Der Bordellkönig besucht sein Reich
Adoptierter Prinz macht Station in Ulm

Er hat mit Bordellen Millionen gemacht und bereichert jetzt jedes Boulevard-Magazin im Fernsehen. Derzeit ist Prinz Marcus von Anhalt geschäftlich in Ulm.

CHIRIN KOLB

Ulm/Neu-Ulm  Ihn eine schillernde Figur zu nennen, wäre untertrieben. Er ist vor 41 Jahren in Pforzheim geboren, ist gelernter Metzger und hat sich früh geschworen: Mit 24 bin ich Millionär. Das hat nicht ganz geklappt, "ich habe etwas versagt", meint er, denn die erste Million habe er erst mit 25 auf dem Konto gehabt. Sein Vermögen hat er mit käuflichem Sex gemacht, in den Medien ist er als "Deutschlands Bordellkönig" bekannt. Gegen ihn wurde mehrfach ermittelt, unter anderem wegen Menschenhandel und Steuerhinterziehung; 22 Monate saß er im Gefängnis. Weil er sich schon immer von anderen unterscheiden wollte, auch von anderen Millionären, ließ er sich vor knapp drei Jahren von Frédéric von Anhalt, Zsa Zsa Gabors Mann, adoptieren. Marcus Eberhardt heißt seither Prinz Marcus von Anhalt.
 
Der Mann in Jeans, Hilfiger-T-Shirt und beige-güner Strickjacke mit Flusen an den Ärmeln stellt sich schlicht als "Anhalt" vor. Auf die Anrede "Königliche Hoheit" legt er keinen Wert. Seinen Kaffee hätte er gern mit Milch und Zucker, "wenns möglich ist". Das Auffälligste an ihm sind zwei Reihen blendend weißer, ebenmäßiger Zähne. Wie sagt er selbst? "Lieber falsch und gut als echt und schlecht." Dieser Satz passt auch zu Prinz Marcus Traumfrau Pamela Anderson, mit der er im Sommer werbeträchtig an der Côte dAzur unterwegs war - der "Spiegel" widmete beiden eine fünfseitige, reich bebilderte Geschichte.
 
Derzeit ist Anhalt, der hauptsächlich in Los Angeles und St. Gallen lebt, in Ulm. Morgen eröffnet er in der Neu-Ulmer Zeppelinstraße seinen "FKK Safari Club". Dessen Angebote beschreibt er so: "Wie das Atlantis, nur ein bisschen kleiner." Wobei es zum städtischen Freizeitbad ein paar nicht unwesentliche Unterschiede gibt. Vor allem: die Prostituierten. Sie müssen wie die anderen Gäste 30 Euro Eintritt bezahlen, und wer mehr will als Sauna und Solarium, kann sich mit ihnen in eines der 16 Zimmer zurückziehen. Prinz Marcus, wie er genannt werden will, vermietet die Zimmer, die Prostituierten arbeiten selbstständig.
 
Nach ähnlichem Prinzip betreibt er im selben Haus bereits ein Bordell mit 18 Zimmern und in der Blaubeurer Straße eines mit 49, direkt neben seiner Table-Dance-Bar. Insgesamt, sagt er, hat er 23 Bordelle in Deutschland. In sein neues Neu-Ulmer Etablissement habe er 750 000 Euro investiert, "allein in den Innenausbau", betont er. Denn das Haus gehört ihm schon seit sechs Jahren. Dort arbeitete auch die Prostituierte, die Anfang Dezember 2007 in einem Neu-Ulmer Hotel von ihrem Geliebten umgebracht worden war (wir berichteten).
 
Dafür kann Prinz Marcus nichts. Er hat aber auch Erfahrung mit der Justiz, über die er freimütig erzählt. Wie die Geschichte, als sein Anwalt mit Richter und Staatsanwalt verhandelte - "es ging zu wie auf dem Bagdader Markt". Am Ende einigte man sich darauf, dass Anhalt, damals noch Eberhardt, eine sechsstellige Summe zahlen sollte und ein freier Mann sein würde. "Ich hab zu meiner Frau gesagt: Geh mal Geld holen", erzählt er. Drei Stunden später sei sie im Gericht aufgetaucht mit einer Tasche voll Geldscheinen.
 
Die Frau hat er nicht mehr. Eine allein sei ihm ohnehin zu wenig. Das Wichtigste an einer Frau, sagt er, sei die Oberweite, und was er an ihnen nicht mag, ist Widerspruch. Der Ex-Zuhälter will mit solchen Sätzen keine Klischees bedienen - er sei nur ehrlich. Ehrlichkeit sei wichtig, ebenso wie Fleiß. Immerhin habe er sich alles hart erarbeitet. Ob Prinz Marcus überhaupt noch einen Überblick über sein Reich hat? Seine Angestellten schätzt er auf etwa 300, seine Autos auf "26 oder 27". Nach Ulm hat er sich in einem 409 000 Euro teuren Maybach chauffieren lassen. Wie viel Geld er im Monat ausgibt, weiß er angeblich nicht, "das ist mir auch wurscht". Die Finanz- und Wirtschaftskrise handelt er in einem einzigen Satz ab: "Die geht mir am Arsch vorbei."
 
Info
 
Radio Donau 3 FM sendet heute in der Morningshow (5 bis 10 Uhr) ein Gespräch mit Prinz Marcus von Anhalt.
 

 




Erscheinungsdatum: Mittwoch 19.11.2008

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