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ZU "DER BAUERNAUFSTAND ZU ULM", 14. SEPTEMBER
Auch ein Aufstand der Nachdenklichen
Diese große Kundgebung auf dem Münsterplatz war nicht nur ein "Bauernaufstand", sondern der Aufstand vieler nachdenklicher Menschen, die begriffen haben, was nicht nur der Landwirtschaft, sondern dem Naturzusammenhang insgesamt bevorsteht, wenn der genetischen Manipulation von (Nutz-)Pflanzen und (Nutz-)Tieren Tür und Tor geöffnet wird - auch durch politisch Verantwortliche wie Frau Schavan.
 
Wir Kritiker der "grünen Gentechnik" sind nicht forschungs- und technikfeindlich, wie Frau Schavan suggerierte, sondern wir sind für eine Forschung und Technik, die die Würde des Lebendigen achtet, Naturzusammenhänge respektiert und die ihre eigenen Grenzen kennt.
 
Der Größenwahn der Atomtechnik hat uns den Atommüll beschert, der Zehntausende von Jahren die Biosphäre belasten und gefährden wird. Das kann kein Mensch verantworten, und die Forschung hätte das wissen müssen.
 
Mit der grünen Gentechnik ist die Menschheit erneut dabei, eine Technik zu etablieren, die sich unvermeidlich menschlicher Kontrolle und damit menschlicher Verantwortung entzieht - und die wir nicht brauchen.
 
Dieses Zukunftsthema und die Bedeutung der bundesweit beachteten Veranstaltung auf dem Münsterplatz, auch das bewundernswerte ehrenamtliche Engagement der Ulmer Organisatoren hätten eine ernsthaftere und sachkundigere Würdigung verdient als den oberflächlichen und teilweise ironischen Bericht des Herrn Ruschitzka. Die Bauern als unmittelbar Betroffene haben sehr wohl verstanden, in welche (noch größere) Abhängigkeit von den Agrarmultis Monsanto, BASF usw. sie mit der "grünen Gentechnik" kommen und was mit ihren Ackerböden und den bewährten Nutzpflanzen geschieht. Saatgut und Gene von Nutztieren werden patentiert.
 
Ein Nebeneinander natürlicher und genmanipulierter Pflanzen ist ausgeschlossen, weil Pollen durch den Wind und die kilometerweiten Flüge von Bienen weiträumig verteilt werden. Was einmal im Naturkreislauf ist, entzieht sich der Kontrolle, ist nicht rückholbar.
 
Das alles kann man wissen, aber Frau Schavan mutmaßt, die Verbraucher hätten in zehn Jahren "die freie Wahl" zwischen Bioprodukten und gentechnisch veränderten Lebensmitteln, dabei ist es schon heute kaum mehr möglich, gentechnikfreie Lebensmittel zu garantieren. Und die Welternährung und Verknappung von Anbauflächen? Die Inderin Dr. Vandana Shiva, promovierte Quantenphysikerin und Umweltschützerin, mit dem Global-500-Award der Vereinten Nationen ausgezeichnet, meint dazu: "Der Hunger kommt in den Ländern des Südens ausgerechnet in bäuerlichen Gegenden vermehrt vor.
 
Die Ursachen liegen in der Abhängigkeit von Saatgut, Düngemitteln und Pestiziden, die die Agroindustrie ihnen für teures Geld verkauft. Dies führt nicht nur zu Hunger, sondern auch zur Zerstörung der Natur." Und zur Gentechnik: "In Wahrheit dient sie nur dem Geschäft von Nahrungsmittelkonzernen wie Monsanto und Nestlé. Gentechnisch veränderte Nutzpflanzen verbessern nirgendwo in der Welt die Ernten der Bauern.
 
Man fragt sich, weshalb Frau Schavan diese Zusammenhänge konsequent ignoriert oder verschweigt. Der Eindruck drängt sich auf, dass Frau Schavan unter dem Einfluss der Saatgutlobby die Konsequenzen solcher Manipulationen an den Wurzeln des Lebens und damit das Wohl der Menschen und der Natur aus dem Blick verloren hat.
 
HEINZ STADELMANN, ULM
 




Erscheinungsdatum: Samstag 19.09.2009

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