ESSEN UND TRINKEN / Seit zwei Jahren bietet das Aran leckere Brotaufstriche anDas Stullen-Haus am Münsterplatz
Erfolgsrezept ist einfach: Gute Qualität der Speisen und Getränke sowie ein freundliches PersonalDespektierlich könnte man von belegten Stullen sprechen. Aber was das Haus Aran am nördlichen Münsterplatz in Ulm anbietet, ist weitaus mehr als Brot mit leckerem Aufstrich. Dahinter steckt die recht erfolgreiche Philosophie von Brotgenuss und Kaffeekult.
EDWIN RUSCHITZKA
Die Renner unter den Brotaufstrichen bei Aran sind Krabbensalat, Wild Curry mit Hähnchenfleisch und Rucola Frischkäse. Wer will, bekommt das stets frisch gebackene Brot aber auch einfach nur mit ganz normaler Butter bestrichen und auf Wunsch mit Schnittlauch bestreut. Vor zwei Jahren haben Stefan Sprinz und Stephanie Hoffmann als Franchising-Nehmer ihr Café am nördlichen Münsterplatz eröffnet. Die Idee, die Jürgen F. Baur 1999 im bayerischen Rosenheim hatte, findet seither immer mehr Anhänger, gerade im süddeutschen Raum: in einem rustikal und edel zugleich eingerichteten Café, dazu mit zur absoluten Freundlichkeit verpflichtetem Personal einfache, aber qualitativ hochwertige Kost anzubieten. Für den Ulmer Möbelhändler Sprinz (46) ist es ein zweites Standbein, für die gelernte Fernsehjournalistin Hoffmann (36) eine gute Gelegenheit, etwas in die Familienkasse beizusteuern. Zusammen haben sie rund 300 000 Euro fürs Ulmer Aran investiert. Nach zwei Jahren sind sie überaus zufrieden, auch wenn das schmale Aran am Nördlichen Münsterplatz zuweilen erst auf den zweiten Blick entdeckt wird und viele nicht wissen, dass es im rückwärtigen Teil noch einen Raum mit 24 Sitzplätzen gibt.
Der Spitzentag ist der Samstag, dann ist das Café proppenvoll. Da gehen auch rund 300 gestrichene Brote über den Tresen. Viele Gäste haben einen besonderen Dreh herausgefunden: nebenan in der meist übervollen Metzgerei Klaiber eine Nummer ziehen und die Wartezeit vor dem Wurst- und Fleischeinkauf bei Aran verbringen. Vielleicht nur mit einem Kaffee, vielleicht aber auch mit einem vegetarischen Brotaufstrich.
Diese sind eindeutig in der Mehrzahl unter den rund 20 verschiedenen Aufstrichen. Die meisten gibt es ständig, einige aber auch nur saisonal wie beispielsweise mit Steinpilzen, Bärlauch und Kürbis. Die Aufstriche werden dreimal die Woche von einem Feinkost-Produzent aus München angeliefert. Den Namen will Stefan Sprinz nicht nennen. Alle Aran-Lieferanten seien prinzipiell ein Geschäftsgeheimnis. Die Rezeptur wird natürlich auch nicht preisgegeben. Das wirklich überaus schmackhafte Brot stammt aus einer Bäckerei am Bodensee, die auch Aran-Cafés in Konstanz, Friedrichshafen und Ravensburg beliefert. Nur die Kuchen werden von einer Ulmer Konditorei gefertigt. "Wer Franchising-Nehmer bei Aran werden will, muss sich dazu verpflichten, die Aufstriche aus München zu beziehen und die Kaffeesorten aus einer Rösterei im italienischen Florenz", sagen Sprinz und Hoffmann. Nur bei der Wahl der Bäckerei und der Konditorei lasse einem das Stammunternehmen freie Wahl. Hierzulande einen geeigneten Hersteller zu finden, so sagen beide, sei aber nicht einfach gewesen. Es müsse ein spezielles und qualitativ hochwertiges Brot sein: ohne künstliche Zusatzstoffe, aus Natursauerteig und im Holzofen gebacken. Und die Bäckerei müsse garantieren, das ganze Jahr über liefern zu können. Genau daran sei letztendlich die Suche nach einem geeigneten Betrieb im Raum Ulm/Neu-Ulm gescheitert.
Probleme mit der Stadt
Die Preisspanne bei den "Stullen" reicht von 1,50 Euro fürs Butterbrot bis 4,80 Euro für den Krabbensalat beispielsweise aufs Brot mit ganzen Sonnenblumenkernen. Wer will kann auch verschiedene Marmeladen-Sorten auswählen, darunter so außergewöhnliche Kombinationen wie Erdbeere und grüner Pfeffer oder Rhabarber mit Ingwer. Das Brot wird vor den Augen der Gäste geschmiert und auf einem Holztablett serviert. 16 Sitzplätze gibt es im vorderen Teil des Cafés entlang der Theke, weitere 24 im hinteren Bereich. Die Ausstattung wirkt warm, sie ist rustikal und edel in Eichenholz und Leder gehalten. Sogar vor dem Café haben Spring/Hoffmann sogar jetzt im Winter einen rustikalen Tisch und zwei Bänke aufgestellt. Und sich damit Ärger mit der städtischen Abteilung für Bürgerdienste eingehandelt. "Das passe nicht ins Stadtbild, hat uns die Stadt geschrieben", sagt Stefan Sprinz kopfschüttelnd. Als ob die Plastikgarnitur des benachbarten Chinesen schöner sei. Gerade deshalb will er die Garnitur vorerst stehen lassen - trotz des erhobenen Zeigefingers der Behörde.
Erscheinungsdatum: Donnerstag 10.01.2008
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