Combinos auf der Böfinger SteigeStraßenbahn mit Stahlplatten auf Testfahrt
Wie nimmt die Straßenbahn die Böfinger Steige? Und, wichtiger noch: Wie lang ist ihr Bremsweg bei der Fahrt hinunter? Dies wird zurzeit getestet. Am Freitag ist die erste Fahrt für Stadträte angesetzt.
Jürgen Buchta
Ulm Die Böfinger Steige ist eine der steilsten Straßenbahnstrecken Deutschlands. Von 21. März an sollen die Combinos die Steige im Zehnminutentakt hinauf- und hinunter fahren. An jenem Tag wird die neue 4,7 Kilometer lange Trambahnlinie zwischen der Donauhalle und dem Böfinger Ostpreußenweg offiziell in Betrieb genommen.
Zurzeit testen Mitarbeiter der Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm (SWU) gemeinsam mit Ingenieuren des Combino-Herstellers Siemens, wie die Straßenbahnen diese Steigung nehmen. Die zentrale Frage dabei ist, ob sie auch oberhalb des Hohen Stegs, wo die Trasse 300 Meter lang im engen Bogen verläuft und mit 7,6 Prozent besonders steil ist, vollbeladen problemlos angehalten werden können.
„Der Test-Combino wurde zunächst mit 12 Tonnen Stahlplatten beladen“, berichtet Jürgen Späth von der Instandhaltung der SWU-Schienenfahrzeuge, der die Testfahrten federführend betreut. Diese von Siemens in acht Containern gelieferten jeweils 25 Kilogramm schweren Platten wurden so in der Straßenbahn verteilt, dass sie dem Gewicht von etwa 160 Fahrgästen entsprechen. Nachdem aber maximal etwa 175 Passagiere in einen Tramwagen passen, werden zusätzliche Belastungsfahrten angesetzt. Dazu wird der Test-Combino mit 18 Tonnen Stahl beschwert.
Gebremst wird die Tram üblicherweise mit dem Motor, der in dieser Situation als Generator wirkt. Zusätzlich verfügt jeder Combino über sechs Elektromagneten. Die befinden sich am Boden etwa einen Zentimeter oberhalb der Gleisstränge. Werden sie geschaltet, so „saugt sich der Wagen quasi an den Schienen fest“, erläutert Späth.
Doch auch bei totalem Stromausfall muss die Bahn schnell zum Stehen kommen. „Auch das erproben wir“, berichtet der SWU-Mann weiter. Dies geschieht mittels mechanisch arbeitenden Scheibenbremsen, die starke Federpakete auslösen.
Den einen Tag hat der Combino 20 Kilometer zurückgelegt. Den folgenden 60 Kilometer. Bislang seien keine Probleme aufgetreten. Deshalb gehe es auch vor allem darum, die in den Combinos eingesetzte Software auf die Testergebnisse abzustimmen, berichtet Späth. Das, was mit der einen Test-Tram ermittelt wird, werde auf alle zehn Ulmer Combinos übertragen.
Die Bauarbeiten für die Straßenbahn nach Böfingen starteten im August 2007. Als erstes wurden Kanäle und Telekommunikationsleitungen von der einen auf die andere Straßenseite verlegt. Der Gleisbau selbst begann im November. Das erste 25 Meter lange Schienenstück unterhalb des Hohen Stegs wurde Mitte Dezember 2007, das letzte Anfang Oktober vergangenen Jahres verlegt. Im November konnten dann die Testfahrten starten.
Die Gesamtkosten für das Projekt sind auf 20,5 Millionen Euro veranschlagt, davon bleiben 7,5 Millionen an der Stadt Ulm hängen. Nach der Inbetriebnahme dieses Teilabschnitts in zwei Monaten wird die Ulmer Straßenbahnlinie fast doppelt so lang sein wie heute: 10 Kilometer gegenüber 5,5 Kilometer. Dann werden 50 000 Menschen im Einzugsbereich der Gleise leben.
Inzwischen plant die Stadt, eine weitere Straßenbahntrasse vom Schulzentrum auf dem Kuhberg über den Hauptbahnhof bis zur heutigen Baustelle der Chirurgie und zum Science-Park zu bauen.
Erscheinungsdatum: Donnerstag 22.01.2009 19:10 Uhr
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