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Artenforschung unter Nachtschwärmern

Die Eiseskälte hat die Narren am Weiberfaschingsabend zum Feiern in die Lokale getrieben - und später ins warme Nest.

S. BAYER, J. MILLER, R. TODORAN

Ulm  Bei Temperaturen von etwa minus 7 Grad - gefühlt minus 20 - ziehen sogar Eisbären in wärmere Gefilde. Zumindest die, die sich in der Nacht zum Freitag in den Kneipen im Fischerviertel mit Hühnern, Drachen und Feen zusammengefunden haben.
 
Am "Gompigen Donnerstag" waren die Kneipen - trotz vier bis fünf Euro Eintritt - frühzeitig zum Bersten voll, während sich die Straßen zunehmend leerten. Bereits um kurz nach zehn Uhr abends ging in jenen Lokalen, in denen zum Fasching ohnehin viel los ist, nichts mehr. "Einlassstop! Wir sind voll!", sagten die breitschultrigen Türsteher. Dennoch tanzte sich die Menge zu den einschlägigen Faschingshits drinnen und draußen die Füße warm.
 
Die Gastwirte waren aber auf den Ansturm vorbereitet: Einrichtung raus, Narren rein. "Das haben wir nur gemacht, um mehr Platz zu schaffen. Randale erwarten wir keine", erzählt Karin Schumann, Wirtin der Krone, die dieses Jahr zum ersten Mal die Lokaltür für die Narren öffnete. Zweiter Neuling auf der Ulmer Feiermeile war der Ratskeller, der es nicht komplett schaffte, seine weitläufigen Räumlichkeiten mit Publikum zu füllen. Dennoch: Der guten Stimmung tat das keinen Abbruch.
 
Die Feiernden, verkleidet oder in zivil, verbrachten den Abend überwiegend friedlich. Das vermeldeten die Ordnungshüter. "Auf den Straßen war es wegen der Kälte verhältnismäßig ruhig", sagte Reiner Durst von der Polizei Ulm über die Faschingsnacht.
 
Für die meisten brachte der Altweiberfasching das, was sie erwartet hatten: Tanzen, Trinken, durch die Kneipen ziehen und neue Bekanntschaften. Eine Piratin auf Männerfang beschrieb es so: "Die Stimmung ist super! Da ist für jeden was dabei." Ihren Namen wollte sie jedoch nicht in der Zeitung lesen. Dieses Phänomen war artenübergreifend - Anonymität wurde groß geschrieben.
 
Erst in den frühen Morgenstunden kehrten dann die letzten Faschingsfans ins warme Nest zurück - Schlümpfe, Bienen und Katzen in teilweise widernatürlichen Paarungen. Wer weiß: Vielleicht gibt es im nächsten Jahr blaue Bienen oder gelb-schwarze Schlümpfe.
 




Erscheinungsdatum: Samstag 21.02.2009

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