Schatzsucher entmüllen Bundesfestung
70 Geo-Cacher kamen von weit her nach Ulm: Nicht etwa, um per GPS Schätze zu suchen, sondern um die Bundesfestung zu entmüllen.
CAROLIN STÜWE
Ulm Erst mal zur Erklärung: Geocaching von "geo" (Erde) und englisch "cache" (geheimes Lager) ist eine Art elektronische Schatzsuche. Die Verstecke, die "Geocaches" oder kurz "Caches", werden anhand geographischer Koordinaten im Internet veröffentlicht und können dann vor Ort mit Hilfe eines GPS-Empfängers gesucht werden. Ein Geocache ist in der Regel ein wasserdichter Behälter, in dem sich ein Logbuch sowie verschiedene Tauschgegenstände wie kleines Spielzeug für Kinder befinden. Jeder Besucher trägt sich ins Logbuch ein, um seine erfolgreiche Suche zu dokumentieren. Dann wird der Geocache wieder an der Stelle versteckt, an der er zuvor gefunden wurde.
"GE?OK????]Nun zu Ulm: Viele Geocacher haben kürzlich einen ganz anderen Hinweis auf ihrer Internetseite gefunden: "Bisher wurde die Bundesfestung von uns meist nur zum Dosensuchen gestürmt; dieses Mal jedoch wollen wir aktiven Denkmalschutz betreiben." Und so kamen 70 Männer, Frauen und Kinder bis aus Nürnberg, Stuttgart und vom Bodensee am vergangenen Samstag in "Schmuddelklamotten" und mit Handschuhen und Stirnlampen ausgerüstet nach Ulm. Sie räumten in der Säntisstraße aus einem Pulvermagazin und in der Prittwitzstraße aus einem Geschützturm insgesamt 65 Kubikmeter Steinschutt und Sperrmüll, berichtet Matthias Burger, der Vorsitzende des Förderkreises Bundesfestung Ulm. Der Verein hat seit drei Jahren Kontakt zu den Ulmer Cachern, "weil uns das Interesse an geheimnisvollen alten Anlagen vereint". Tatsächlich laufen in den Ulmer Festungswerken bereits an die 50 Schatzsuchen. Was wiederum die Jäger freut, weil die Cacher dann dort beschäftigt sind und nicht in den Wäldern der Umgebung die Wildschweinjagd stören.
Zur Bundesfestung sagt der Ulmer Geocacher Kai Lemke voller Begeisterung: "Hier gibt es Perlen von alten Gemäuern." Und im Umkreis von fünf Kilometern rund ums Münster gebe es gar 350 geheime Lager mit den kleinen Dosen. Drei davon wurden - ungefragt - am Münster selbst versteckt. Die Steinmetze hätten die Dosen aber bald entdeckt. Böse sei niemand geworden, sagt Lemke. Im Gegenteil: Ein Steinmetz meldet jetzt sogar, wann im Geocache das Logbuch voll ist.
Erscheinungsdatum: Dienstag 24.03.2009
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