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Für Präsident Schurr wird es eng
Vorstand der Handwerkskammer Ulm tagt: Sogar ein Rücktritt ist nicht ausgeschlossen

Bei der Handwerkskammer Ulm fällt nächste Woche voraussichtlich eine Entscheidung über die Zukunft des angeschlagenen Kammerpräsidenten Horst Schurr. Dabei ist auch ein Rücktritt nicht ausgeschlossen.

FRANK KÖNIG

Ulm  Für den Präsidenten der Handwerkskammer Ulm, Horst Schurr (67), wird es zunehmend eng, nachdem er wegen Insolvenzverschleppung vor dem Landgericht Ellwangen steht (wir berichteten im Wirtschaftsteil). Der Vorstand der Kammer wird am Donnerstag, 31. Juli, bei einer Sitzung in Ulm über sein Schicksal entscheiden. Dabei ist ein Rücktritt Schurrs nicht ausgeschlossen. Es könnte auch sein, dass er sein Amt bis zum Prozess-Ende ruhen lässt. Die nächste Verhandlung ist für den 18. Dezember angesetzt.
 
Schurr ist ins Visier des Insolvenzverwalters des Aalener Autohauses Heilig geraten, bei dem er als einer von drei Geschäftsführern eingetragen war und das 2007 pleite ging. Bei der Verhandlung zeigte sich der Richter überrascht, dass Präsident Schurr nur als eine Art Scheingeschäftsführer fungierte. Sein Anwalt schloss aus, dass Schurr Vergleichszahlungen an den Insolvenzverwalter leisten könne, weil er nach Zahlung des Anwaltshonorars persönlich zahlungsunfähig sein werde.
 
Die Zeitungsberichte über den Prozess haben Christian Gnann und Siegfried Saier auf den Plan gerufen, die für den Raum Ulm in der Vollversammlung der Handwerkskammer sitzen. Sie wollen eine außerordentliche Versammlung einberufen, um "Schaden am Präsidentenamt zu vermeiden", wie es in einem Rundbrief an die 39 Vollversammlungsmitglieder heißt. Saier sagte, bei der Verhandlung sei der Eindruck entstanden, Horst Schurr sei nicht imstande, verantwortungsbewusst ein Unternehmen zu leiten: "Wie soll er da eine Handwerkskammer mit 17 000 Mitgliedsbetrieben führen?" Saier wies auch darauf hin, dass GmbH-Geschäftsführer in der Rechtsberatung der Handwerkskammer normalerweise auf ihre Pflichten hingewiesen werden. Er könne nicht verstehen, dass dies bei Schurr anscheinend nicht der Fall gewesen sei. Dies werfe auch Fragen hinsichtlich der von Hauptgeschäftsführer Hermann Stangier geführten Kammerverwaltung auf: "Stangier ist nicht unschuldig."
 
Stangier sagte gestern, er sei selbst an der Rechtsberatung des Kammerpräsidenten beteiligt gewesen. Man habe Horst Schurr über "Rechte, Gefahren und Pflichten" seiner Rolle beim Volvo-Autohaus Heilig informiert. Die Kammer habe aber die wirtschaftliche Lage des Betriebs nicht gekannt, wohingegen Schurr über Familienmitglieder im Betrieb sehr wohl über ein "Alarmsystem" verfügte. Man habe Schurr noch geraten, den Geschäftsführervertrag zu kündigen: "Aber da war es zu spät". Die Voraussetzungen Schurrs für das Präsidentenamt seien weiter gegeben: über den Eintrag in die Handwerksrolle mit einem - freilich inaktiven - Kfz- und Landmaschinenbetrieb in Neuler.
 
Der Hauptgeschäftsführer sagte, die außerordentliche Vollversammlung werde einberufen, wenn ein Viertel der Mitglieder dies will. Er wolle dafür sorgen, dass die Diskussion um das Präsidentenamt vor der Sommerpause erfolgt: "Wir sollten das schnell behandeln." Bereits bei der Vorstandssitzung nächste Woche werde es drei Beschlussvarianten geben: Schurr tritt zurück, er lässt sein Amt ruhen - ohne Bezüge - oder bleibt bis zum Ende seiner zweiten Amtsperiode 2009 im Amt.
 
In einer Sache sind Stangier und Saier sich jedenfalls einig: Es war taktisch äußerst unklug von Schurr, sich nach der Pleite des Volvo-Autohauses in Aalen noch auf Kammerkosten einen Luxusdienstwagen der Mercedes-S-Klasse zuzulegen. Stangier betonte gleichzeitig: "Man darf die Person nicht vernichten, dazu ist Horst Schurr zu anständig."
 
Eine Schlüsselrolle in der Vorstandssitzung am 31. Juli kommt nach Meinung informierter Kreise dem Ravensburger Vizepräsidenten Wilhelm Stotz zu. Stotz erklärte gestern, er wolle zwar den Gremien nicht vorgreifen, aber die Kammer befinde sich zweifelsohne in einer sehr schwierigen Lage. Er könne zumindest so viel sagen: "Die Kammer hat Handlungsbedarf." Stotz fügte dann noch hinzu: "dringenden Handlungsbedarf: Man kann das nicht liegen lassen." Für den Raum Ulm sitzt Kreishandwerksmeister Max Semler im Kammervorstand. Er hält es für wahrscheinlich, dass Schurr das Amt vorläufig ruhen lässt. Horst Schurr sagte gestern lediglich, er wolle dem Vorstand die Vorgänge rund um die Insolvenz noch einmal in Ruhe erklären.
 




Erscheinungsdatum: Donnerstag 24.07.2008

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