Schießzentrum im Visier
Müller will seine Anlage in Jungingen deutlich ausbauenIm Industriegebiet Jungingen soll eine exklusive Schießanlage mit Waffenshop und Tagungszentrum entstehen. Reinhard Müller plant auf der Ulmer Alb zudem eine Halle zum Tontaubenschießen.
HANS-ULI MAYER
Ulm In dem kleinen Industriegebiet Ulm-Jungingen entsteht ein großes Waffen- und Schießzentrum. Und zwar in doppelter Hinsicht. Zum einen ist erst vor kurzem das bereits seit einigen Jahren ansässige staatliche Beschussamt erweitert worden, jetzt hat Reinhard Müller die Vergrößerung seines vor etwa zwei Jahren eröffneten exclusiven Schießzentrums im Visier.
Gegenüber der SÜDWEST PRESSE wollte der Sohn des Drogeriemarktkönigs Erwin Müller sein Vorhaben trotz mehrfacher Anfragen nicht erläutern. Nach Informationen dieser Zeitung soll die überwiegend unterirdisch gelegene Schießanlage mit einem Millionenaufwand erweitert und zu einem der größten Zentren in ganz Süddeutschland ausgebaut werden.
Von der Stuttgarter Straße her sieht man schon die Bagger stehen. Die ehemalige Raststätte Ulmer Alb ist bereits abgebrochen. Dort wo Fernfahrer früher ihre Mittagspausen oder Ruhezeiten eingelegt haben, türmen sich Kieshaufen. In der Mitte des Areals ist mit einer Teilgenehmigung der Stadt ein alter Infanteriestützpunkt freigelegt worden, um dessen Abriss es allerdings noch Diskussionsbedarf gibt.
So baufällig die Anfang des vergangenen Jahrhunderts entstandene Anlage sein mag, der Förderkreis Bundesfestung will sie nicht ohne Widerstand preisgeben. Das für 250 Mann Besatzung ausgelegte Gemäuer sei ein wichtiger Beleg des Festungsbaus und nahezu einmalig in der Bundesrepublik, schreibt der erste Vorsitzende des Förderkreises, Matthias Burger. Auch wenn der Zustand "ruinös" sei, gelte es, das Gemäuer zu erhalten - zumindest die darunter liegende Brunnenanlage.
Noch steht die Entscheidung des Denkmalschutzes aus, ob die Anlage unter Schutz gestellt wird oder nicht. Bei der Stadt werden derweil schon eifrig die eingereichten Baupläne für das Schießzentrum geprüft. Demnach sollen die jetzigen fünf Schießplätze für Sportschützen und Jäger ausgebaut, vor allem aber der unter der Erde verlaufende Schießkanal von derzeit 100 auf dann 300 Meter verlängert werden. Zudem soll oberirdisch eine knapp 3500 Quadratmeter große und 22 Meter hohe Halle zum Tontaubenschießen entstehen.
Müller hat das Schießzentrum vor etwa zwei Jahren eröffnet und es für Jäger, Sportschützen, Personenschützer, die Polizei und Sondereinheiten der Wachdienste angelegt. Grundsätzlich ist der Schießstand öffentlich zugänglich - es darf schießen wer will, auch ohne waffenrechtliche Genehmigung und ohne den Besitz eigener Waffen.
Wie auf der Homepage des Zentrums (Müller Schieß Zentrum Ulm, MSZU) zu erfahren ist, können dort jederzeit Schusswaffen ausgeliehen werden - oder sogar gekauft, denn neben einer exclusiven Cafébar mit Restaurantbetrieb ist auch ein Waffen-Store eingerichtet, in dem es neben Waffen und Munition allerlei Zubehör zu kaufen gibt. Nach Angaben von Markus Csulits von der Bauverwaltung der Stadt sucht die Anlage ihresgleichen in ganz Süddeutschland.
Rainer Türke von den städtischen Bürgerdiensten bestätigt derweil, dass Müller alle notwendigen Sicherheits-Maßnahmen ergriffen hat. Sowohl die Ulmer Polizeidirektion als auch das Landeskriminalamt seien in das Genehmigungsverfahren einbezogen gewesen und wüssten genau Bescheid über den Waffen- und Munitionsbestand. "Müller hat alle waffenrechtlichen Genehmigungen", sagt Türke, nach dessen Informationen Müller den Waffenhandel noch weiter ausbauen will, der im Vergleich zu den Ulmer Waffengeschäften jetzt schon "sehr groß" sei. Konkrete Anträge dazu habe Müller zwar noch nicht gestellt, bei der Stadt rechnet man aber täglich mit dem Eingang.
Erscheinungsdatum: Mittwoch 20.08.2008
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