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STRASSENBAHN / Verlängerung nach Böfingen nimmt die letzte Hürde"Die Frontstellung überwunden"
Oberbürgermeister Ivo Gönner spricht von Meilenstein in der Stadtentwicklung - Weitere Linien im VisierDie beiden neuen Combino-Straßenbahnwagen sind bestellt. Nach dem Beschluss des Ulmer Gemeinderats am Mittwochabend für den Ausbau der Straßenbahnlinie nach Böfingen ging die Order an Siemens raus. Über mögliche weitere Linien wird bereits diskutiert.
WILLI BÖHMER
Der Gemeinderat war sich weitgehend einig. Mit nur einer Enthaltung, durch die CDU-Stadträtin Dr. Karin Graf, und ohne erneute Diskussion gab er am späten Mittwochabend den Weg für den Ausbau der Straßenbahnlinie nach Böfingen frei.
"Das ist ein Meilenstein in der Stadtentwicklung", kommentierte Oberbürgermeister Ivo Gönner gestern die Entscheidung. Durch den Beschluss werde die Frontstellung überwunden, die vor knapp acht Jahren durch den Bürgerentscheid gegen das Fünf-Linien-Konzept der Straßenbahn entstanden war. Wenn erst einmal die modernen Combinos von Söflingen bis Böfingen rollen, werde das Rückenwind auch für weitere neue Linien geben. So ähnlich wie nach der Inbetriebnahme der neuen Fahrzeuge auf der kurzen Strecke zwischen Söflingen und Messe. Damals wandelte sich die Stimmung, aus Bedenkenträgern wurden Befürworter, und am Schluss erwärmte sich sogar die Ulmer CDU, bis dahin militanter Gegner des Ausbaus, für die Böfingen-Route.
An weiteren Straßenbahnvisionen fehlt es im Ulmer Rathaus nicht. Es gebe für den Eselsberg Bedarf, der noch zunimmt, wenn die Chirurgie erst steht. Man könne jetzt auch wieder in Richtung Neu-Ulm, Wiley und Ludwigsfeld denken, sagt Gönner. Und man überlege sich auch, ob nicht noch eine Zweiglinie vom Knotenpunkt Ehinger Tor zum Schulzentrum Kuhberg möglich ist. Selbstverständlich nicht alles auf einmal. Die Schiene ist in Ulm wieder hoffähig.
50 000 Ulmer am Strang
Jetzt aber geht es erst um die Verlängerung der bislang einzigen Ulmer Straßenbahnlinie bis Böfingen. Durch den Ausbau wird sie fast verdoppelt, von 5,5 auf 10 Kilometer Länge. Beinahe 50 000 Einwohner sind dann an den Schienenstrang angeschlossen, sagt Gönner.
Im August sollen die Bauarbeiten starten. "Wir wollen bis Ende 2008 fertig sein", sagte Ingo Wortmann, Chef des Stadtwerke-Tochtergesellschaft SWU-Verkehr. Die Bestellung für die beiden neuen Combino-Straßenbahnwagen hat er nach dem Beschluss des Gemeinderates sofort zwei Siemens-Mitarbeitern übergeben. Diese Straßenbahnen werden benötigt, um auf der längeren Strecke den Fahrtakt halten zu können.
Dass die Trasse die Böfinger Steige hinauf freigehalten wurde, erleichtere die Arbeiten erheblich. Trotzdem müssen sie abgraben, den Unterbau erstellen und verdichten, Gasleitungen der GVS verlegen, Schotter, Schienen und Schwellen aufbauen. Auf dem flachen Teil oben in Böfingen und parallel zum Messegelände sollen Rasengleise verlegt werden. Der nächste Schritt aber ist die europaweite Ausschreibung der Arbeiten.
Bereits heute werden weitere mögliche Linien von der SWU untersucht, berichtete Wortmann. Für den Eselsberg gebe es zunehmenden Bedarf an öffentlichem Nahverkehr, und schon zum Beginn des Sommersemesters muss dort der Busverkehr verdichtet werden. Auf den Kuhberg-Linien gebe es permanent Bedarf. Es könnte Sinn machen, auf beiden Strecken eine Straßenbahn zu planen. Bis Ende des Jahres will er Untersuchungsergebnisse vorliegen haben. Diese will wortmann, kombiniert mit Vorschlägen der SWU Verkehr, den Gremien vorlegen. Wenn diese zustimmen, könnten die Wirtschaftlichkeitsberechnungen folgen.
Erscheinungsdatum: Freitag 23.03.2007
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