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Neue Synagoge am Weinhof
Stadt hält für jüdische Gemeinde Grundstück an historischem Ort vor

Die jüdische Gemeinde in Ulm bekommt eine Synagoge an historischem Standort: auf dem Weinhof. Die Stadt hält für den Bau nach einem gestrigen Beschluss ein Grundstück vor. 2011 könnte Baubeginn sein.

JAKOB RESCH

Ulm  "Es ist auch für uns ein bewegender Tag." Das hat Oberbürgermeister Ivo Gönner gestern nach einem einstimmigen Beschluss im Hauptausschuss gesagt, der eine vor kurzem noch unglaubliche Wendung in ein Bauvorhaben bringt: So hält die Stadt auf dem Weinhof ein Grundstück für den Bau einer Synagoge in Ulm vor. Es befindet sich gegenüber dem Standort der Synagoge, die 1938 von den Nationalsozialisten zerstört wurde (und wo heute die Sparkasse steht), dort, wo sich derzeit nebst Parkplätzen und Grünstreifen die Gedenkstele für die alte Synagoge befindet. Gönner: "Wir gehen einfach die Straße rüber."
 
Damit ist der Startschuss für den Neubau einer Synagoge mit jüdischem Gemeindezentrum gegeben, der zuletzt noch für ein Grundstück in der Wildstraße in der Neustadt erwartet worden war. Das Blatt hatte sich gewendet, als die Israelitische Religionsgemeinschaft Württemberg in Stuttgart als späterer Bauherr den Schwerpunkt im Gespräch klar auf die Synagoge gelegt hatte. Gönner: "Dafür ist der Bauplatz an der Wildstraße aber ungeeignet."
 
Martin Widerker vom Vorstand der Israelitischen Religionsgemeinschaft sagte gestern: "Durch diesen Beschluss hat man ein Zeichen gesetzt", er sei "ein Schlag ins Gesicht derjenigen, die aus der Geschichte nichts gelernt haben und Fremdenfeindlichkeit, Hass und Gewalt predigen". Die Ulmer Stadträte bestätigten ihm, dass das Vertrauen, das man in die deutsche Demokratie, in die Parteien "und einen großen Teil der Gesellschaft" gesetzt habe, gerechtfertigt sei. Auch Ministerpräsident Günther Oettinger habe wie zuletzt in Lörrach bei einem ähnlichen Bauvorhaben seine Unterstützung für das Projekt zugesagt.
 
Zum Finanzvolumen schwieg sich Widerker in Anbetracht der frühen Planungsphase aus. Jetzt wird zunächst ein Architektenwettbewerb ausgelobt, dazu werden sieben Büros eingeladen, die schon ähnliche Projekte verwirklicht haben. Im Herbst werden erste Ergebnisse vorliegen, Ende des Jahres der ausgewählte Entwurf, nach dem dann auch feststeht, wo das Baugrundstück genau liegt. Erst dann wird das Grundstücksgeschäft zwischen der Stadt als Eigentümer und der Religionsgemeinschaft tatsächlich abgewickelt. 2010 stehen dann archäologische Grabungen an, die an Untersuchungen Ende der 1950er-Jahre anknüpfen. Für 2011 könnte der Baubeginn ins Auge gefasst werden, so dass schon 2012 eine Einweihung denkbar wäre.
 
Städtebaulich ergibt sich damit am Weinhof auf alle Fälle nicht nur eine "interessante" (Gönner), sondern eine völlig neue Situation, da der Platz dort nie bebaut war. Baubürgermeister Alexander Wetzig: "Es würde auch keine Bebauung geben, wenn es keine Synagoge gäbe." Gleichzeitig erwartet sich Gönner mit Synagoge und Gemeindezentrum samt Schule dort wieder "religiöses und gesellschaftliches Leben wie einst". Ins Gemeindezentrum in der Neustadt kommen derzeit bis zu 70 Gottesdienstbesucher bei einigen hundert Gemeindemitgliedern aus Ulm und dem weiten Umkreis insgesamt, wie der Ulmer Rabbiner Shneur Trebnik gestern sagte.
 
Der finanzielle Beitrag der Stadt besteht zunächst in den Konditionen für den Grundstücksverkauf. Im weiteren kann die Religionsgemeinschaft keine Zuschüsse für ihre religiösen Räume erwarten, wohl aber fürs Gemeindezentrum.
 




Erscheinungsdatum: Mittwoch 06.05.2009

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