Schurr lässt Amt ruhen
Präsident der Handwerkskammer Ulm reagiert auf VorwürfeDer Präsident der Handwerkskammer Ulm, Horst Schurr, fügt sich dem Wunsch des Kammervorstands und lässt sein Amt vorläufig ruhen. Er stellt im November vor der Vollversammlung die Vertrauensfrage.
FRANK KÖNIG
Ulm Der Präsident der Handwerkskammer Ulm, Horst Schurr (67), lässt sein Amt nach Vorwürfen wegen Insolvenzverschleppung im Zusammenhang mit der Pleite eines Ford- und Volvo-Autohauses in Aalen vorläufig ruhen. Das teilte die Handwerkskammer gestern am frühen Abend nach einer rund vierstündigen Sitzung des neunköpfigen Kammervorstands mit.
Der Vorstand habe dem Präsidenten einstimmig empfohlen, das Amt ruhen zu lassen, "um politischen Schaden vom Handwerk und der Handwerkskammer Ulm fernzuhalten", heißt es in einem Pressetext. Schurr enthielt sich als Betroffener, fügte sich jedoch der Empfehlung.
Der Präsident will dann bei der nächsten Sitzung der Vollversammlung der Handwerkskammer Ulm am 26. November die Vertrauensfrage stellen. Pressesprecher Arnold Kleine sagte, er könne sich vorstellen, dass Schurr im Falle eines negativen Abstimmungsergebnisses im 39-köpfigen Kammerparlament zurücktritt. Seine zweite fünfjährige Amtszeit läuft ansonsten regulär im Sommer 2009 aus. Eine Wiederwahl ist nicht mehr möglich, nachdem Schurr mit seiner Absicht scheiterte, die Altersgrenze für den Präsidenten von 65 Jahren abzuschaffen.
Mit dem Amt ruhen auch die Bezüge Schurrs, die von informierten Kreisen auf etwa 3000 Euro monatlich plus Spesen geschätzt werden. In der Zeit, in der Horst Schurr auf die Ausübung des Präsidentenamts verzichtet, steht Vizepräsident Wilhelm Stotz (68) aus Ravensburg an der Spitze der Kammer.
Was den Ausgang der Abstimmung über die Vertrauensfrage anbelangt, darf schon spekuliert werden. Fest steht, dass die Ulmer Vollversammlungsmitglieder Siegfried Saier und Christian Gnann nicht das nötige Quorum von zehn Stimmen zusammenbekamen, um eine außerordentliche Versammlung einzuberufen, die sofort über die Zukunft Schurrs entscheiden sollte. Es gibt die Ansicht, dass die Männerfreundschaften im Handwerk weiter funktionieren und viele Vollversammlungsmitglieder sich schlicht nicht trauen, ihren angeschlagenen Präsidenten in die Wüste zu schicken. Zumal Schurr nach außen hin über eine joviale Art verfügt. Im Pressetext der Kammer heißt es: "Der Vorstand bescheinigt dem Präsidenten persönliche Integrität."
Die Vollversammlung geht vor dem nächsten Prozesstermin am Landgericht Ellwangen am 18. Dezember über die Bühne. Schurr hat indessen in einem Brief vom 25. Juli an alle Vollversammlungsmitglieder schon einmal klar gemacht, dass der Prozess ihn aus seiner Sicht "nicht im Geringsten in meiner Amtsführung beeinträchtigt".
Erscheinungsdatum: Freitag 01.08.2008
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