotz sagte, selbst engagierte Ehrenamtsträger müssten erkennen, dass sie nur auf Zeit gewählt seien, und loslassen können.
 
Horst Schurr erklärte gestern, von der Insolvenz bleibe nichts an ihm hängen. Er wolle sich in der Vollversammlung "anständig verabschieden", es aber nicht zu einer Abwahl kommen lassen: "Ich muss mir das alles noch überlegen."
 

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Erscheinungsdatum: Mittwoch 15.10.2008

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