Die Handwerkskammer Ulm hat sich mit ihrem Präsidentenamt in eine katastrophale Lage hineinmanövriert. Horst Schurr fehlte bereits die Glaubwürdigkeit, weil er nur noch mit einem Firmenmantel in die Handwerksrolle eingetragen ist, der über kein operatives Geschäft mehr verfügt. Nun steht er wegen der Pleite eines Autohauses vor dem Landgericht, wo er ebenfalls keine aktive Rolle mehr spielte, aber vom Insolvenzverwalter in der Sache haftbar gemacht wird. Und Schurrs eigener Anwalt lässt durchblicken, sein Mandant werde nach Zahlung des Anwaltshonorars zahlungsunfähig sein.
Der Clou: Schurr hat sich in voller Kenntnis des Sachverhalts vergangenes Jahr von der Kammer noch eine Luxuslimousine der S-Klasse als Dienstwagen absegnen lassen. Und nun muss die Kammerverwaltung mit Hauptgeschäftsführer Hermann Stangier auch noch die Frage beantworten, warum sie mit ihrer Rechtsberatung nicht imstande war, den eigenen Präsidenten aus dem ganzen Schlamassel herauszuhalten. Es geht immerhin um eine Veranstaltung mit 17 000 Betrieben zwischen Ostalb und Bodensee.
Es sind vor allem solche Fälle von Großmannssucht, die den Kritikern der Kammern die besten Argumente gegen die Zwangsmitgliedschaft liefern. Auch das Wirtschaftsministerium darf sich fragen lassen, ob es seine Aufsichtsrolle überhaupt ernst nimmt. Mit dem Pflegen von Männerfreundschaften bei Delegationsreisen ist es nicht getan. FRANK KÖNIG